erweiterte Suche
Mittwoch, 02.01.2013

Tunnelblick an der Westtangente

Die Vollendung der Röhre unter der Dresdner Straße rückt näher. Deshalb gibt es jetzt Stau auf der B6 – aber nicht mehr lange.

Aus Bautzens größter Baugrube ist längst Bautzens längster Tunnel geworden. Der Röhre unter der Dresdner Straße fehlen nur noch wenige Meter. Deshalb gab es gestern in der Neustadt lange Staus: Denn für den Abbau der ersten Behelfsbrücke musste die B6 den halben Tag voll gesperrt werden.

Eine gute Gelegenheit für viele Bautzener, einen Blick auf die Baustelle zu werfen. Und mehrere schauten ungläubig hinunter auf die Betondecke des Tunnels: „Da passen doch nie und nimmer zwei Autos nebeneinander durch.“ Bei der Befürchtung kann Christoph Becker allerdings Entwarnung geben. „Auf der Westtangente können sich bequem auch zwei Lkws begegnen“, sagt der Baubevollmächtigte von der Projektgesellschaft Deges. Wenn der Tunnel von oben aus betrachtet auch ziemlich schmal wirkt, belehrt ein Blick in die Röhre eines Besseren.

Seltsame bläuliche Flecken

Erst 200 Meter weiter hinten ist Tageslicht zu entdecken, das die graue Betonwand schnell verschluckt. Aber das soll noch besser werden: „Wenn das Material ausgetrocknet ist, wird der Beton deutlich heller“, sagt der 42-Jährige. Bis dahin verschwinden auch die bläulichen Flecken am Tunnelportal, die ebenfalls schon für hämische Kommentare bei den Passanten sorgten. Auch wenn unten noch das Wasser aus den Felsen über den Boden läuft: Bis Jahresende soll der Tunnel wenigstens im Rohbau fertig sein. Das hat Auswirkungen auf den Verkehr acht Meter weiter oben. Denn jetzt wollen die Baufirmen auch die Abdeckung der Betonröhre voranbringen – und dafür stehen die Behelfsbrücken im Weg.

Zwei davon waren für Autos aufgebaut worden, eine dritte für Radfahrer und Fußgänger. Alle drei kommen diesen Monat weg. Die erste wich bereits gestern. Als nächstes lässt die Deges die Fußgängerbrücke abbauen. Eine neue Querung für Radler und Passanten wird allerdings schon vorbereitet. „Für Fußgänger bleibt die Stelle die ganze Zeit offen, auch wenn das den Bauablauf etwas verzögert“, sagt Christoph Becker. Währenddessen muss sich der Autoverkehr die verbliebene Behelfsbrücke teilen, die nun bloß noch per Ampelregelung zu befahren ist.

Am 20. August ist dann auch damit Schluss: Dann wird die letzte Brücke abgebaut – und Autofahrer müssen sich erneut auf Umleitungen über die Querspange der Westtangente und die Schliebenstraße einstellen. Bis Ende Oktober gibt es dann wieder Staus – genau wie gestern Vormittag.

„Wir wollen allerdings noch in diesem Herbst den Verkehr auf der Dresdner Straße vollständig freigeben lassen“, sagt der Baubevollmächtigte. Bis Ende Oktober stehen aber noch einige Wochen mit engen Terminen an: Denn auf den wenigen Zentimetern zwischen Tunneldecke und künftiger Fahrbahn müssen mehrere Versorger Telekom-, Gas-, Strom- und Wasserleitungen verlegen. Erst dann kommt die eigentliche Asphaltdecke. Die soll aber unbedingt noch vor dem Winter fertig werden – damit die Autos wieder sicher über die Dresdner Straße kommen und nicht bei Eisregen die steile Rampe gesperrt werden muss.

Zwei Zentimeter fehlen

Laut den ursprünglichen Planungen sollten die Behelfsbrücken noch einen weiteren Winter stehen. Allerdings lief der Bau so gut, dass man den Ablauf umstellen konnte. Bis das erste Auto durch den Tunnel rollen kann, vergeht aber noch ein weiteres Jahr. Denn im Tunnel ist bis zum Einbau der Fahrbahndecke noch einiges zu tun. Und auch der Anschluss Richtung Spree nimmt erst nach und nach Formen an. So entstehen unterhalb der Eisenbahnbrücke gerade Fundamente für die Lärmschutzwände. Beeindruckend wirkt der Bau der Brücke über den schmalen Stiebitzbach. Und auch der Damm an der Spreebrücke wächst jeden Tag ein weiteres Stück.

Breit genug für zwei Lkws wird die Westtangente jedenfalls auf der ganzen Neubaustrecke – selbst wenn sich die Bauleute am Tunnel tatsächlich ein Stück vermessen haben: Die obere Öffnung liegt neben der eigentlich geplanten Stelle. Ganze zwei Zentimeter .