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Dienstag, 07.02.2017

Tumult auf dem Neumarkt

Auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche ist die Skulptur „Monument“ offiziell an die Dresdner übergeben worden. Es kam zu unschönen Szenen.

In Dresden scheiden sich die Geister an diesem Kunstwerk
In Dresden scheiden sich die Geister an diesem Kunstwerk

© Robert Michael

Dresden. In Dresden ist am Dienstagmittag die Skulptur „Monument“ offiziell eröffnet worden.

Die drei senkrecht aufragenden ausrangierten Linienbusse des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni wurden bereits am Montag vor der Frauenkirche aufgebaut.

Kurz vor der Rede von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) füllte sich der Platz rings um die Busse langsam. Mehr als 100 Menschen waren nach Angaben von SZ-Reportern vor der Frauenkirche, einige haben Transparente dabei. Die Polizei musste eingreifen. Einige Personen wurden des Platzes verwiesen, berichtete ein Reporter, die Hintergründe sind unklar. Mehrere Menschen skandieren lautstark „Schande, Schande“. Als Hilbert schließlich spricht, wird er ausgebuht und ausgepfiffen.

Das Geschehen am 7. Februar auf dem Neumarkt

Auf der anderen Seite bekommt der OB von zahlreichen Passanten auch Beifall. Hilbert bleibt standhaft und lädt die pöbelnden „Kritiker“ zu einer „Bürgersondersprechstunde“ ein. Dazu soll es demnächst nähere Informationen geben. Auch Künstler Halbouni zeigte sich auf dem Neumarkt und grüßte einen Teil der Menschen dort.

Vor allem online hatten rechte Gruppen ihre Anhänger dazu aufgerufen, sich auf dem Neumarkt einzufinden und die Übergabe der Skulptur an die Dresdner zu stören. Einer der Menschen, die bei den Facebook-Aufrufen der rechten „Heidenauer Wellenlänge“ den „Gefällt mir“-Button klickte, ist FDP-Stadtrat Jens Genschmar, ein Parteifreund Hilberts. Unter den Protestierenden waren unter anderem auch die „Wellenlänge“-Vertreter Madeleine Feige und Bernhard Wedlich und die Pegida-Redner Engelbert März und Thea May, die schon bei ähnlichen Aktionen rechter Gruppen in Erscheinung trat.

Seit die Planungen für die Skulptur, die nun für zwei Monate auf dem Neumarkt stehen wird, bekannt wurden, wird über das Projekt kontrovers diskutiert. OB Hilbert, der auch an diesem Dienstag auf dem Neumarkt zugegen ist, wurde vor allem im Internet beschimpft und bedroht. Seine Wohnung wird seither von der Polizei geschützt. Hilbert hatte sich mehrfach mit klaren Worten zum Gedenken rund um die Zerstörung der Stadt positioniert und vor einem „Opfermythos“ gewarnt.

Bereits am Montagabend - nach einer Pegida-Demonstration - gab es erste Proteste vor dem temporären Mahnmal. Viele Anhänger des Bündnisses, aber auch der AfD, hatten der Stadt Dresden Missbrauch der Kunstfreiheit vorgeworfen. Etliche Pegida-Demonstranten sprachen dort, wo erst im Jahr 2005 die im Krieg zerstörte und als Mahnmal zur Versöhnung wiedererrichtete Frauenkirche eröffnet wurde, von „entarteter Kunst“. (szo/mja)

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) versucht, auf dem Neumarkt mit einer besorgten Bürgerin ins Gespräch zu kommen