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Dienstag, 27.08.2013

Tumoroperationen sind immer eine besondere Herausforderung

Der Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Krankenhaus St. Joseph-Stift Dresden, Dr. med. Martin Freitag, über die Gründung des Darmkrebs-Zentrums und das tägliche Aufgabenspektrum

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Foto: Dr. med. Martin Freitag, Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Krankenhaus St. Joseph-Stift Dresden, Quelle: St. Joseph-Stift
Foto: Dr. med. Martin Freitag, Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Krankenhaus St. Joseph-Stift Dresden, Quelle: St. Joseph-Stift
  • Foto: Dr. med. Martin Freitag, Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Krankenhaus St. Joseph-Stift Dresden, Quelle: St. Joseph-Stift
    Foto: Dr. med. Martin Freitag, Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Krankenhaus St. Joseph-Stift Dresden, Quelle: St. Joseph-Stift

Die Klinik ist weit über die Dresdner Stadtgrenzen hinaus bekannt als zertifiziertes Kompetenzzentrum für die Schilddrüsenchirurgie. Jährlich werden rund 650 Eingriffe vorgenommen. Die Patienten kommen aus ganz Sachsen, Südbrandenburg und Thüringen. Nun wird ein zweites Zentrum eingerichtet - warum?

Wir sind gerade dabei, ein Darmkrebs-Zentrum zu gründen, das Ende dieses Jahres oder Anfang kommenden Jahres durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert werden wird. Wir haben eine hohe Anzahl an Patienten mit Darmerkrankungen und sind seit Langem auch auf dieses Fachgebiet spezialisiert. Aber das ist nicht allein der ausschlaggebende Grund, denn bei etwa 200 Darmkrebsoperationen pro Jahr sind die Behandlungsabläufe bereits sehr gut strukturiert. Es geht vielmehr darum, alle Aspekte von der Diagnostik, über die Therapie bis zur Nachbetreuung in zertifizierte Strukturen mit höchstem Qualitätsanspruch zu bringen. Neben dem eigentlichen Eingriff spielen optimierte Abläufe in den Strukturen hier die Hauptrolle: Vorstellung aller Patienten im interdisziplinären Tumorboard mit anschließender Therapieempfehlung, optimales OP-Timing, Ernährungsberatung, psychologische Betreuung, gegebenenfalls Kunstafterberatung. Patienten mit Krebsleiden bedürfen noch über viele Jahre hinweg einer gewissenhaften Nachbetreuung. Das Darmkrebszentrum bietet in Zusammenarbeit mit seinen vielen Kooperationspartnern dafür bestmögliche Voraussetzungen. Alle Untersuchungen und Resultate werden in Patientenordnern dokumentiert. Aufklärung und Information sind weitere zentrale Säulen des Zentrums. Letztendlich garantiert ein zertifiziertes Zentrum eine bestmögliche medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten. Und das ist unser Hauptanliegen.

Widmen Sie sich dann im nächsten Jahr vorrangig den Tumoreingriffen?

Nein. Wie bisher sind wir in verschiedenen chirurgischen Gebieten tätig. Dazu gehören Notoperationen bei akuten Entzündungen von Blinddarm oder Gallenblase genauso wie die reguläre Bauchchirurgie bei gutartigen Erkrankungen, etwa die Entfernung von Gallensteinen oder gutartigen Verengungen des Darmes, bis hin zu Krampfaderoperationen. Ein Großteil unserer Arbeit stellen zum Beispiel auch die Bruchoperationen, Leisten- und Narbenbrüche, dar - circa 400 Eingriffe pro Jahr entweder in minimalinvasiver Technik oder per Schnitt. Für das gesamte Spektrum stehen uns insgesamt fünf Operationssäle mit modernster Ausstattung, in denen teils auch die anderen Fachdisziplinen arbeiten, zur Verfügung. Aber die Krebsoperationen, sei es nun am Magen, an der Bauchspeicheldrüse, Leber oder am Darm, sind immer eine ganz besondere Herausforderung. Da arbeiten wir sehr eng interdisziplinär mit Onkologen und Intensivmedizinern des Hauses zusammen. Dafür sind ein fachkompetentes Team sowie hochpräzise Diagnose- und Therapiegeräte notwendig. Ein gutes Zusammenspiel der einzelnen Fachdisziplinen beginnt bereits bei der Operationsplanung und erstreckt sich bis zur post-operativen Betreuung der Patienten. Wir sind ein Haus der kurzen Wege!

Gerade beim Thema Darm sind die meisten Menschen sehr zögerlich, nehmen oftmals aus einer diffusen Sorge heraus die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahr. Ist denn die Angst begründet?

Diese Untersuchungen sind inzwischen zu einer schonenden internistischen Routine geworden. Ich kann jedem nur empfehlen, sie vornehmen zu lassen. Denn 40 bis 50 Prozent der Darmtumore verursachen zunächst keinerlei Beschwerden - und je eher ein Krebs oder dessen Vorformen, die Polypen, entdeckt werden, desto besser sind die Therapiechancen. Selbst wenn ein größerer Eingriff notwendig ist: Darmoperationen haben schon vor geraumer Zeit viel von ihrem Schrecken verloren. Dank zusätzlicher Antibiotika-Gaben, Wundrandschutz und subtiler Operationstechniken ist heutzutage vieles möglich, was noch vor ein paar Jahren undenkbar erschien. Wir erzielen gerade bei der Behandlung von Erkrankungen am Dick- und am Enddarm sehr gute Ergebnisse.

Das Gespräch führte Sylvia Schmidt

Weitere Informationen sind im Internet unter www.josephstift-dresden.de/chirurgie oder telefonisch unter der Rufnummer 0351 4440-2273 erhältlich.

Herzliche Einladung!

Patiententag, Darmkrebszentrum - Wir informieren:
Montag, 30. September 2013 von 16-18 Uhr


Ort:
Krankenhaus St. Joseph-Stift, Tagungszentrum
Clara-Wolff-Haus, 3. Etage, Canalettostr. 13, 01307 Dresden

Darmkrebs ist seit Jahren die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Rund 70.000 Menschen erkranken jährlich an Darmkrebs. Zu unserem Patiententag möchten wir Sie zum Thema Darmkrebs aufklären und informieren.

Programm:
Endoskopische Diagnostik des Darmkrebses - Dr. med. Seckinger
Operative Möglichkeiten bei Darmkrebs - Dr. med. Freitag
Der künstliche Darmausgang - Dr. med. Kallweit
Ernährungsberatung bei Darmkrebs - Dr. med. Gretzinger
im Anschluss - Patienten fragen, Experten antworten
Imbiss

Die Teilnahme ist kostenfrei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.