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Mittwoch, 20.01.2016

TU-Studie: Pegida ist nicht rechtsextrem

Politikwissenschaftler der Technischen Universität Dresden kommen bei einer neuen Untersuchung der populistischen Empörungsbewegung zu manch überraschender Erkenntnis.

Von Oliver Reinhard

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Eine Studie der TU Dresden ordnet die Pegida-Bewegung um Lutz Bachmann und Tatjana Festerling (Mitte) als nicht rechtsextrem ein.
Eine Studie der TU Dresden ordnet die Pegida-Bewegung um Lutz Bachmann und Tatjana Festerling (Mitte) als nicht rechtsextrem ein.

© Robert Michael

  • Eine Studie der TU Dresden ordnet die Pegida-Bewegung um Lutz Bachmann und Tatjana Festerling (Mitte) als nicht rechtsextrem ein.
    Eine Studie der TU Dresden ordnet die Pegida-Bewegung um Lutz Bachmann und Tatjana Festerling (Mitte) als nicht rechtsextrem ein.
  • Hans Vorländer, geschäftsführender Direktor des Instituts für Politikwissenschaft an der TU Dresden, präsentierte das Buch am heutigen Mittwoch in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Das Buch soll die erste systematische Analyse von Pegida auf der Basis empirischer Studien sein.
    Hans Vorländer, geschäftsführender Direktor des Instituts für Politikwissenschaft an der TU Dresden, präsentierte das Buch am heutigen Mittwoch in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Das Buch soll die erste systematische Analyse von Pegida auf der Basis empirischer Studien sein.
  • Auch Pegida-Mitgründer Rene Jahn (l) war Gast bei der Buchpräsentation.
    Auch Pegida-Mitgründer Rene Jahn (l) war Gast bei der Buchpräsentation.

Dresden. In Sachsens Landeszentrale für Politische Bildung wurde heute eine neue Pegida-Studie vorgestellt. Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden haben die rechtspopulistische Empörungsbewegung untersucht und analysiert. Dabei kamen sie zu manch neuer und überraschender Erkenntnis. Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Nicht rechtsextrem: Das Etikett „rechtsextrem“ passt nicht auf Pegida. Die Bewegung operiert zwar mit Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit, sie ist aber nicht zugleich antidemokratisch, diktaturaffin oder gar neo-nationalsozialistisch.

  • Einfaches Demokratieverständnis: In vielen Meinungen bei Pegida kommt ein stark vereinfachtes und technokratisches Demokratieverständnis zum Ausdruck mit dem Motto „wir fragen und bestellen - ihr antwortet und liefert“. Das Bewusstsein für die Komplexität und die damit logischerweise verbundene Dauer und Kompromissbedürftigkeit demokratischer Prozesse ist nur schwach ausgeprägt.

  • Typisch Dresden: In den Verlautbarungen von Pegida äußert sich jene Form von typischem Dresdner Konservatismus, der eigene Kultur, Tradition und Identität bewahren und hervorheben will, sich zugleich aber intensiv wehrt gegen vermeintliche Bedrohungen der „Heile-Welt-Nostalgie“.

  • Typisch Sächsisch: Pegida pflegt „eine Art sächsischen Chauvinismus“, der mit Selbstüberhöhung und dem Bestehen auf Vorrechte für Alteingesessene einhergeht und dabei indirekt „Anderes“ abwertet.

  • Mehr Aggression: Pegida hat nicht allein zur Normalisierung von fremdenfeindlichen Äußerungen und Aggressionen gegenüber Andersdenkenden beigetragen, seine Demonstrationen sind auch mitverantwortlich für die sprunghafte Zunahme gewalttätiger Übergriffe auf Asylbewerberheime.

  • Kein Ende in Sicht: Die Proteste führen höchstwahrscheinlich nicht zu einer „Frischzellenkur der Demokratie“. Eher ist Pegida der Auftakt zu einer dauerhaften, aber rein populistisch bleibenden Empörungs- und Klagebewegung.

Die Studie „Pegida. Entwicklung, Zusammensetzung und Deutung einer Empörungsbewegung“ wurde verfasst von Hans Vorländer, Maik Herold sowie Steven Schäller. Sie ist im Springer-Verlag als Buch erschienen (172 S., Softcover 24,99 Euro, ebook 19,99 Euro). Die Studie liegt in Buchform auch in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden zur Ausleihe bereit.