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Montag, 19.06.2017 Post aus Prag

Traurige Geschichten von Premierministern

Regierungschef ist in Tschechien kein Beruf, der als Grundlage für eine lange Ehe taugt. Das erfährt soeben auch der jetzige Premier.

Von Hans-Jörg Schmidt

Der tschechische Premierminister Bohuslav Sobotka und seine Frau Olga wollen sich nach 14 Jahren Ehe trennen.
Der tschechische Premierminister Bohuslav Sobotka und seine Frau Olga wollen sich nach 14 Jahren Ehe trennen.

© dpa

Nein, irgendwie war das bislang nicht das Jahr von Bohuslav Sobotka. Der 45-jährige tschechische Premier schlug sich zwar kürzlich erst in der wochenlangen Regierungskrise tapfer und erzwang gegen den Willen von Präsident Milos Zeman die Entlassung von Vizepremier Andrej Babis. Sein Mut, die heikle Geschichte durchzuziehen, fand bei den Tschechen ein positives Echo. Dennoch aber fielen seine Sozialdemokraten in den Umfragen danach ins Bodenlose. Selbst die ungewendeten Kommunisten waren bei den Wählern zuletzt beliebter als Sobotkas CSSD. Die landete erst auf dem vierten Platz mit gerade mal zehn Prozent der Stimmen. Jetzt gab Sobotka den Job als Parteichef auf, bleibt bis zu den Wahlen im Herbst nur noch Premier.

Und dann auch noch das: Vor ein paar Tagen informierten Sobotka und seine Ehefrau Olga (36) die Öffentlichkeit, dass sie sich nach 14 Jahren Ehe trennen werden.

Begonnen hatte alles mit einer Hochzeit auf dem wohl romantischsten Schloss, das Tschechien zu bieten hat. Die beiden, die sich bei der Arbeit in der Fraktion der Partei im Abgeordnetenhaus in Prag nähergekommen waren, heirateten 2003 auf dem zauberhaften Tudor-Gotik-Schloss Hluboka nad Vltavy (Frauenberg) in Südböhmen. Das junge Brautpaar war seinerzeit noch knapp bei Kasse. Die Zahl der Hochzeitsgäste war mit drei Dutzend für tschechische Verhältnisse klein bemessen.

Im selben Jahr noch schenkte Olga ihrem Bohuslav Sohn David, 2009 folgte Sohn Martin. Um beide wollen sich die Noch-Eheleute auch künftig gemeinsam kümmern, auch wenn sie ansonsten andere Wege gegen. Ob sie sich scheiden lassen werden, ist noch offen. In jedem Fall will der Premier während des Sommers aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. Neue Partner gebe es definitiv nicht. In der gemeinsamen Erklärung verwiesen sie als Grund für die Trennung auf den „enormen und dauerhaften Druck“, der das Leben eines Politikers und seiner Familie belaste.

Olga Sobotkova ist nur selten in der Öffentlichkeit erschienen. Die bildhübsche, kluge Blondine, die unterdessen im Filmgeschäft tätig ist, war in jedem Jahr Gast mit ihrem Mann beim traditionellen Neujahrsessen bei Präsident Zeman. Das ist ein Muss in Tschechien. Sie hat den Premier jedoch beispielsweise auf nur wenigen Auslandsreisen begleitet, fühlte sich offenkundig nicht wohl in großer Gesellschaft.

So tragisch das Ende in diesem Fall ist – Sobotka ist nicht der erste tschechische Premier, dessen Ehe am Job zerbrach. Vor ihm ließen sich schon drei andere Ministerpräsidenten scheiden: Mirek Topolanek, Jiri Paroubek und Petr Necas. Die drei hatten freilich neue, jüngere Partnerinnen, die sie nach ihren Scheidungen auch relativ schnell geheiratet haben.

Große Ausnahmen sind die früheren Premiers und späteren Präsidenten Vaclav Klaus und Milos Zeman. Beide sind noch immer mit ihren langjährigen Ehefrauen verbandelt. Frau Klausova lebt als Botschafterin in Bratislava von ihrem Mann räumlich getrennt. Und ähnlich verlief das zehn Jahre beim Ehepaar Zeman. So richtig ist Präsidentengattin Ivana Zemanova erst jetzt für ihren Mann Milos aktiv: als Leiterin seines Wahlkampfs.