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Montag, 02.10.2017

Traumtreffer nach Ansage

Dynamo gewinnt in Heidenheim 2:0. Das erste Tor schießt Niklas Kreuzer, den der Trainer zuletzt kritisiert hatte.

Von Daniel Klein und Cornelius de Haas, Heidenheim

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Geteilte Freude bringt den Auswärtssieg: Dynamos Torschützen Peniel Mlapa (l.) und Niklas Kreuzer.
Geteilte Freude bringt den Auswärtssieg: Dynamos Torschützen Peniel Mlapa (l.) und Niklas Kreuzer.

© nordphoto

  • Geteilte Freude bringt den Auswärtssieg: Dynamos Torschützen Peniel Mlapa (l.) und Niklas Kreuzer.
    Geteilte Freude bringt den Auswärtssieg: Dynamos Torschützen Peniel Mlapa (l.) und Niklas Kreuzer.
  • Sie schauen beinahe ehrfurchtsvoll hinterher – auch Heidenheims Torwart Vitus Eicher: Nach dem Freistoß von Niklas Kreuzer schlägt der Ball unter der Latte ein.
    Sie schauen beinahe ehrfurchtsvoll hinterher – auch Heidenheims Torwart Vitus Eicher: Nach dem Freistoß von Niklas Kreuzer schlägt der Ball unter der Latte ein.

In der 78. Minute schaute Uwe Neuhaus das erste Mal auf die Uhr. 2:0 stand es da für Dynamo, was aber nach den Erfahrungen in dieser Saison alles andere als beruhigend ist. „Es war noch verdammt viel zu spielen“, erklärte der Trainer und grinste. „Dann drohte erneut eine lange Nachspielzeit.“ Doch zittern musste er diesmal nicht um den Sieg, zwei späte Gegentore – wie noch vor einer Woche beim unglücklichen 3:3 in Darmstadt – fielen nicht. „Da hatten einige Spieler sicher ein Déjà-vu im Kopf, ich auch“, sagte Neuhaus.

Der nutzte jede Möglichkeit, um Zeit verstreichen zu lassen. Ab der 89. Minute wechselte er dreimal, taktische oder konditionelle Gründe hatten diese sicher nicht. „Wir haben es diesmal anders, viel besser gemacht als noch in Darmstadt“, erklärte Neuhaus. Dynamo behielt die Ruhe, verlor die Bälle nicht so schnell, verhinderte Standards. Das war die eine Seite. „Vergangene Woche hatte der Gegner eine andere Klasse“, fand Paul Seguin. „Heidenheim kam uns ganz gelegen.“ Der erschreckend schwache Auftritt der Württemberger war die zweite, die andere Seite, Dynamos 2:0-Sieg trotzdem verdient.

Nach ausgeglichenen 25 Minuten brachte Niklas Kreuzer mit einem direkt verwandelten Freistoß die Dresdner in Führung – ausgerechnet Kreuzer. Der Außenverteidiger hatte sich am Freitag noch eine öffentliche Standpauke von Neuhaus anhören müssen. Dem Trainer missfielen einige Aussagen von Kreuzer in einem SZ-Interview. Darin hatte sich der 24-Jährige über seine häufige Verbannung auf die Bank geäußert: „Sicher stellt man sich die Frage: Warum trifft es immer mich als Ersten? Wir haben als Mannschaft ein überragendes erstes Jahr in der zweiten Liga gespielt, woran ich meinen Anteil hatte.“ Neuhaus, von Journalisten darauf angesprochen, fand, dass Kreuzer die Schuld auch mal bei sich suchen könnte. „Außerdem hat er mir ein bisschen viel in die Vergangenheit geschaut. Für das letzte Jahr kann er sich nichts mehr kaufen.“

Doch Kreuzer hat nun gezeigt, dass er es auch derzeit drauf hat. Beim 1:0 zirkelte er den Ball aus 17 Metern über die Mauer und unter die Latte. Präziser geht es kaum, Ersatztorwart Vitus Eicher hatte keine Chance. „Das war doch eine gute Reaktion von ihm“, meinte Neuhaus. „Das können wir gerne jede Woche so machen.“

Zum Jubeln lief Kreuzer direkt zur Bank, aber nicht zu Neuhaus, sondern zu Physiotherapeut Dennis Wöhr. „Ich hatte mir Anfang der Woche einen Pferdekuss geholt, er hat mich jeden Tag behandelt, viel Zeit geopfert“, erzählte der Torschütze. „Ihm hatte ich versprochen, dass ich als Dankeschön ein Tor schieße.“ Was geklappt hat – und aus Kreuzers Sicht sogar überfällig war, denn: „Ich trainiere solche Freistöße so oft nach dem Training.“

Der Kunststoß war zudem der erste Treffer von Dynamo in Heidenheim überhaupt. Bei den drei Anläufen zuvor hatten die Dresdner zwei 0:3-Niederlagen kassiert, vorige Saison gab es eine Nullnummer. Das Tor blieb nicht die einzige Premiere. Last-Minute-Neuzugang Peniel Mlapa zog aus etwa 30 Metern – quasi aus dem Stand – ab und traf zum 2:0. Es war sein erstes Tor für die Schwarz-Gelben bei seinem sechsten Einsatz.

Mlapa: Einige wurden schon unruhig

„Es wurde langsam Zeit, die Leute wurden schon ein bisschen unruhig, habe ich gemerkt“, erklärte der Ex-Bochumer. Aus dem Augenwinkel habe er beobachtet, dass sich der Torwart nicht so richtig entscheiden konnte, ob er herauslaufen soll oder nicht. „Also habe ich mir gesagt: Probier es einfach.“ Kreuzer fand, dass dies der schönere der beiden Treffer war, auch Neuhaus stufte es unter Traumtor ein.

Dabei war die Sicht bei Mlapas Schuss etwas eingeschränkt. Unter den 1 200 Dynamo-Anhängern wurden drei Bengalos gezündet – und vernebelten das Spielfeld. Einige Heidenheimer Anhänger wollten da offenbar nicht nachstehen, zündelten ebenfalls. Als Sicherheitskräfte einschritten und die anderen Zuschauer „Ultras raus“ skandierten, kletterten die auf und über den Zaun, rollten ihre Banner ein und verschwanden aus dem Block. Erst nach einigen Minuten Unterbrechung ging es weiter, die fällige Nachspielzeit überstanden die Dresdner diesmal jedoch unbeschadet.

Eher wäre noch das 3:0 gefallen. Der eingewechselte Lucas Röser umkurvte bei seinem Solo zwar den Torwart, verfehlte dann aber knapp das Ziel. Wenn man kleinlich wäre, könnte man die Chancenverwertung bemängeln. Neuhaus war das nicht, attestierte seiner Mannschaft vielmehr „eine überragende Auswärtsleistung“. Die sei vor allem für die Köpfe wichtig gewesen“, meinte Seguin. Die Länderspielpause wird so eine entspanntere.

Benoten Sie die Leistungen der Dynamo-Spieler in Heidenheim:

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. U. Bitterlich

    Nach mehreren angesehenen Wiederholungen des Tores von Mllapa konnte ich beim besten Willen keine Sichteinschränkung des Tormanns feststellen. Es war ein super Tor, klare Sicht und für den Tormann gab es nichts zu halten. Welchen Schleier vor den Augen die Verfasser des Artikels hatten, wird ihr Geheimnis bleiben.

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