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Trauben zum Naschen und fürs Gelee

Die Bewirtschaftung des eigenen Weinberges erweist sich für die Kommune schwierig. Für die Pflege blieb 2017 wenig Zeit.

07.10.2017
Von Heike Heisig

um Naschen und fürs Gelee
Kerstin Otto hat zu Wochenbeginn bei der Weinlese in Roßwein geholfen. An einigen Pflanzen waren Netze angebracht. Die sollen davor schützen, dass sich Vögel bedienen und wie 2014 ohne Netze passiert, die Ernteausbeute schmälern.

© André Braun

Roßwein. Mit einem eigenen Weingarten hat die Stadt Roßwein etwas, worauf sicherlich die wenigsten Kommunen verweisen können. Doch nur Freude bereitet das Grundstück mit mehr als 600 Weinstöcken nicht. Vielmehr steckt eine Menge Arbeit darin. Und die war offensichtlich in den zurückliegenden Monaten nicht so zu bewältigen wie es notwendig gewesen wäre. Ein Leser meldete sich und meinte, dass die Anlage einen eher traurigen Eindruck macht. Holzpfosten, an denen die Rank- und Befestigungshilfen angebracht sind, sind umgeknickt. Triebe wurden teilweise nicht gekürzt oder angebunden, wie in anderen Weinbergen zu beobachten ist.

Dieses Bild auf dem Roßweiner Weinberg hat auch etwas mit der personellen Ausstattung des Baubetriebshofes zu tun. Immer wieder hat die Kommune Hilfe gesucht, krankheitsbedingte Vertretungen ausgeschrieben. „In dieser Situation muss man ehrlich sagen, dass die Pflege des Weinberges da nicht die oberste Priorität besaß“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Peter Krause (Linke).

Einzelne Sorten seien bewusst nicht zurückgeschnitten worden, weil abzusehen war, dass kein Ertrag zu erwarten ist. „Defekte Säulen werden ausgetauscht“, sichert er zu.

Zugleich räumt er ein, dass die Kommune bei der Bewirtschaftung des Geländes tatkräftige Hilfe gebrauchen könnte. Die kam zunächst von einer Bürgerarbeiterin, später von Ein-Euro-Jobbern. Beim Anlegen des Weinberges 2010 war davon ausgegangen worden, dass auch Ehrenamtliche mit anpacken. Doch diese Rechnung ist so nicht aufgegangen. Daher sucht die Kommune nach wie vor einen Patenverein, Hobbyweinbauern oder begeisterte Gärtner, die bei der Pflege helfen wollen. „Ein Kontakt kann über das Sekretariat des Bürgermeisters im Rathaus aufgenommen werden“, sagt Peter Krause.

Überdies verweist der Vize-Bürgermeister auf eine Idee, hinsichtlich der Pflege weiter mit der Förderschule zusammenzuarbeiten. „Die Gedanken dazu sind aber erst in der Anfangsphase“, gibt er zu. Einige der Förderschüler haben schon in den Vorjahren auf dem Weinberg mitgeholfen. In diesem Jahr unterstützen sie die Kommune auch bei der Verarbeitung der Früchte, indem sie Peter Krause zufolge Weingelee herstellten. „Eine kleine Erntemenge lag aber auch als Kostprobe für die Gäste des Ehrenamtstages auf dem Buffet“, so der stellvertretende Rathauschef.

Eine Weinrebe ist neben einem Ross Bestandteil des Stadtwappens. Nachgewiesen ist, dass es Anfang des 13. Jahrhunderts schon einmal einen Weinberg in Roßwein gegeben hat. Allerdings ist nicht überliefert, an welcher Stelle. Im Weinanbau sollen sich Mönche versucht haben. Die Idee, wieder einen Weinberg anzulegen, gab es 2008.

Zwei Jahre später wurden die ersten Stöcke gepflanzt. Eine erste große Lese gab es 2015, nachdem die Pläne dafür zunächst der Mehltau und später der Rote Brenner, ein Pilz, zunichte gemacht hatten. Die Ernte ist in jedem Fall für gemeinnützige Zwecke bestimmt. Die Trauben werden in Altenheime, Kitas oder die Schulen gegeben. Die ersten durften die Helfer naschen.