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Freitag, 25.11.2016 12:00 Uhr

Tradition trifft auf Moderne

Mehrere tausend Medikamente lagern in der Adler-Apotheke in Neukirch. Das ist nichts Ungewöhnliches und sieht in anderen Apotheken genauso aus. „Dennoch kann keine Apotheke alle möglichen Medikamente vorrätig haben“, sagt Andreas Keller, der Inhaber der Adler Apotheke. „Wir bestellen deshalb mehrmals täglich nach den Bedürfnissen unserer Kunden beim Großhandel. Innerhalb von zwei bis drei Stunden erfolgt die Lieferung in unser Lager.“

Der erste Anliefertermin des Tages ist um 12 Uhr. „Da muss die Mittagspause etwas warten“, schmunzelt Andreas Keller. „Erst muss die Ware einsortiert werden!“ Das erfolgt in seiner Apotheke seit einer umfangreichen Modernisierung im August dieses Jahres nicht mehr in die traditionellen Schubladensäulen, sondern in ein automatisches Warenlager. In gelben Kisten werden die Medikamente angeliefert und von da aus den Bestelllisten zugeordnet. „Ein Teil wird für den Boten, der bestellte Medikamente zu den Kunden ausfährt, zurechtgelegt. Die Bestellungen von Kunden, die ihre Arzneimittel abholen, müssen ebenfalls abgearbeitet und nicht zuletzt unser Kommissionier-Automat bestückt werden. Dafür werden die Packungen von Hand gescannt und ungeordnet auf ein Förderband im Automaten abgelegt. Von dort aus nimmt ein Roboterarm sie auf und legt sie an einem freien Lagerplatz ab“, erläutert der Pharmazeut. Für ihn und sein Team ist die Zeit ohne dieses moderne Warenlager kaum noch vorstellbar. „Nicht nur die Einlagerung der Medikamente geht deutlich schneller. Der Automat kann auch Medikamente austeilen.

Wird ein Arzneimittel vom Verkaufstisch aus angefordert, entnimmt es der Roboterarm aus seinem Lagerfach. Mittels Rutsche gelangt es an die Ausgabestelle. Vorteil: wir müssen nicht ins Lager um das benötigte Medikament zu holen, sondern können in dieser Zeit beim Kunden bleiben und ihn beraten. Auch die Fehlerquote sinkt erheblich!“ Noch gehört Andreas Keller mit seiner „Neuanschaffung“ zu den Exoten in der Branche. Von rund 20.000 Apotheken deutschlandweit verfügen etwa 4 bis 5-Tausend über solch ein modernes Warenlager. Vor über 150 Jahre - auf diese lange Geschichte kann die Adler-Apotheke zurückblicken- war an Technik im heutigen Sinne freilich noch nicht zu denken. Eine ganze Reihe von Berufskollegen hatten in der „Apotheke und Drogenhandlung Oberneukirch“ bereits ihren Dienst an der Gesundheit der Landbevölkerung getan, als Curt Keller sich 1912 dazu entschloss, das 1860 erbaute Haus in der heutigen Hauptstraße 47 zu erwerben. „Curt Keller war weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Er stellte viele eigene Arzneimittel her wie den Adler-Balsam, Wurmtabletten und eigene Teemischungen“, berichtet Andreas Keller aus der Chronik. Curt Kellers Sohn Wilhelm führte dann die Apotheke ab 1951 als Staatspächter der DDR weiter. Mit seinem Tod musste die Adler-Apotheke an die DDR verkauft werden. In dieser Zeit führte Pharmazie-Ingenieur Michael Keller mehrmals kommissarisch das Geschäft, bis es 1990 an die Treuhand überging und 1993 von Apotheker Hans-Jürgen Micksch gekauft wurde. War die Palette der Arzneimittel in der DDR doch recht überschaubar, gab es nun eine Vielzahl an neuen Produkten. Schnell wurde der Platz knapp. Weil das altehrwürdige Haus den gesetzlichen Vorgaben für einen modernen Apotheken-Betrieb nicht mehr entsprach, verließ die Einrichtung 1996 nach 136 Jahren ihre angestammte Bleibe.

Seit 20 Jahren versorgt die Adler-Apotheke ihre Kunden im Geschäft in der Hauptstraße 15. Dank großzügiger Umbauten entwickelte sich die Einrichtung zu einer modernen, beratungs- und serviceorientierten Apotheke. Seit 2003 leitet Andreas Keller, der Sohn von Michael Keller, in vierter Generation die Adler-Apotheke, die er 2010, nach 35-jähriger Unterbrechung, wieder in den Familienbesitz zurückkaufen konnte. Grit Bührdel-Schmieder

Adler Apotheke Andreas Keller

Hauptstraße 15 | 01904 Neukirch

035951 31412

info@adlerapo-neukirch.de