Samstag, 15.12.2012
Totgesagtes turnt sich länger
30 Jahre nach Jane Fondas bekanntem Gymnastik-Video erlebt Aerobic jetzt ein Revival als akrobatische Sportart.
Schauspielerin Jane Fonda in ihrem Fitness-Salon "Workout" in Beverly Hills, Kalifornien, am 6. September 1979. Foto: dapd
Eisenberg. Am Ende ihrer Aerobic-Übung ist Jessica Zoch völlig ausgepowert. Keuchend und alle Gliedmaßen von sich gestreckt, liegt die 14-Jährige auf dem Parkett einer Turnhalle im thüringischen Eisenberg. Zuvor hat sie zwei Minuten lang bei Handstand, Flick Flack und Bodenturnen alles gegeben. Wieder bei Puste, schwärmt die Schülerin von der Übung. „Ich mag vor allem die schnellen Elemente, bei denen man viel Kraft und Ausdauer braucht", sagt sie. Zoch ist eine von 250 Aerobic-Turnerinnen in Thüringen, die regelmäßig an Wettkämpfen teilnehmen. Mit ihnen erlebt Aerobic 30 Jahre nach Jane Fonda derzeit ein Revival.
Bilderstrecke
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Schauspielerin Jane Fonda in ihrem Fitness-Salon "Workout" in Beverly Hills, Kalifornien, am 6. September 1979. Foto: dapd
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Die 14-jährige Aerobic-Sportlerin Jessica Zoch turnt während eines Aerobic-Trainings in einer Sporthalle in Eisenberg mit Freundinnen. Foto: dapd
Keine lilafarbenen Stulpen mehr
Seit zehn Jahren turnt Jessica Zoch schon Aerobic. „Das gab es bei uns im Kindergarten und ich fand das von Anfang an klasse", sagt sie. Seitdem trainiert sie dreimal die Woche und hat auch schon vordere Plätze bei internationalen Wettkämpfen errungen. Darüber, dass Aerobic schon ihre Mutter begeisterte, kann sie nur keck lächeln. Damals sei Aerobic nur „nur was für Hausfrauen" gewesen, sagt sie. Aerobic im 21. Jahrhundert sei dagegen etwas mit „viel Power und Aktion".
Genau genommen ist Aerobic noch älter. Seine Geburtsstunde hatte das Trimm-dich-Programm schon in den 1960er Jahren, als der US-amerikanische Arzt Kenneth Cooper ein aerobes Training zur Stärkung von Herz und Lunge entwickelte. Eine globale Aerobic-Welle löste jedoch die Schauspielerin Jane Fonda im Jahr 1982 mit der Veröffentlichung ihres Gymnastik-Videos aus. Fonda wurde zur Fitness-Ikone und selbst hinter dem Eisernen Vorhang begannen junge Frauen, sich in lilafarbenen Synthetik-Anzügen zu Popmusik zu bewegen. Anfang der 1990er Jahre kam dann der Bruch. Modischere Programme kamen auf und Aerobic hatte den Charme von selbst gestrickten Stulpen und Pulswärmern.
Abseits des Mainstreams hat sich Aerobic von einem Relikt der 1980er Jahre zu einem anspruchsvollen Turnprogramm mit viel Akrobatik und Aktion gewandelt. „Mit Jane Fonda hat das Aerobic von Heute rein gar nichts mehr zu tun", sagt auch die Trainerin und Vorsitzende des Aerobic-Vereins Eisenberg, Andrea Zimmermann. Angereichert mit Elementen aus dem Breakdance, dem brasilianische Kampftanz Capoeira und dem Bodenturnen, besteht eine Aerobic-Übung des 21. Jahrhunderts aus einer zwei Minuten dauernden Performance. „Das ist heute ein richtiger Sport mit Wettkämpfen und Punktrichtern, die die Elemente bewerten", sagt Zimmermann.
Mitgliederzahlen verdoppelt
Gleich geblieben ist jedoch nur die Zielgruppe: Vor allem junge Mädchen begeistern sich damals wie heute für Aerobic. Und der Trend zeigt deutschlandweit klar nach oben, wie die Statistiken der Turnverbände zeigen. So verdoppelten sich allein in Thüringen die Mitgliederzahlen seit der Erstanmeldung der Sportart im Jahr 1998 von 2.400 auf heute 4.100. Und Thüringen ist keine Ausnahme, ähnliche Zuwächse vermelden auch Vereine in Dresden, Halle oder Ulm.
Grund genug für einige Enthusiasten, bereits von höheren Weihen zu träumen. So könnte sich die Thüringer Aerobic-Pionierin Zimmermann eine Aufnahme in das olympische Programm vorstellen. „Es gibt schon Vorstöße und wenn wir noch mehr werden, wird es irgendwann klappen", sagt die 57-Jährige, die für ihr Engagement in Sachen Aerobic in diesem Jahr die Sportplakette des Freistaates Thüringen erhalten hat. Bis dahin kann aus deutscher Sicht ruhig noch etwas Zeit vergehen. Denn von der Weltspitze, gebildet von Rumänien, China und Frankreich, sind die deutschen Aerobic-Mädchen ohnehin noch ein ganzes Stück entfernt. (dapd)