erweiterte Suche
Samstag, 22.08.2015

Tortur mit der Tüte

Heute ist Schulanfang. Dazu gehört natürlich eine Zuckertüte. Aber was ist drin in Zeiten von Smartphones und Tablet-PCs?

Von Alexander Buchmann

Spieglein, Spieglein – an der Decke, was macht denn der junge Mann da. Es ist der SZ-Fotograf, der die Auslage in Szene setzt. Bei Spielwaren-Kiank in Weißwasser gibt es eine große Auswahl an Zuckertüten für die Schulanfänger. Vor allem die bei Kindern im jeweiligen Jahr gefragten Motive aus Fernsehsendungen und Büchern sind als Aufdruck beliebt.
Spieglein, Spieglein – an der Decke, was macht denn der junge Mann da. Es ist der SZ-Fotograf, der die Auslage in Szene setzt. Bei Spielwaren-Kiank in Weißwasser gibt es eine große Auswahl an Zuckertüten für die Schulanfänger. Vor allem die bei Kindern im jeweiligen Jahr gefragten Motive aus Fernsehsendungen und Büchern sind als Aufdruck beliebt.

© andré schulze

Sie gehört zum Schulanfang wie der Ranzen und die Feier im Familienkreis – die Zuckertüte. Und das bereits seit rund 200 Jahren. Die Gestaltung und Größe haben sich über die Jahre ebenso verändert wie die Schule selbst. Aber was ist mit dem Inhalt der Zucker- beziehungsweise Schultüte? Die SZ hat bei Grundschulen und Geschäften nachgefragt, was die Abc-Schützen heute in ihren Zuckertüten finden.

Die Antwort ist einfach: So ziemlich das Gleiche wie bereits Generationen vor ihnen, sprich: Schreibmaterial, Spielzeug und Süßigkeiten. Es sei immer noch die klassische Schultüte, erklärt Simone Kürth vom Schreibwarenladen „Schreib Chic“ in Weißwasser. So kommen in der Regel immer noch Tuschkasten, Pinsel, Lernfüller und Bastelmaterial hinein – ergänzt natürlich auch durch das eine oder andere Spielzeug. Die Kosten für eine befüllte Zuckertüte schätzt Kürth auf etwa einhundert Euro. Allein die Tüte koste zwischen zehn und zwanzig Euro. Hinzu kommen zwei Lernfüller, die laut Kürth von den Schulen in doppelter Ausführung verlangt werden und preislich bei rund 13 Euro beginnen. Auch Zeugnismappen landen mitunter schon in der Schultüte, sagt Kürth.

Dass es im Vergleich zu früheren Jahren eine Tendenz gebe, mehr Geld für Schultüten auszugeben, kann Yvonne Kiank von Kiank Spiel und Freizeit in Weißwasser nicht bestätigen. Gleiches gilt auch bei die Befüllung, für die Kiank ihren Kunden neben dem klassischen Schulbedarf kleine Lern- und Geschicklichkeitsspiele empfiehlt, die sich teilweise auch am Lehrplan orientieren. Elektronische Artikel wie Lerncomputer seien schon allein wegen ihrer Größe als Inhalt der Zuckertüten ungeeignet. „Solche Sachen werden mitunter extra dazu geschenkt. Meist aber eher in Richtung Weihnachten“, sagt Kiank.

Damit beim Schulbedarf das Richtige in der Tüte landet, geben die drei Weißwasseraner Grundschulen, in denen heute insgesamt 100 Kinder eingeschult werden, den Eltern bereits im Vorfeld bei den Elternversammlungen entsprechende Hinweise oder Listen. Direkte Empfehlungen für den Inhalt der Zuckertüten gebe es jedoch nicht. Man empfehle den Eltern aber, so zu packen, dass die Kinder die Tüte auch tragen können, erklärt Dörte Broddack, Leiterin der Pestalozzi-Grundschule in Weißwasser. Beispielsweise könne auch ein T-Shirt für den Sportunterricht mit eingepackt werden.

Während der Inhalt und die Größe der Zuckertüten in den letzten Jahren also nahezu unverändert geblieben sind, habe sich die Anzahl, die jedes Kind zum Schulanfang bekommt, immer weiter erhöht. Es sei festzustellen, dass die Kinder heute mehrere Tüten bekommen, teilweise fünf oder sechs, sagt Kiank. Denn mittlerweile werden diese nicht mehr nur von den Eltern, sondern auch von Großeltern und anderen Verwandten verschenkt. Allerdings fallen diese Zuckertüten meist kleiner aus als das Exemplar von den Eltern. Hinsichtlich der Größe werde meist zu den Tüten mit einer Länge von 85 Zentimetern gegriffen, erklärt Kiank. Zwar gebe es auch metrische Exemplare, diese seien hier aber nicht zugelassen. Grund sei das traditionelle Aufhängen der Tüten an einem Baum, so Kiank.