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Donnerstag, 16.03.2017

Tonbahn im Kleinformat

Die SZ stellt Menschen vor, die viel mit der Waldeisenbahn verbindet. Heute: Matthias Mätzig aus Trebendorf baut Modelle und hat schon eine Fahrkarte für Ostern.

Von Jenny Thümmler

Matthias Mätzig hat seine eigene kleine Tonbahn. Der Schuppen rechts ist maßstabsgerecht nachgebaut.
Matthias Mätzig hat seine eigene kleine Tonbahn. Der Schuppen rechts ist maßstabsgerecht nachgebaut.

© Joachim Rehle

Für Matthias Mätzig war die Tonbahn nie so ganz weg. Als die Waldeisenbahn Muskau 2013 wegen des Tagebaus die Tonbahnstrecke aufgeben musste, hat der Trebendorfer sie einfach nachgebaut. Als Modell. Drei Meter lang ist die Platte, dazu einen halben Meter tief, weil die Tongrube Mühlrose natürlich auch Platz finden musste. „Den alten Lokschuppen in der Grube haben wir genau vermessen und maßstabsgerecht gebaut“, sagt Mätzig. Heute kommt man dort gar nicht mehr ohne Weiteres heran.

Mit dem Modell auf Reisen

Zwei, drei Mal pro Jahr packt Matthias Mätzig das Modell in sein Auto und nimmt damit an Ausstellungen teil. Erst vor wenigen Wochen war er in Berlin, früher auch schon bei der großen Schau des Görlitzer Modellbahnvereins in der Löbauer Messehalle. „Die Platte besteht aus drei Teilen, die leicht ins Auto passen. Auf- und Abbau dauern nur zwanzig Minuten.“

Matthias Mätzig kennt sich damit aus, weil er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Sein Unternehmen „Lasermanufaktur M“ bietet unter anderem Teile für den Modellbau und fertige Modelle an. Und einige erinnern nicht zufällig an Gebäude der Waldeisenbahn.

Eine solche Leidenschaft für die Eisenbahn kommt natürlich nicht von ungefähr. Matthias Mätzig war noch ein Jugendlicher und lebte in Krauschwitz, als er mit Freunden auf Mopeds an der Strecke der Tonbahn entlanggefahren ist. „Das hat uns irgendwie fasziniert. Und bei mir ist es so geblieben. Die Tonbahn ist ja die einzige Strecke, die von der ursprünglichen Waldeisenbahn und ihrem großen Streckennetz erhalten blieb.“ Hätte sie nach dem offiziellen Ende der Waldeisenbahn 1978 nicht bis zur Wende die Ziegelei Weißwasser mit der Tongrube Mühlrose verbunden, würde es das Museum mit den originalen Loks heute nicht geben, so Mätzig.

Als die Tonbahn nach der Wende immer öfter für touristische Fahrten genutzt wurde, saß auch Matthias Mätzig oft drin. Die Fahrt durch den Muskauer Faltenbogen gefiel ihm und seiner Familie, besonders, wenn es dazu noch erklärende Vorträge gab. Die kleine Bahn gehörte zur Region, sie war einfach immer da. „Wie das bei solchen Sachen ist: Man merkt erst, wie wichtig sie sind, wenn sie nicht mehr da sind“, so der 50-Jährige.

Allerletze Fahrt ging an die Nieren

Er erinnert sich lebhaft an die allerletzte Fahrt im Jahr 2013, bei der Mätzig gemeinsam mit seiner Frau natürlich dabei war. „Als wir wieder in den Bahnhof einfuhren, war es allen Leuten anzusehen, dass es ihnen mächtig an die Nieren ging.“ Vor allem den Mitgliedern des Waldeisenbahn-Vereins. Schließlich war die Tonbahn in den 1980er Jahren Grund und Beginn der Vereinsarbeit. Da ist es für Matthias Mätzig und seine Frau natürlich Ehrensache, jetzt zu den Ersten zu gehören, die auf der wieder freigegebenen Strecke mitfahren. Die beiden Fahrkarten für Ostersonntag liegen schon bereit.