Donnerstag, 27.12.2012

Tödlicher Hinterhalt aus Mordlust

Ein Mann erschießt Lebensretter in ländlicher Idylle und Amerika fehlen die Antworten.

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  • William Spengler (o.) steckte sein Haus an und lockte die Feuerwehrleute in seine tödliche Falle (u.). Fotos: dpa, dapd
    William Spengler (o.) steckte sein Haus an und lockte die Feuerwehrleute in seine tödliche Falle (u.). Fotos: dpa, dapd

Es dämmerte gerade, der Heilige Abend war noch gar nicht richtig angebrochen, als auf der Feuerwache von Webster die Alarmglocke schrillte. Sofort machten sich die Teams einsatzbereit, enterten die Wagen und rasten mit Blaulicht durch den beginnenden Tag.

Wahrscheinlich war wieder jemand unachtsam gewesen mit dem Weihnachtsbaum oder ein leuchtender Santa Claus hatte sich in einem Garten entzündet. Wahrscheinlich keine große Sache. Doch nach dem Einsatz sind zwei Helfer tot – erschossen. Zwei Helfer liegen schwer verletzt im Krankenhaus – ebenfalls von Kugeln getroffen. Sieben Häuser werden zum Fraß der Flammen. Das war die Wahnsinnstat von William Spengler.

Der 62-jährige Ex-Sträfling hatte im beschaulichen Örtchen Webster im US-Bundesstaat New York zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester in einem Haus gewohnt, direkt am Ontariosee. Die Nachbarschaft galt als gediegen, Grundstücke mit Anleger, die meisten Hausbesitzer besaßen auch ein kleines Bötchen. Wie in Newtown, wo vor ein paar Wochen der Grundschulkiller wütete, wähnten sich auch in Webster alle in Sicherheit.

William Spengler aber hatte seine hinterhältige Tat gut vorbereitet und die Lebensretter der Kleinstadt ganz bewusst in einen Hinterhalt gelockt. Denn er wollte morden und brandschatzen, das war seine erklärte Absicht. Sie liegt nicht als mündliche Aussage vor, weil sich Spengler ebenfalls selbst richtete. Wohl wissend um sein Ende, hinterließ er der Nachwelt eine maschinengeschriebene Botschaft.

Die verlaß Polizeichef Gerald Pickering, als das Drama zu Ende schien: „Ich will mal sehen, wie viel der Nachbarschaft ich niederbrennen kann und ich werde tun, was ich am liebsten mache: Menschen töten.“ „Es scheint eine Falle gewesen zu sein“, fügte Pickering hinzu und musste dabei sichtlich um Fassung ringen. Denn zu den Opfern gehörte auch der Sprecher seiner kleinen Behörde. Dann fasst Pickering noch einmal den Ablauf der perfiden Tat zusammen: Spengler zündet sein Haus sowie sein Auto an, alarmiert die Feuerwehr und geht dann einem Scharfschützen gleich in Deckung. Als die Feuerwehrmänner eintreffen und die lodernden Flammen löschen wollen, eröffnet Spengler das Feuer. Im Kugelhagel stirbt der 19-jährige Thomas Kaczowka. Zwei seiner Kollegen werden ebenfalls getroffen, doch sie werden überleben.

Der erste Polizist, der am Brandort erscheint, verfolgte den mutmaßlichen Schützen. Dabei kam es zu einem heftigen Schusswechsel, wie Pickering erklärte. Durch sein entschlossenes Handeln habe Michael Chiapperini vermutlich vielen Menschen das Leben gerettet, ergänzte der Polizeichef. Feuerwehrleuten wie Nachbarn. Nach der Schießerei evakuierte die Polizei die Nachbarschaft aus Vorsicht mit einem gepanzerten Wagen. Zu dem Zeitpunkt hätte niemand gewusst, ob Spengler noch Komplizen gehabt hätte.

Hatte er nicht. Dafür aber angeblich einen Hass auf seine Schwester. Das erzählte ein Anwohner. Die Geschwister sollen in getrennten Teilen des Hauses gewohnt haben. In dessen Trümmern fand die Spurensicherung später die sterblichen Überreste eines Menschen. Die Ermittler gingen davon aus, dass es sich dabei um die Schwester des Mannes handelt, weil die Mutter bereits im Oktober gestorben war.

Spengler selbst hatte mehr als 17 Jahre im Gefängnis verbracht, weil er 1980 seine 92-jährige Großmutter erschlagen hatte. 1998 kam er auf Bewährung frei und lebte seither nach Behördenangaben unauffällig. Als verurteilter Straftäter hätte er allerdings keine Waffen besitzen dürfen. Doch die Polizei stellte einen Revolver bei ihm sicher, eine Schrotflinte und ein halbautomatisches Sturmgewehr der Marke Bushmaster. So ein Modell hatte auch der Amokläufer von Newtown bei sich.

Die Kleinstadt Webster und die Nation sind geschockt von der brutalen Tat: „Diese Leute stehen mitten in der Nacht auf, um Feuer zu löschen. Sie erwarten nicht, dass man auf sie schießt und sie tötet“, sagte Polizeichef Pickering und rätselt über das Motiv. (SZ/stb, dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

  1. Klaus Heck

    Vor einigen Jahren war ich das erstemal in Austin/Texas,sehr schön alles,aber.Es gab sehr vieles was mich massiv gestört hat.Der freie Verkauf aller Waffenarten,auch an mich einem Ausländer,Damals hätte ich ohne weiteres einen Colt über F-Airport eiführen können.Ich tat es nicht,klar,aber wie viele Waffen kommen heute noch nach D.,auch über die grüne Grenze,od.die US.Army(plus andere).Zurück ,ich las heure Morgen Die NYTimes,alles,gleiche Waffe-n,motivation unklar,abstände werden immer kürzer.Es gilt Weltweit die einziehung aller Waffen. Ohne rücksicht,sorry aber wen ich diesen Fanatismus (?)sehe,wie Tötungsgeräte geschwenkt werden,mir wird es Angst um alles.Überall nur Gewalt auch zu Weihnachten im Tv.Eigentlich ,nach diesen News bleibt nur noch zu sagen ich bin ein Mensch.Zum schluß,Austin,kettensägen massager,ich war dort im Kino,ich bi gegangen 6 habe gekotzt,die Kommentare der SEHER.Ich bin gelernter Atheist geworden.Gogito ergo sum,Renee Descartes

  2. Dr. Ulrich Bergk

    Der Schreiber sollte sich, wenn er denn schon Kommentare abzugeben gewillt ist, einmal mit der deutschen Rechtschreibung beschäftigen. Es graust einen ja, wenn man dieses Gestottere liest!

  3. W.Priemer

    Was erwartet man denn, wenn überall im Fernsehen die Rezepte zum Töten verbreitet werden? Diese Programme sind zum K...! Zu Weihnachten "Tatort" bis zum Abwinken; CIS Miami, wo die einen Verbrecher die anderen Verbrecher jagen und noch als Helden hingestellt werden, usw. Ausrede der Sender: Die Zuschauer wollen das sehen. Wahr ist aber: Die Zuschauer haben das sehen zu wollen! Es wird ihnen so lange vorgesetzt, bis sie daran gewöhnt sind. Bloß die Quoten müssen stimmen. Und unsere Politiker schweigen dazu. So werden die Menschen auf Kriege vorbereitet indem man sie abstumpft.

  4. W.Priemer

    Was erwartet man denn, wenn überall im Fernsehen die Rezepte zum Töten verbreitet werden? Diese Programme sind zum K...! Zu Weihnachten "Tatort" bis zum Abwinken; CIS Miami, wo die einen Verbrecher die anderen Verbrecher jagen und noch als Helden hingestellt werden, usw. Ausrede der Sender: Die Zuschauer wollen das sehen. Wahr ist aber: Die Zuschauer haben das sehen zu wollen! Es wird ihnen so lange vorgesetzt, bis sie daran gewöhnt sind. Bloß die Quoten müssen stimmen. Und unsere Politiker schweigen dazu. So werden die Menschen auf Kriege vorbereitet indem man sie abstumpft.

  5. Blaues Wunder

    Hallo Herr Bergk, Herr Heck hat um 1:17, wahrscheinlich im Halbschlaf und mit zitternden Händen nach dem Film "American Gangster" ( lief gestern bei P7) einen Kommentar abgegeben. Bitte mehr Nachsicht. Ich bin erstaunt das in Zeiten der Generation SMS Kommentare, die länger als 127 Zeichen sind, abgegeben werden. Das lässt doch hoffen. :))

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