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Sonntag, 13.05.2018

Tödliche Messerattacke in Paris

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Polizisten bei der Spurensicherung.
Polizisten bei der Spurensicherung.

© dpa

  • Polizisten bei der Spurensicherung.
    Polizisten bei der Spurensicherung.
  • Der Tatort im Zentrum von Paris.
    Der Tatort im Zentrum von Paris.

Paris. Nach einer tödlichen Messer-Attacke in Paris gehen die Ermittler einem Terrorverdacht nach. Ein Angreifer tötete am Samstagabend im Zentrum der französischen Hauptstadt einen Passanten und verletzte vier weitere Menschen, bevor die Polizei ihn erschoss. Staatspräsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich habe erneut „den Preis des Blutes“ bezahlt, werde aber vor den „Feinden der Freiheit“ keinen Zoll zurückweichen.

Der Angreifer ist mittlerweile identifiziert. Der junge Mann sei 1997 in der Teilrepublik Tschetschenien im russischen Nordkaukasus geboren worden, bestätigten Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Ermittler hätten seine Eltern am Sonntagmorgen in Gewahrsam genommen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich. Die auf Auswertung dschihadistischer Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group meldete, dass das IS-Sprachrohr Amak den Angreifer als „Soldaten des Islamischen Staates“ bezeichnet habe.

Laut Zeugenaussagen soll der Angreifer „Gott ist groß“ auf Arabisch gerufen haben, wie der Pariser Staatsanwalt François Molins sagte. Wegen der Vorgehensweise übernahmen Anti-Terror-Ermittler den Fall, ermittelt wird wegen Mordes und versuchten Mordes an Amtsträgern im Zusammenhang mit Terrorismus. Zur Identität des Täters machte Molins zunächst keine Angaben. Zwei der Angegriffenen wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, zwei weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Macron teilte auf Twitter mit, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. „Ich lobe im Namen aller Franzosen den Mut der Polizisten, die den Terroristen neutralisiert haben.“ Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Terroranschläge, seit Anfang 2015 wurden dabei mehr als 240 Menschen ermordet.

Der Messerangreifer schlug in der Nähe der Garnier-Oper zu. In dem Ausgehviertel ein Stück nördlich des Louvre-Museums gibt es zahlreiche Bars und Restaurants, samstagabends ist dort üblicherweise viel los. Eine Frau erzählte dem Sender BFMTV, dass sie mit Freundinnen im Außenbereich eines Gastronomiebetriebs saß, als sie Schüsse gehört habe. „Dann gab es einen Tumult. Die Kellner sagten, dass wir uns in Sicherheit bringen sollten.“

Ein weiterer Zeuge erzählte BFMTV, als die Polizei kam, sei der Mann mit dem Messer auf die Beamten zugerannt. Auch Vertreter der Polizeigewerkschaft Alliance erklärten, der Angreifer habe sich gegen die Beamten gewandt. Demnach versuchte die Polizei zunächst ohne Erfolg, den Täter per Elektroschockgerät zu stoppen. Dann habe ein Polizist geschossen. Innenminister Gérard Collomb würdigte die „Reaktionsfähigkeit“ der Einsatzkräfte. Premierminister Édouard Philippe sagte, neun Minuten nach dem ersten Notruf sei der Täter „neutralisiert“ gewesen - das schnelle Eingreifen habe eine schlimmere Bilanz verhindert.

Bürgermeisterin Anne Hidalgo erklärte: „Unsere Stadt wurde heute Abend tief verletzt.“ Paris war in den vergangenen Jahren mehrfach von Anschlägen erschüttert worden, besonders verheerend war die Terrornacht vom 13. November 2015. Damals hatten mehrere Islamisten-Kommandos bei Attacken vor allem in einem Ausgehviertel im Osten der Hauptstadt insgesamt 130 Menschen ermordet.

Der danach in Frankreich verhängte Ausnahmezustand war Anfang November ausgelaufen, die Behörden warnen aber weiterhin regelmäßig vor einer anhaltend hohen Bedrohung. Zuletzt hatte im März ein bekennender Islamist in der Region Carcassonne vier Menschen getötet - darunter einen Gendarmen, der sich ihm als Austauschgeisel angeboten hatte. (dpa)