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Mittwoch, 24.02.2016

Todeskreuzung wird entschärft

Vor zwei Wochen ist eine Radfahrerin an der Ecke Bautzner/Rothenburger Straße gestorben. Jetzt hat die Stadt reagiert und die Pläne zum Ausbau der Bautzner Straße im Ortsbeirat vorgestellt - mit einer Überraschung.

Von Sarah Grundmann

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Auf der Bautzner Straße teilen sich Straßenbahnen, Autos und Radler die enge Fahrbahn. Zwischen Glacis- und Hoyerswerdaer Straße soll ausgebaut werden.
Auf der Bautzner Straße teilen sich Straßenbahnen, Autos und Radler die enge Fahrbahn. Zwischen Glacis- und Hoyerswerdaer Straße soll ausgebaut werden.

© Christian Juppe

  • Auf der Bautzner Straße teilen sich Straßenbahnen, Autos und Radler die enge Fahrbahn. Zwischen Glacis- und Hoyerswerdaer Straße soll ausgebaut werden.
    Auf der Bautzner Straße teilen sich Straßenbahnen, Autos und Radler die enge Fahrbahn. Zwischen Glacis- und Hoyerswerdaer Straße soll ausgebaut werden.
  • An der Kreuzung Bautzner/Rothenburger Straße wurde kürzlich eine Radfahrerin vom Lkw erfasst und starb. Die Stadt will dort nun etwas ändern.
    An der Kreuzung Bautzner/Rothenburger Straße wurde kürzlich eine Radfahrerin vom Lkw erfasst und starb. Die Stadt will dort nun etwas ändern.

Dresden. Vor gut zwei Wochen ist eine Radfahrerin an der Kreuzung Bautzner/Rothenburger Straße tödlich verunglückt. Die 26-Jährige war auf der Hauptstraße in Richtung Stadt unterwegs, als sie in Höhe der Rothenburger Straße von einem Lkw erfasst wurde. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hatte das Straßen- und Tiefbauamt schon mehrfach auf die gefährliche Stelle hingewiesen. Passiert ist nichts. Und auch nach dem Unfall verwies Amtsleiter Reinhard Koettnitz lediglich auf den Ausbau der Bautzner Straße zwischen Glacisstraße und Hoyerswerdaer auf der einen, beziehungsweise Rothenburger Straße auf der anderen Seite. Dieser ist allerdings erst im kommenden Jahr geplant. Ebendiese Pläne wurden am Montagabend im Neustädter Ortsbeirat vorgestellt. Dabei gab es eine Überraschung.

„Es ist eine Entscheidung zur kurzfristigen Entschärfung der Unfallkreuzung gefallen, an der die Stadt gerade arbeitet“, teilte Ortsamtsleiter André Barth mit. Derzeit werden verschiedene Varianten geprüft. Allerdings warte die Stadt auch noch auf den Unfallbericht. Dieser ist notwendig, um die Ursachen des Unglücks zu klären und entsprechend reagieren zu können. Die Entschärfung ersetzt aber nicht den Ausbau der Bautzner Straße, dieser soll in den Sommerferien 2017 beginnen. Auch die Ausführungen von Stadtplanerin Nora Ludwig, die insbesondere für den Radverkehr in der Stadt zuständig ist, waren für die Ortsbeiräte überraschend.

Denn trotz des tödlichen Unfalls sind auch nach 2017 keine Radwege entlang der Bautzner Straße geplant. Dafür ist vor allem der Denkmalschutz verantwortlich. Denn entlang des Straßenzuges stehen Bäume, die unter Schutz stehen. Südlich der Verkehrsachse ist außerdem eine kleine Grünfläche, die seit Anfang 2015 als Gartendenkmal gilt. „Das Landesamt für Denkmalpflege hat sich ganz klar geäußert: Sie werden einer Fällung der Alleebäume nicht zustimmen“, erklärte Ludwig am Montagabend. Deswegen ist der Platz auf der Bautzner Straße nur begrenzt. Da die Dresdner Verkehrsbetriebe die Gleise für die Linien 6 und 11 zudem dringend sanieren müssen und dabei den Achsabstand erweitern, wird es noch enger.

Denn die Schienen müssen in Richtung Norden verlegt werden. Weil der Öffentliche Personennahverkehr und der restliche Verkehr aber über getrennte Fahrbahnen fahren sollen, um eine Verlangsamung der Bahnen zu verhindern, ist auf der Nordseite für einen Radweg kein Platz. Stattdessen soll ein 1,50 Meter breiter Schutzstreifen entstehen. Dieser markierte Abschnitt ist für die Radfahrer als Angebot zu verstehen, darf aber auch von Fahrzeugen mitgenutzt werden. Außerdem können die Radler weiterhin die Nebenfahrbahn – im Volksmund kleine Bautzner Straße genannt – nutzen. Diese wird allerdings wegen der Gleisverschiebung schmaler, Längsstellplätze fallen weg. Auch auf der Südseite ist kein Radweg geplant. Dort soll der bestehende Gehweg entlang der Alleebäume verbreitert und für Radler freigegeben werden. Dass die Breite ausreiche, sei zwar mit den zuständigen Ämtern besprochen. Noch sei die Freigabe aber nicht sicher, so Ludwig.

Ihre Ausführungen sorgten nicht nur unter den Ortsbeiräten für Empörung. „Ich sehe die schmalere Nebenfahrbahn kritisch“, sagte Rolf Leonhardt. Er ist Inhaber der Kronenapotheke auf der Bautzner Straße und Mitglied im ADFC. Michael Ton, ehemaliger Ortsbeirat und ebenfalls Klubmitglied, ist der Meinung, dass der Schutzstreifen gerade für unsichere Fahrer gefährlich sei. Das sahen letztlich auch die Neustädter Ortsbeiräte so. Sie stimmten einem Ergänzungsantrag zu, den die Grünen eingebracht hatten.

Demnach soll auf den Schutzstreifen verzichtet werden. Die Nebenfahrbahn soll so breit wie durch die Verlegung der Gleise möglich bleiben. In diese sollen die Radfahrer künftig von der Rothenburger Straße über den Gehweg geleitet werden. „Die Stelle des tragischen Unfalls von vor zwei Wochen wird in unserer Variante umfahren“, sagt Ortsbeirat Klemens Schneider. Auch auf der Südseite der Bautzner sahen die Ortsbeiräte Optimierungsbedarf. Denn noch ist unklar, ob der Gehweg für einen Fuß- und Radverkehr breit genug ist. Sollte er zu schmal werden, fordern die Grünen, dort einen reinen Radweg auszuweisen. Fußgänger müssten dann auf den Gehweg hinter der Parkanlage zurückgreifen. Mit diesen Ergänzungen wurde der Vorlage der Stadt zugestimmt, damit es zu keinem weiteren Unfall kommt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 30 Kommentare

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  1. Frank

    "Dresdner Todeskreuzung" ??? Geht es vielleicht noch dramatischer? Kann es sein, dass Ihr Schmierfinken langsam völlig durchdreht? Jetzt erreicht die SZ schon Bild Nivau...

  2. tom

    Wenn ich den Satz auf dem Video vom Interview vom ADFC hier in der SZ lese, wird mir jedes mal wieder schlecht. " Es ist in der StVO nicht vorgesehen, dass sich Radfahrer und Autofahrer im Reisverschlussprinzip auf eine Spur einordnen müssen." Muss denn alles in irgendeinem Gesetz geregelt werden. Was ist mal mit gutem Maß an Menschenverstand. Aber wenn man die meisten Radfahrer so bei seinem Arbeitstag auf Dresdner Straßen beobachtet, hat man immer mehr den Eindruck das sie nur ihre vermeindlichen Rechte kennen, nur was ist mit den Pflichten. Zum Beispiel bei Dunkelheit mit Licht zu fahren. An roten Ampeln auch mal anzuhalten.......Sollte sich der ADFC nicht auch mal darum kümmern.

  3. Dresdner Gewissen

    Hallo liebe Dresdner Lobbyisten und Vertreter, Nun aber schnell die ganz großen Messer herausgeholt und die eigene Maximalforderung mit aller Kraft zum Asudruck gebracht. Keine Kompromisse, kein Verständnis für die Bedürfnisse anderer Verkehrsteilnehmer oder des Grünflächenamtes. Nur der erhält recht der am lautesten und verbissensten schimpft. So kennen wir Dresden - armes Dresden!

  4. frankdd

    Leider wieder nur die üblichen Reflexe. Ein LKW-Fahrer passt beim Überholen nicht auf und sofort sollen die Radfahrer von der Fahrbahn verbannt werden. Wenn es dann an der nächsten Kreuzung/Einmündung kracht sind alle Verkehrsplaner wieder überrascht, wieso das auf dem (tod-)sicheren Radweg passieren konnte. Fahrräder sind Fahrzeuge und gehören auf die Fahrbahn. Für dieses Miteinander muss viel mehr geworben werden. Eine Separierung schafft mehr Probleme als sie löst - die Unfallstatistik spricht da bei getöteten Radfahrern eine eindeutige Sprache.

  5. Elbflorentiner

    Es gibt noch eine Möglichkeit: Wenn der Achsabstand für die neuen Trams unbedingt nötig ist, dann kann doch auch auf zwei Gleise verzichtet werden. Für den kurzen Abschnitt zwischen Haltestelle Albertplatz und Rothenburger Str. kann man den Tramverkehr auch einspurig führen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wartezeit für die Trams - sollte überhaupt eine auftreten - so lang wäre. Damit könnte man einen breiten Schutzstreifen auf beiden Seiten anordnen. Eine Umfahrung über die "kleine Bautzner" werde ich als Radfahrer definitiv nicht nutzen, viel zu umständlich.

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