Aus dem Gerichtssaal Mittwoch, 09.01.2013

Todesfahrer mit Bewährungsstrafe

Ein 22-Jähriger hat im Dezember 2010 einen Fußgänger tödlich verletzt. Für seine rücksichtslose Alkoholfahrt erhielt er am Dienstag eine Bewährungsstrafe.

Von Alexander Schneider

©dpa

Dresden. Ins Gefängnis muss er nun zwar nicht mehr, doch an seiner Schuld ändert sich nichts. Ein 22-jähriger Dresdner wurde am Dienstag in einem Berufungsprozess am Landgericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. In erster Instanz am Amtsgericht Pirna hatte der Heranwachsende für seine rücksichtslose Alkoholfahrt im Dezember 2010 noch eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten nach Erwachsenenstrafrecht erhalten.

Doch schon zu Beginn des Berufungsprozesses deutete sich an, dass die Jugendkammer zum milderen Jugendstrafrecht neigte. Die Vorsitzende Richterin Michaela Kessler hatte die Öffentlichkeit für den gesamten Prozess ausgeschlossen und die Entscheidung mit dem jugendlichen Alter des Angeklagten erklärt.

Es war eine folgenschwere Trunkenheitsfahrt durch das Müglitztal, die der Angeklagte im Dezember 2010 nachts mit einem Kumpel unternommen hatte. Ein Schneesturm fegte durch das Tal, die Straßen waren glatt, die Sicht mäßig. Dennoch ließ sich der Fahrer von seinem Kumpel während der Fahrt Whisky-Colas mixen. Mehrfach kamen sie aufgrund der Glätte von der Straße ab und bauten kleinere Unfälle – krachten etwa in einen Zaun und blieben in einer Schneewehe stecken.

Frontscheibe zersprungen

Zwischen Glashütte und Bärenhecke jedoch erfasste das Auto einen 46-jährigen Fußgänger. Der Aufprall war so schwer, dass die Frontscheibe des roten Nissan Micra zersprang. Dennoch hielten die Männer nicht an, sondern fuhren einfach weiter, bis sie in Altenberg mit einem Skoda Fabia zusammenstießen. Dort wurde der Fahrer festgenommen. Er hatte mindestens 1,16 Promille Alkohol im Blut.

In seinem erstinstanzlichen Prozess hatte der Angeklagte gesagt, er habe gedacht, er sei mit einem Tier zusammengestoßen. Die Bedenken seines Kumpels, es hätte auch ein Mensch gewesen sein können, habe er übergangen. Der Angeklagte habe nicht auf dessen Rat hin vorsichtshalber angehalten, um nachzusehen. Ob der Angeklagte nun in seinem Berufungsprozess mehr Einsicht in sein Verschulden gezeigt hat, bleibt unklar.