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Dienstag, 24.05.2016

Tillich kommt ins Schwärmen

Sachsens Ministerpräsident schaute sich in Radeberg an, wie beim Fußball Integration gleich doppelt funktioniert.

Von Jens Fritzsche

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Ein wirklich gut gelaunter Ministerpräsident Stanislaw Tillich schaute sich bei der Radeberger Stadtmeisterschaft der Freizeitfußballer um, bei der auch ein Team aus Flüchtlingen mit aktiv ist.
Ein wirklich gut gelaunter Ministerpräsident Stanislaw Tillich schaute sich bei der Radeberger Stadtmeisterschaft der Freizeitfußballer um, bei der auch ein Team aus Flüchtlingen mit aktiv ist.

© Thorsten Eckert

  • Ein wirklich gut gelaunter Ministerpräsident Stanislaw Tillich schaute sich bei der Radeberger Stadtmeisterschaft der Freizeitfußballer um, bei der auch ein Team aus Flüchtlingen mit aktiv ist.
    Ein wirklich gut gelaunter Ministerpräsident Stanislaw Tillich schaute sich bei der Radeberger Stadtmeisterschaft der Freizeitfußballer um, bei der auch ein Team aus Flüchtlingen mit aktiv ist.
  • Mannschaftsbild mit Ministerpräsident: das Team des Epilepsiezentrums Kleinwachau, in dem Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam Fußball spielen.
    Mannschaftsbild mit Ministerpräsident: das Team des Epilepsiezentrums Kleinwachau, in dem Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam Fußball spielen.

Die Begeisterung war ihm anzumerken – und am liebsten hätte er wohl selbst noch mal die Fußballschuhe geschnürt. Und sicher hätte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) durchaus auch eine gute Figur auf dem neuen Kunstrasenplatz im Stadion an der Schillerstraße im Radeberger Süden gemacht. „Ich habe ja früher auch selbst mal Fußball gespielt“, verrät er. In seinem Heimatort Panschwitz-Kuckau war das – „und damals hießen die Fußballmannschaften bei uns noch Traktor“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Aber Tillich war nicht zum Fußballspielen nach Radeberg gekommen, sondern zum Fußballgucken. Denn bei der Stadtmeisterschaft der Freizeitkicker spielen in diesem Jahr zwei ungewöhnliche Teams mit. Wobei die eine Mannschaft schon etwas länger dabei ist, sagt Organisator Günter Zeiger. Die Mannschaft aus dem Epilepsiezentrum Kleinwachau in Liegau nämlich. Dort kicken Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam. „Eine wunderbare Idee, so funktioniert Integration“, freut sich Stanislaw Tillich. Und kann dabei gleich noch einer zweiten Mannschaft zuschauen, bei der es auch ums Thema Integration geht. Denn erstmals spielt bei der Stadtmeisterschaft ein Team aus Flüchtlingen mit, die in der Siedlung Rossendorf untergebracht sind. „Und das funktioniert bestens“, sagt Günter Zeiger begeistert – wobei zuvor nicht wenige in Radeberg, diese Idee für durchaus mutig hielten. „Aber gerade in dieser ein bisschen aufgeheizten Diskussion um das Thema Flüchtlinge ist es doch gut, wenn man sich mal gegenseitig kennenlernt“, findet der Radeberger. Eine Meinung, die auch der Ministerpräsident teilt. „Sport ist doch eine wirklich wunderbare Möglichkeit, Vorurteile abzubauen“, sagt er. Ein Allgemeinplatz könnte man meinen, „aber hier sieht man ja wirklich, dass es stimmt“, stellt Stanislaw Tillich gleich klar. Und schiebt noch hinterher: „Das Wunderbare ist, dass es hier keinen Bonus gibt, sondern wirklich nur Ergebnisse zählen – die Teams werden also wirklich einbezogen!“

Sächsische Team sind Spitze

Und natürlich wird beim Fußballgucken und auch kräftig über den sächsischen Fußball philosophiert. Wobei Tillich bei einem kühlen einheimischen Pilsner beim Blick auf die Erfolge der sächsischen Fußballteams dann regelrecht ins Schwärmen kommt: Dynamo Dresden und Aue sind jetzt Zweitligisten und mit RB Leipzig hat Sachsen sogar wieder einen Erstligisten zu bieten ... Außerdem ist mit Lok Leipzig ein Traditionsverein in die Regionalliga aufgerückt und Zwickau hat die Chance, in den nächsten Tagen in die Dritte Liga aufzusteigen. „Da schlägt das Herz des Fußballfans doch wirklich höher!“

Wie das Herz von Fußballfan Tillich auch bei dem einen oder anderen Spielzug auf dem Kunstrasen höher schlägt. Denn mindestens einer im Team der Neu-Radeberger, wie die Mannschaft auf dem Spielbogen heißt, lässt wirkliches Fußballkönnen aufblitzen. „Er hat schon in der Jugendnationalmannschaft von Iran gespielt“, hat sich der Ministerpräsident erkundigt. „Vielleicht werde ich ihn gleich mal Dynamo vorschlagen“, sagt er dann augenzwinkernd. Wobei, warum nicht? Einheit Radeberg organisiert mit Günter Zeiger gemeinsam ja nicht nur dieses Turnier, sondern kümmert sich seit einiger Zeit auch darum, dass die Flüchtlinge aus Rossendorf in Radeberg kicken können. „Und einige spielen mittlerweile sogar schon in den Mannschaften von Einheit und auch beim Radeberger SV mit“, verweist Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) darauf, dass Integration über das Thema Sport durchaus funktionieren kann.