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Kommentar

Tillich braucht einen Befreiungsschlag

Mit seiner Kritik facht Kurt Biedenkopf die Diskussion um die politische Zukunft des Regierungschefs an. Der muss nun nicht nur verprellte CDU-Wähler zurückholen, kommentiert Annette Binninger.

05.10.2017

raucht einen Befreiungsschlag

© Robert Michael

Es sind klare und harte Worte. Ausgerechnet Kurt Biedenkopf facht mit seiner Kritik an Stanislaw Tillich die Diskussion über dessen politische Zukunft an. Öffentlich stellt der 87 Jahre alte Ex-Landesvater Tillichs Befähigung als Ministerpräsident infrage. Er sei wenig entscheidungsfreudig – und sein angekündigter Rechts-Schwenk der Union, um AfD-Wähler zurückzuholen, bringe nichts. Damit hat Kurt Biedenkopf – gewollt oder ungewollt – die Debatte über die Nachfolge von Stanislaw Tillich eröffnet, die bisher sonst keiner in der sächsischen CDU anzustoßen wagte – und über die zu sprechen bis zum Wahlabend des 24. September es auch noch keine Notwendigkeit zu geben schien. Denn Stanislaw Tillich, der erste Sachse als sächsischer Regierungschef, schien alternativlos wie so manches in der Union.

Doch Kurt Biedenkopf mischt durch sein Interview vom fernen Chiemsee aus die Sachsen-CDU heftig auf. Wurde bisher um den künftigen Kurs gestritten, geht es nun auch darum, wer diesen Kurs bestimmen soll.

Stanislaw Tillich hat es damit doppelt schwer. Er muss nicht nur versuchen, mit neuen Inhalten verprellte CDU-Wähler zurückzuholen. Er muss auch seine eigene Partei wieder hinter sich versammeln. Die Zeit drängt: Tillich braucht einen Befreiungsschlag. Die Frage ist nur: Wer in der Union wird ihm dabei öffentlich zur Seite stehen? Leichter ist ein solches Bekenntnis durch Biedenkopfs Verbal-Attacke jedenfalls nicht geworden.

Mail an Annette Binninger