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Dienstag, 13.02.2018

Tiere auf dem Vormarsch

Vor allem Wildschweine und Waschbären zieht es hinein in die Stadt Meißen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Von Stephan Hönigschmid

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Vom Siebeneichener Wald aus machen sich immer wieder Wildtiere auf den Weg in die Stadt, um von den Abfällen der Menschen zu profitieren. Manchmal verirren sie sich dabei auch auf die Straße und müssen von der Polizei eskortiert werden.
Vom Siebeneichener Wald aus machen sich immer wieder Wildtiere auf den Weg in die Stadt, um von den Abfällen der Menschen zu profitieren. Manchmal verirren sie sich dabei auch auf die Straße und müssen von der Polizei eskortiert werden.

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  • Vom Siebeneichener Wald aus machen sich immer wieder Wildtiere auf den Weg in die Stadt, um von den Abfällen der Menschen zu profitieren. Manchmal verirren sie sich dabei auch auf die Straße und müssen von der Polizei eskortiert werden.
    Vom Siebeneichener Wald aus machen sich immer wieder Wildtiere auf den Weg in die Stadt, um von den Abfällen der Menschen zu profitieren. Manchmal verirren sie sich dabei auch auf die Straße und müssen von der Polizei eskortiert werden.
  • Vom Siebeneichener Wald aus machen sich immer wieder Wildtiere auf den Weg in die Stadt.
    Vom Siebeneichener Wald aus machen sich immer wieder Wildtiere auf den Weg in die Stadt.

Meißen. Das, was sich Ende November vorigen Jahres in der Meißner Innenstadt abgespielt hat, war für viele ein Schock. Wie aus heiterem Himmel standen plötzlich acht ausgewachsene Wildschweine auf der Straße. Orientierungslos durchstreiften sie das Gebiet zwischen Freiheit und Dom und hinterließen beträchtliche Schäden. Von Lebensgefahr zu sprechen, sei keinesfalls übertrieben, schätzte Kreisbrandmeister Ingo Nestler in der fraglichen Nacht ein.

Ein Einzelfall ist dieses Ereignis nicht, denn, immer mehr Tiere zieht es in die Stadt. Um das Phänomen besser zu verstehen, ist die SZ den wichtigsten Fragen auf den Grund gegangen.

Warum verirren sich die Tiere vermehrt in die Stadt?

„Das Hauptproblem ist, dass es zu viele Tiere gibt. Insbesondere bei Wildschweinen und Waschbären sehen wir im Bereich Meißen erhebliche Überpopulationen“, sagt der stellvertretende Sprecher des sächsischen Umweltministeriums, Jörg Förster. Nach Ministeriumsangaben wurden deshalb in der zurückliegenden Jagdsaison im Landkreis 2188 Wildschweine und 2075 Waschbären abgeschossen. Beim Waschbär komme erschwerend hinzu, dass er keine natürlichen Feinde habe. „Der Waschbär gehört nicht in unsere Region. Er ist in den 1930er Jahren aus Nordamerika zu uns gekommen und vermehrt sich äußerst schnell“, sagt Förster.

Wie ungewöhnlich ist es, dass es die Tiere zu den Menschen zieht?

Obwohl es für jeden Bürger nervenaufreibend ist, wenn ein Wildschwein auf einmal im Garten steht, sieht Meißens Revierförster Ronald Ennersch (50) die Entwicklung gelassen. Dass Tiere in die Städte kommen, ist nichts Neues. Das hat es immer mal wieder gegeben“, sagt er. Unter anderem ließen sie sich in verlassenen Gärten oder in Weinbergen nieder, so Ennersch.

Welche Stadtteile sind in Meißen besonders betroffen?

Obwohl in Waldnähe fast überall die Gefahr besteht, dass Tiere vor der Tür stehen, hat Ronald Ennersch in Meißen drei Orte besonders im Blick. „In Meißen kann man den Bereich entlang der B6 oberhalb der Geipelburg, den Park Siebeneichen und den Wald am Kaufland im Triebischtal nennen“, sagt der Förster.

Was können die Menschen tun, damit die Tiere nicht mehr angelockt werden?
Eine herausgehobene Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Müllentsorgung. „Die Tiere passen sich der Lebensweise der Menschen an. Und wenn sie auf dem Kompost von Grundstücken leicht an Nahrung kommen, dann nutzen sie diese Möglichkeit auch.“ Brot und Ähnliches sollte daher immer in der Mülltonne entsorgt werden, sagt Ronald Ennersch und fügt an: „Wichtig ist es auch, bei Spaziergängen durch den Wald nichts liegenzulassen. Darüber hinaus sollte man jegliches Füttern von Tieren unterlassen.“

Warum sind Tiere wie Wildschweine manchmal nur schwer zu stoppen?

„Grundsätzlich kann man sagen: Wenn das Schwein einmal läuft, dann läuft es“, so Ennersch. Häufig sei dies eine Panikreaktion, wenn die Tiere im Wald durch laute Hunde oder Menschen aufgescheucht worden sind. „Das Problem ist, dass das Tier dann Stress empfindet und sich nur schwer beruhigen kann. Daher rennt es dann schon mal bis in die Innenstadt und richtet mit seiner wuchtigen Körpergröße großen Schaden an“, sagt der Revierförster.

Wie muss man sich verhalten, wenn das Tier im Garten steht?

Keinesfalls sei es ratsam, direkten Kontakt zu suchen. Besser sei es, sie zu vergrämen. „Das geht zum Beispiel mit einem Flatterband oder einfach, indem man das Radio laut anstellt“, sagt Ennersch.