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Mittwoch, 04.10.2017

Theater im Blumenladen

Ein neues Stück im TiB soll mit einem Film kombiniert werden. Den dreht der Regisseur mit seiner Handykamera.

Von Cathrin Reichelt

In Vorbereitung eines Videodrehs für ein neues Stück im Döbelner TiB verpasst Regieassistentin Josephine Geissert dem Blumen ABC an der Bahnhofstraße kurzerhand einen neuen Namen: „Sträuße Niemand Valentin“. Letzterer ist eine der Hauptfiguren in dem Stück und wird von Maximilian Wex dargestellt.
In Vorbereitung eines Videodrehs für ein neues Stück im Döbelner TiB verpasst Regieassistentin Josephine Geissert dem Blumen ABC an der Bahnhofstraße kurzerhand einen neuen Namen: „Sträuße Niemand Valentin“. Letzterer ist eine der Hauptfiguren in dem Stück und wird von Maximilian Wex dargestellt.

© André Braun

Döbeln. Martin Olbertz schreitet bedächtig durch das Blumen ABC. Dabei streckt der Gastregisseur des Mittelsächsischen Theaters fast beschwörend eine Hand nach vorn. Er ist auf der Suche nach dem richtigen Platz für einen kleinen blauen Tisch, den er aus dem Theater in das Geschäft an der Bahnhofstraße mitgebracht hat.

Dort will er für das neue Stück „Diese Nacht – oder nie“ eine Videosequenz am Originalschauplatz drehen. Die französische Komödie hat am 13. Oktober im TiB des Döbelner Theaters Premiere. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Blumenhändlerin Claudine, die sich in ihren besten Freund Valentin verliebt hat. Als sie ihm das gesteht, kommt es zu einer angespannten Situation. Denn Valentin meint: „Lass uns lieber Freunde bleiben.“ Das höre eine junge Frau ungern, wenn sie mehr erwartet, so der Regisseur. Auf dem Heimweg verunglückt Valentin mit dem Motorrad. Im Krankenhaus fantasiert er und findet sich dabei in einem Blumenladen wieder.

Valentin habe einen Grund, weshalb er sich so abweisend verhält und es gäbe in dem Stück einige Überraschungen, erklärt Maximilian Wex. Er übernimmt die Rolle des Valentins. Es ist die erste Produktion des Mittelsächsischen Theaters, in der der 28-Jährige mitspielt. Denn dort ist er erst seit dem Beginn der neuen Saison im August angestellt. Zuvor hat Wex zwei Jahre an den Landesbühnen in Bruchsal gearbeitet.

Derweil hat Regisseur Olbertz einen Platz für den Tisch gefunden. Doch etwas fehlt. „Ich möchte sieben gelbe Blumen kaufen“, sagt er zu Ramona Holstein, Inhaberin des Blumen ABC. Sie schaut ihn etwas ungläubig an. Aber er meint es durchaus ernst. „Denn Gelb ist die Farbe der Freundschaft und Rot die Farbe der Liebe“, klärt Maximilian Wex auf. Und Freundschaft soll es zwischen den beiden jungen Leuten ja bleiben. Ramona Holstein sucht sieben Mini-Sonnenblumen heraus und findet auch ein passendes Holzarrangement, in dem diese, in einzelnen Röhrchen platziert, gut zur Geltung kommen.

Aber weshalb wird gerade in ihrem Blumengeschäft gedreht? „Ich habe schon lange guten Kontakt zum Förderverein des Theaters“, sagt sie. Auch die Blumen, die für Vorstellungen und Sinfoniekonzerte benötigt werden, stammen aus ihrem Laden. Den muss sie für den Videodreh nicht schließen. Trotzdem traut sich währenddessen kaum ein Kunde in das Geschäft. Aber mancher beobachtet neugierig von außen, was dort geschieht.

Innen wechseln der blaue Tisch und ein dazugehöriger Stuhl noch zweimal den Standort. Die Blumendeko wird platziert und davor ein Preisschild. Die Fantasie von Valentin scheint groß zu sein. Die Zahl auf dem Zettel ist es auch. 300 Euro soll eine der kleinen Sonnenblumen kosten. Plötzlich kniet Martin Olbertz auf dem Boden und beschriftet einen weißen Plastikbeutel. „Mondgestein“ steht darauf. Immer wieder verwirft der Regisseur seine eigenen Ideen. So landet auch der Beutel schnell in einer Ecke. Nur ein einziger Stein daraus kommt letztendlich zum Einsatz. Auch außen gibt es eine Veränderung. Mit weißer Farbe verpasst Olbertz dem Blumen ABC einen neuen Namen. „Sträuße Niemand Valentin“ steht nun an der Schaufensterscheibe.

Ein letztes Mal schreitet der Regisseur vor dem Dreh durch den Laden. Diesmal aber gefolgt von Maximilian Wex und Berno Ploß. Der Technische Leiter des Theaters springt für einen erkrankten Beleuchter ein. Der Regisseur filmt mit seiner Handykamera, testet die Lichtverhältnisse und gibt dem Schauspieler letzte Anweisungen. Dann kann der in die Traumwelt von Valentin eintauchen.

Premiere: „Diese Nacht – oder nie“, 13. Oktober, 19.30  Uhr, TiB Döbeln. Weitere Aufführungen: 28. Oktober, 10. und 18. November, jeweils 19.30 Uhr.