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Tharandter Stadtfest macht Pause

Der Gewerbeverein löst sich auf, das Festkomitee zerbricht. Doch es gibt schon neue Ideen.

07.10.2017
Von Verena Schulenburg

r Stadtfest macht Pause
Hier wurde noch fröhlich gefeiert. Das Stadtfest und alle Feierlichkeiten zum 800-jährigen Geburtstag der Forststadt zogen voriges Jahr mehrere Tausend Besucher nach Tharandt. Dieses Jahr fällt die Sause aus.

© Karl-Ludwig Oberthür

Tharandt. Musik, Gaumenschmaus und gute Laune prägten voriges Jahr das Tharandter Stadtbild. Anlässlich ihres 800. Jahrestages befand sich die Forststadt beinah das ganze Jahr über im Ausnahmezustand. Tausende feierten in der Innenstadt. Nun ist die große Sause vorbei. Zu feiern gibt es dieses Jahr nichts, nicht einmal ein Festwochenende.

Es scheint, als seien alle Kräfte verbraucht. Doch das allein ist nicht der Grund für die ausbleibende Feststimmung. Es gibt Unstimmigkeiten unter den Mitgliedern des Tharandter Gewerbevereins, der sich zuletzt maßgeblich um die Organisation des Stadtfestes bemühte. Die Differenzen sind derart groß, dass sich sogar der Verein auflöst. Keine Einigkeit, kein Stadtfest. „Dann lieber ein Ende mit Schrecken“, wie Jens Hoffmann, Vorsitzender des Gewerbevereins, die Entwicklung bestätigt.

Eine Situation, die wohl abzusehen war. „Obwohl wir im Februar nochmals unsere Unterstützung zusicherten, liegt uns leider für 2017 kein Antrag vor“, sagt Stadtsprecher Alexander Jäkel. Mehr könne man im Rathaus dazu nicht sagen. Unterstützen würde man seitens der Stadtverwaltung die Feierlichkeiten aber auch in Zukunft gern. Voriges Jahr bezuschusste die Stadt die Sause mit 5 000 Euro, zuvor mit 3 500 Euro. Das Tharandter Stadtfest sei immer ein Schwerpunkt in der Vereinsförderung gewesen, nicht nur finanzieller Art, erklärt Jäkel. Für alle notwendigen Absperrungen und Verkehrsschilder sorgte die Stadt. Ebenso half das Stadtpersonal, Händler und Aussteller zu koordinieren. Allein könne die Stadtverwaltung das Fest allerdings nicht stemmen. Das müsse in den Händen von Vereinen und Freiwilligen bleiben, so wie auch alle anderen Feierlichkeiten in den Ortsteilen, erklärt Jäkel.

Überraschend dürfte die Absage ans diesjährige Stadtfest für viele Tharandter nicht kommen. Schon länger wechseln die Zuständigkeiten um die Sause in der Forststadt. Heike Voss vom gleichnamigen Fischhandel in Tharandt bemühte sich mit anderen Einwohnern lange maßgeblich um das Stadtfest. 2015 gab das Team auf, die Kräfte reichten nicht mehr dafür, die große Feier zwischen Job und Familie zu organisieren. Der Balanceakt scheiterte. Der Kreis der Stadtfest-Macher ging daraufhin in die Hände des Tharandter Gewerbevereins über. Aber auch dort scheint man nun an seine Grenzen gekommen zu sein. „Jeder hat eben nebenher auch noch andere Verpflichtungen“, bilanziert Jens Hoffmann die Situation.

Es wird schon bald wieder lustig

Resignieren wollen die Tharandter aber keinesfalls. Schon nächstes Jahr soll wieder gefeiert werden, wie Hoffmann verrät. Dann aber unter dem Dach eines neuen Vereins. Welchen Namen dieser trägt und wann genau er offiziell tätig wird, stehe noch nicht fest. Nur so viel: Die Vereinsmitglieder werden auch das künftige Festkomitee fürs Stadtfest stellen. Darunter sind auch Tharandter, die sich bereits zum Stadtjubiläum im vorigen Jahr um die Feierlichkeiten bemühten. „Es müssen nun neue Kräfte gebündelt werden“, sagt Jens Hoffmann. Er selbst werde sich die Organisation des Stadtfestes nicht mehr auf die Fahne schreiben. Beruflich sei er schon in der Vergangenheit viel unterwegs gewesen, was regelmäßige Treffen mit dem Stadtfest-Team oft schwierig machte.

Bis zum nächsten Jahr müssen die Tharandter allerdings nicht auf Abwechslung warten. Bereits am ersten Dezemberwochenende soll die Innenstadt belebt werden. Parallel zum alljährlichen Pyramidenanschub, der vom Tharandter Verschönerungsverein auf dem Marktplatz veranstaltet wird, soll es auch einen Weihnachtsmarkt geben, ähnlich wie er voriges Jahr erstmals stattfand. „Das Angebot wurde gut angenommen“, sagt Hoffmann.

Grund genug, um das weihnachtliche Treiben auszubauen. Neben dem Geschehen auf dem Marktplatz wird sich auch der Naturmarkt Tharandter Wald auf dem Parkplatz an der Pienner Straße weihnachtlich ausrichten. Auch Tharandter Geschäfte wollen mitwirken.

„Außerdem wollen wir am Bahnwärterhäuschen ein kleines Winterdorf errichten“, erzählt André Borgwardt von der Tharandter Spezialitätenmanufaktur, der sich in die Veranstaltung einbringt. Dazu wird es Knüppelkuchen am Lagerfeuer, Weihnachtsbasteleien sowie Plätzchenbacken geben und natürlich wird auch der Weihnachtsmann vorbeischauen und den Wünschen der Kinder Aufmerksamkeit schenken. Die Vorbereitungen zum weihnachtlichen Treiben laufen bereits.