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Montag, 18.09.2017 Kommentar

Teure Geburtshilfe

SZ-Redakteurin Stephanie Wesely zur Situation der Kliniken in Sachsen

SZ-Redakteurin Stephanie Wesely
SZ-Redakteurin Stephanie Wesely

© Ronald Bonß

Seit 2014 mussten in Sachsen fünf Geburtskliniken schließen – es werden nicht die letzten gewesen sein. Der Trend zur Zentrenbildung und Spezialisierung macht auch vor der Geburtshilfe nicht halt. Doch das muss keinen Verlust bedeuten. Denn eine Konzentration von Leistungen auf einem kleineren Territorium kann die Behandlungsqualität sogar erhöhen: Mit der Zahl der Geburten steigt die Erfahrung und damit die Sicherheit. Diese Sicherheit hat auch für die jungen Eltern oberste Priorität bei der Wahl der Geburtsklinik, wie eine Umfrage zeigt. Die Nähe zum Wohnort verliert hingegen immer mehr an Bedeutung.

Sicherheit sucht aber auch das Klinikpersonal. Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen, die sich beruflich und finanziell weiterentwickeln wollen, heuern deshalb lieber in großen Kliniken an. Die Personalnot, unter der derzeit besonders kleine Krankenhäuser leiden, kommt also nicht von ungefähr. Geburtskliniken stehen so mehr denn je unter Kostendruck. Sie ringen um jede werdende Mutter – mit ansprechenden Internetauftritten und Kreißsälen, die eher wie Wohnzimmer aussehen. Doch das reicht nicht. Das Personal ist der Knackpunkt. Denn nur Mütter, die professionell und gefühlvoll versorgt werden, empfehlen die Klinik auch anderen Frauen – und erhalten damit der Klinik die Existenzgrundlage.

Erfreulich ist es, dass unabhängig vom Kostendruck in immer mehr Kliniken eine natürliche Geburt gefördert wird, obwohl ein Kaiserschnitt mehr als das Doppelte einbringt und oft sogar mit weniger Personal auskommt. Sachsen gehört glücklicherweise zu den Bundesländern mit der niedrigsten Kaiserschnittrate. Das ist ein klares Bekenntnis zur Förderung der Gesundheit von Mutter und Kind.

Ein klares Bekenntnis erwarten auch die Hebammen. Denn trotz Zentrenbildung mit all ihren Vorteilen wollen viele Frauen ihre Kinder nicht in Hightech-Kliniken zur Welt bringen, sondern zu Hause oder im Geburtshaus. Dafür braucht es freiberufliche Hebammen. Doch die müssen von ihrer Arbeit auch leben können. Das ist derzeit nicht der Fall. Gelingt es nicht, ihre Situation zu verbessern, wird die Geburtshilfe um vieles ärmer.

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