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Freitag, 30.09.2016

Terrorabwehr aus alten Ziegeln

Die auffälligen Klötze in der Innenstadt hat eine Dresdner Firma erfunden – eigentlich für etwas ganz anderes.

Von Andreas Weller

Dresden, Stadt der Betonblöcke

Sieht aus wie überdimensionierte Lego-Steine, sind aber wiederverwertete Ziegel, aus denen ein Dresdner Unternehmen Klötze gemacht hat, die jetzt die Innenstadt schützen.
Sieht aus wie überdimensionierte Lego-Steine, sind aber wiederverwertete Ziegel, aus denen ein Dresdner Unternehmen Klötze gemacht hat, die jetzt die Innenstadt schützen.

© Sven Ellger

Manche nennen sie Lego-Steine, die Polizei spricht von Nizza-Sperren: Rund um die Innenstadt stehen derzeit 1 200 auffällige Klötze herum, zum Schutz vor Terror. Es sind unüberwindbare Hindernisse, um einen Anschlag wie im Juli im französischen Nizza zu verhindern. Dort war ein Laster in eine Menschenmenge auf der Promenade gerast. Bei dem Terroranschlag eines wahrscheinlich radikalisierten Islamisten, der ursprünglich aus Tunesien stammte, starben mindestens 80 Menschen, mehr als 300 wurden verletzt.

Seither werden bei großen Ereignissen Sperren für Laster aufgebaut. Zu der Zeit hatte das Dresdner Bau- und Recyclingunternehmen Nestler längst ihren Nestler Block entwickelt. So heißen die Klötze, die derzeit in Dresden stehen, offiziell. Die Firma hat sie vor etwa eineinhalb Jahren erdacht. Sie bestehen zu zwei Dritteln aus Recyclingmaterial, in diesem Fall alte Ziegel. Ein Block wiegt zwei Tonnen, ist 160 mal 80 mal 80 Zentimeter groß.

Dresden, Stadt der Betonblöcke

„Die Blöcke sind entwickelt worden, um Schüttgutboxen, Trennwände, Fahrsilos oder Lagerhallen einfach und flexibel aufzubauen“, erklärt die Prokuristin Christine Neugebauer. Denn sie können einfach übereinanderstehen, ohne befestigt werden zu müssen. Etwa vor vier Wochen sei dann die Verwaltung auf Nestler zugekommen. Sie hatte von den Blöcken gehört. „Wir hatten einige bereits hergestellt und haben dann die Produktion hochgefahren“, so Neugebauer. Nestler vermietet die Blöcke an die Stadt und hat die 1 200 Stück in die Innenstadt geliefert. Sie können auch übereinander oder über Eck aufgebaut werden, können nicht umgekippt werden und halten jeden Laster ab.

Lange werden die Nizza-Sperren oder Lego-Steine als Terrorabwehr nicht mehr im Stadtbild zu sehen sein. Die Firma baut sie bereits in der kommenden Woche wieder ab, transportiert sie zurück. „Eigentlich haben wir sie ja hergestellt, weil wir daraus eine Halle bauen wollen“, so Neugebauer. Der Einsatz rund um den 3. Oktober wird nur eine Art Zwischennutzung, bevor die Steine zur Halle werden. Wie viel die Firma für den Transport und die Miete erhält, verrät sie nicht. Aber die Steine sind zertifiziert, können gekauft werden. Einer kostet etwa 85 Euro. Sicherlich ist der Anti-Terror-Einsatz auch eine gute Werbung für das Unternehmen und sein Produkt.