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Montag, 23.11.2015

Teil 7: Die Gelenkspiegelung

Die Zahl der Arthroskopien steigt von Jahr zu Jahr – und immer häufiger werden sie ambulant durchgeführt. Dafür gibt es gute Gründe.

Von Steffen Klameth

Die Tabelle

© imago/Science Photo Library

Ohne Gelenke könnten wir nicht gehen, uns weder setzen noch drehen – wir wären einfach ein starrer Klotz. Das merken wir spätestens dann, wenn mit den Gelenken etwas nicht mehr stimmt. Mit konservativen Therapien wie Physiotherapie oder Osteopathie können einfache Erkrankungen behandelt werden. Bei bestimmten Krankheiten und Verletzungen müssen jedoch Chirurgen ran.

Für Dr. Mario Bottesi ist die Behandlung von Gelenkerkrankungen tägliches Handwerk. Der 53-Jährige hat sich auf Schulter- und Kniegelenke spezialisiert und operiert sowohl im Forum Gesundheit Dresden als auch im St. Josephstift und im Diakonissenkrankenhaus. Das Forum Gesundheit ist ein Medizinisches Versorgungszentrum, in dem insgesamt neun Orthopäden und ein Anästhesist tätig sind. Allein im vergangenen Jahr führten sie an drei Standorten über 1 000 Arthroskopien durch. Dr. Bottesi erklärt die Gelenkspiegelung.

Was genau ist eigentlich eine Arthroskopie?

Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern für Gelenk und schauen zusammen – der Arzt schaut mit einem speziellen Gerät, dem Arthroskop, in das Gelenk. In der Regel folgt unmittelbar danach – manchmal auch erst zu einem späteren Zeitpunkt – die Behandlung der krankhaften Stellen. „Die Arthroskopie gehört zu den minimal-invasiven Methoden, die mehrere Vorteile gegenüber einer OP bietet“, erklärt Bottesi: Es wird weniger Gewebe geschädigt, der Eingriff verursacht geringere Schmerzen, die Technik erlaubt die Untersuchung des gesamten Gelenks und die bessere Darstellung bestimmter Strukturen, der Patient ist danach schneller fit.

Können alle Gelenke mithilfe der Arthroskopie untersucht werden?

Die Arthroskopie kann nur bei größeren Gelenken genutzt werden. Dazu gehören in erster Linie Knie und Schulter, darüber hinaus auch Sprunggelenk, Ellenbogen, Hüfte und Handgelenk.

Welche Gelenkerkrankungen werden minimal-invasiv behandelt?

Die erste Diagnose wird auf Grundlage einer klinischen Untersuchung sowie Röntgen- bzw. MRT-Bildern gestellt. Häufigster Grund für arthroskopische Behandlungen sind Verletzungen wie Meniskus- und Kreuzbandrisse – sowohl nach Verkehrs- als auch Sportunfällen. Auch die Überbelastung von Gelenken, etwa bei bestimmten Berufen oder Sportarten, kann den Eingriff notwendig machen. Wurden in den 1980er-Jahren insbesondere Erkrankungen des Kniegelenks arthroskopisch behandelt, sind diese Techniken inzwischen auch an anderen Gelenken ein Routineeingriff. Bei größeren Arthroseschäden ist die Arthroskopie jedoch überfordert. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen kommt nach Auswertung von Studien sogar zu dem Ergebnis, dass der Eingriff bei Kniearthrose keinerlei Nutzen bringt. In den Fachgremien sei diese globale Schlussfolgerung allerdings umstritten, sagt der Dresdner Spezialist.

Die Tabelle

In unserer PDF-Tabelle erfahren Sie detailliert, wie zufrieden sächsische Patienten mit Gelenkspiegelungen sind. Hier finden Sie die Tabelle.

Wann wird die Arthroskopie ambulant und wann stationär durchgeführt?

Ist der Eingriff umfangreicher oder leidet der Patient unter bestimmten Nebenerkrankungen (z. B. Herzprobleme), erfolgt eine stationäre Behandlung. Auch die soziale Situation des Patienten, etwa fehlende Betreuung im häuslichen Umfeld, kann einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen, sagt Dr. Bottesi.

Der Trend gehe jedoch klar in Richtung ambulant. Das sei im Sinne der Patienten und – wegen der geringeren Kosten – im Interesse des Gesundheitswesens. Die Hoffnung, dass sich die Zahl der Arthroskopien damit begrenzen oder gar reduzieren lasse, habe sich allerdings als Trugschluss erwiesen: „Einerseits wird die Bevölkerung immer älter, andererseits ist sie auch anspruchsvoller geworden.“ Weil viele auch im Alter aktiv sein wollen, würden heute Eingriffe durchgeführt, auf die man früher verzichtet hatte.

Welche Risiken bestehen bei einer Gelenkspiegelung?

Die Gefahren dieses Eingriffes sind vergleichsweise gering. Dennoch kann es auch hier zu ungewollten Ereignissen wie Nachblutungen und Schwellungen kommen. Prinzipiell besteht bei jeder Öffnung des Gelenks auch eine Infektionsgefahr.

Wie geht es nach dem Eingriff weiter?

Der Patient bleibt nach der OP noch ein bis zwei Stunden im Aufwachraum. Ist alles nach Plan verlaufen, kann er danach in Begleitung die Praxis verlassen. Am Folgetag bzw. am folgenden Montag erfolgt eine Wundkontrolle. Treten keine Komplikationen auf, übernimmt der Zuweiser – also der Hausarzt oder ein niedergelassener Chirurg/Orthopäde – die weitere Behandlung. Damit das Gelenk möglichst bald wieder voll funktionsfähig ist, wird die Behandlung in der Regel mit Physiotherapie fortgesetzt. „Krankengymnastische Übungen sollten unter Anleitung ausgeführt werden“, rät die Techniker Krankenkasse. Dies könne auch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen.

Wie viel zahlen die Kassen für eine Gelenkspiegelung?

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung erhalten Ärzte je nach Art der Arthroskopie zwischen 155 und 415 Euro.

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