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Donnerstag, 19.11.2015

Teil 6: Die Darmspiegelung

Die Vorbehalte gegen die Darmspiegelung sind groß. Noch größer ist aber der Nutzen. Denn wenn Darmkrebs erst einmal Beschwerden macht, ist es meistens zu spät.

Von Steffen Klameth

Die Tabelle

© Illustration: imago

Die Medizin kann Wunder vollbringen – und das immer häufiger. Die Diagnose Krebs bedeutet heute viel seltener ein Todesurteil. Das ist einerseits innovativen Therapien zu verdanken, andererseits besseren Diagnosemöglichkeiten. So sinkt auch die Zahl der Deutschen, die an Darmkrebs sterben, von Jahr zu Jahr. „Es könnten aber noch wesentlich weniger sein, wenn alle Berechtigten die kostenlose Darmspiegelung in Anspruch nehmen würden“, sagt Dr. Gerhard Heptner (64). Er führt eine Praxis für Gastroenterologie und Hepatologie in Dresden und leitet die Landesgruppe Sachsen im Berufsverband der Niedergelassenen Gastroenterologen Deutschlands.

Welchen Nutzen hat die Untersuchung?

Die Darmspiegelung – in der Fachsprache Koloskopie – ist die beste Möglichkeit, Krebs und seine Vorstufen zu erkennen. Werden bei der Untersuchung Polypen entdeckt, können sie sofort entfernt werden (Polypektomie). Daneben wird die Koloskopie auch bei Beschwerden im Dickdarm und am Ende des Dünndarms eingesetzt. „Bei Durchfall, der länger als vier Wochen anhält, kann man damit beispielsweise eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung finden oder ausschließen“, erläutert der Arzt. Bei plötzlicher Gewichtsabnahme, Nachtschweiß und anderen Alarmsymptomen könnte Darmkrebs dahinterstecken. Auch hier hilft die Methode bei der Diagnostik. Diese kurativen Koloskopien sind in der Praxis von Dr. Heptner allerdings deutlich in der Überzahl.

Sind alle Menschen gleichermaßen von Darmkrebs gefährdet?

Im Schnitt erkranken sechs von hundert Menschen – auf die gesamte Lebenszeit gesehen – an Darmkrebs. Bestimmte Personengruppen haben aber ein deutlich größeres Risiko. Dazu gehören Raucher, Diabetiker, übergewichtige Menschen und Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. „Eine wichtige Rolle spielt auch die erbliche Komponente“, sagt der Spezialist. Wenn Verwandte ersten Grades an Darmkrebs erkrankt sind oder auch andere Verwandte bereits in jungen Jahren die Diagnose erhielten, sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass genetische Defekte vererbt wurden.

Die Tabelle

In unserer PDF-Tabelle erfahren Sie detailliert, wie zufrieden sächsische Patienten mit Darmspiegelungen sind. Hier finden Sie die Tabelle.

Welche Risiken hat eine Darmspiegelung?

Wie bei jeder internistischen Untersuchung müsse man Nutzen und Risiken abwägen, betont Heptner. Die Darmspiegelung gilt als sicher, aber nicht gänzlich risikofrei. So könne es während der Kurznarkose zu Kreislaufproblemen kommen, worauf jede Praxis aber vorbereitet sei. Bei der Untersuchung komme es extrem selten zu relevanten Blutungen und zur Verletzung des Dickdarms.

Welche Ärzte bieten die Untersuchung an?

Die Darmspiegelung wird von Internisten, Gastroenterologen und Chirurgen durchgeführt, die über eine entsprechende Ermächtigung durch die Kassenärztliche Vereinigung verfügen. Voraussetzung dafür sind unter anderem eine bestimmte Anzahl von Koloskopien und Polypektomien pro Jahr, kontrollierte Hygieneabläufe und ein Notfallmanagement (z. B. Defibrillator).

Wer hat Anspruch auf eine kostenlose Koloskopie?

Ab dem 55. Lebensjahr hat jeder gesetzlich Versicherte Anspruch auf die Vorsorgeuntersuchung, zehn Jahre später ein zweites Mal. Werden dabei Polypen als Adenome entdeckt, folgt die Nachuntersuchung bereits nach etwa drei Jahren. Bei genetischem Risiko kann die Untersuchung auch früher erforderlich sein.

Was kostet die Koloskopie?

Die Vorsorgekoloskopie wird mit rund 200 Euro und die Entfernung von Polypen mit etwa 30 Euro vergütet. Wird die Koloskopie bei Beschwerden durchgeführt, gelten andere Kriterien, der Betrag ist etwas geringer.

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