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Donnerstag, 05.11.2015

Teil 2: Die Ausschabung

Viele Frauen fürchten den Eingriff, bei dem auch die Gebärmutter gespiegelt und Gewebe untersucht wird. Das Risiko ist aber gering.

Von Stephanie Wesely

Die Tabelle

© Colourbox. com

Wenn die Regelblutung sehr stark oder unregelmäßig ist, müssen sich Frauen nicht damit abfinden. Frauenärzte raten zur Ausschabung der Schleimhaut. Zuvor erfolgt die Spiegelung der Gebärmutter, weil sich so Erkrankungen erkennen lassen, die dafür die Ursache sein können. Eine Ausschabung ist für den Körper nicht ungewohnt. Denn die Schleimhaut wird auch natürlicherweise jeden Monat mit der Regelblutung abgestoßen. Sie baut sich danach wieder neu auf.

Große Erfahrung mit der Behandlung von Blutungsstörungen haben Gunnar Fischer und sein OP-Team. Er ist Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Mittweida. Hier wurden im vergangenen Jahr 772 Ausschabungen ambulant durchgeführt – so viele wie nirgends in Sachsen. Der Frauenarzt erklärt, was bei diesem Eingriff zu beachten ist.

Sind Blutungsstörungen gefährlich?

Nicht immer. In jungen Jahren können nach Meinung des Mittweidaer Arztes Schwankungen durch Veränderungen im Hormonhaushalt auftreten. Infekte oder Stress sind dafür oft verantwortlich. Die meisten Frauen, die der Gynäkologe mit einer Ausschabung behandelt, bluten entweder unregelmäßig oder zu stark, sodass die Lebensqualität beeinträchtigt ist. „Bei

Frauen um die 40 sind Blutungsstörungen häufig auch durch Myome – das sind Muskelknoten – oder Polypen – Ausstülpungen – bedingt. Diese werden operativ entfernt“, sagt der Chefarzt. „Gefährlich sind Myome im Grunde nicht. Es sei denn, sie nehmen solche Dimensionen an, dass andere Organfunktionen gestört werden.“ Man entfernt sie trotzdem, da auch Myome entarten können. „Bei vielen kommt es nach dem 50. Lebensjahr wieder zu Blutungen, obwohl vorher längere Zeit Pause war. Das ist nicht normal und ein Grund für eine Spiegelung, um die Ursache dafür zu finden. Mit einer nachfolgenden Ausschabung lässt sich diese Blutungsstörung behandeln, so der Chefarzt. Postmenopausale Blutungen könnten ein Hinweis auf Zellveränderungen der Gebärmutterschleimhaut oder auf Gebärmutterkrebs sein.

Erfolgt eine Ausschabung nur bei Blutungsstörungen?

„Eine Ausschabung wird auch nach Fehlgeburten in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten empfohlen“, sagt Gunnar Fischer.

Kann eine Ausschabung immer ambulant erfolgen?

„Bis auf wenige Ausnahmen ja“, sagt der Chefarzt. Bei Patientinnen mit schweren Herz- und Lungenerkrankungen sei eine engmaschige Überwachung nach dem Eingriff nötig. Sie würden deshalb vorzugsweise stationär behandelt.

Die Tabelle

In unserer PDF-Tabelle erfahren Sie detailliert, wie zufrieden sächsische Patientinnen mit ambulanten Eingriffen an der Gebärmutter sind. Hier finden Sie die Tabelle.

Wie erfolgt die Narkose und gibt es Risiken?

Die Patientin bekommt eine kurze Vollnarkose. Sie schläft für die wenigen Minuten, die dieser Eingriff dauert. Der Anästhesist klärt die Frau mindestens einen Tag vorher umfassend auf. Risikofaktoren wie Allergien oder Kreislaufprobleme werden bei diesem Gespräch zum Beispiel abgefragt.

Wird das entnommene Gewebe untersucht?

„Ja. Noch am Operationstag wird eine Gewebeprobe zu einem Facharzt für Pathologie zur mikroskopischen Untersuchung eingeschickt“, so Fischer. Das Ergebnis liegt nach zwei bis drei Tagen vor und wird sofort dem behandelnden Frauenarzt oder der Patientin selbst mitgeteilt.

Welche Komplikationen können bei dem Eingriff auftreten?

Laut Bundesverband Ambulantes Operieren ist eine Ausschabung ein risikoarmer Routineeingriff. Sehr selten seien Verletzungen der Gebärmutter, Thrombosen oder Infektionen. Darüber muss der Arzt vorher umfassend aufklären. Um Übelkeit und Erbrechen vorzubeugen, soll die Patientin mindestens sechs Stunden vor der OP nichts essen und trinken, nicht rauchen und keinen Kaugummi kauen.

Wie geht es nach der OP für die Patientin weiter?

Die Patientin wird morgens operiert und am Nachmittag wieder nach Hause entlassen. Sie muss von Angehörigen oder Bekannten abgeholt werden, denn sie darf aufgrund der Narkose 24 Stunden nicht selbst Auto fahren oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Erschöpfung und Schläfrigkeit können noch mehrere Stunden nach der OP anhalten. Deshalb hinlegen, sich ausruhen, aber auch ein paar Schritte in der Wohnung laufen, um den Kreislauf anzuregen, empfehlen die Ärzte. Die ersten Tage nach dem Eingriff kommt es zu einer leichten Wundblutung, auch ziehende Schmerzen sind möglich. Ein paar Tage nach der OP ist der erste Kontrolltermin beim Arzt. Bis zu drei Wochen nach der Ausschabung sollte sich die Patientin vor Infektionen schützen, also keinen Sex haben, nicht schwimmen gehen oder baden, keine Tampons verwenden und keine Sauna besuchen.

Bei welchen Komplikationen sollte die Patientin zum Arzt?

„Komplikationen sind sehr selten“, sagt Gunnar Fischer. Da man sie nicht hundertprozentig ausschließen kann, sollte die Patientin in der ersten Nacht nach der OP möglichst nicht allein zu Hause sein. Ist das der Fall, wäre zur stationären Aufnahme zu raten. Bei folgenden Symptomen, die auf eine Infektion oder Gefäßverletzung hindeuten, ist der Hausarzt oder gleich das Krankenhaus aufzusuchen: Luftnot, Herzbeschwerden, Schwellung der Beine, Anstieg der Körpertemperatur, Schmerzen im OP-Gebiet oder in Armen und Beinen, erneute und stärkere Blutungen sowie Übelkeit und Erbrechen.

Wie viel rechnen Sie für die ambulante Operation ab?

Der Eingriff kostet zwischen 300 und 400 Euro. „Zusatzkosten entstehen für die Patientin nicht, der Eingriff ist eine komplette Kassenleistung, vom Vorgespräch bis zur Nachkontrolle“, so Fischer. Für eine stationäre Behandlung gibt es laut AOK Plus keine Kalkulation, da sie nur im begründeten Einzelfall im Krankenhaus erfolgt.

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