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Mittwoch, 27.01.2016

Tanzstunde unter freiem Himmel

Tausende Gäste feiern am Freitag auf dem Theaterplatz, tanzen eine Quadrille, erleben den Kreuzchor und das Feuerwerk.

Von Nadja Laske

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Der russische Komponist und Dirigent Anton Lubchenko hat den Walzer für den Tanz der Debütanten geschrieben.
Der russische Komponist und Dirigent Anton Lubchenko hat den Walzer für den Tanz der Debütanten geschrieben.

© Norbert Neumann

Am besten, alle sind pünktlich. Dann kann sie sofort losgehen – die größte Tanzstunde der Stadt, des Landes, Europas oder gar der Welt. Um 18 Uhr beginnt am Freitag ein ganz besonderer Unterricht: Auf dem Theaterplatz werden sich Dresdner und ihre Gäste versammeln, um gemeinsam eine Quadrille zu tanzen. Die will geübt sein. Schließlich soll sie Teil des Semper-Open-Air-Balles werden und am späteren Abend in gekonnter Formation für ausgelassene Stimmung vor festlicher Kulisse sorgen.

Als Tanzlehrer ist Heinz Heidenreich engagiert. Jahrelang hat der Choreograf an der Wiener Staatsoper gearbeitet, jetzt koordiniert er die riesige Dresdner Freiluft-Quadrille. Während drinnen die Staatskapelle den Ton angibt, tanzen draußen alle Besucher im Quadrat mit. Die Quadrille ist ein Kontertanz aus der Zeit Napoleons I. und beliebt vor allem auf Hochzeiten und Bällen. Ihrem Ursprung nach tanzen sie immer vier Paare.

Vor der Semperoper erwartet Ballchef Hans-Joachim Frey je nach Wetterlage bis zu 15 000 Feiernde. Unterdessen folgen in der Oper rund 2 300 Gäste dem Eröffnungsprogramm des 11. Semperopernballes. Sie haben für ihre Tickets zwischen 250 und 1 950 Euro bezahlt. Das heißt jedoch nicht, dass sie dafür auch mehr Gaudi haben werden als diejenigen, die ohne Eintritt zu berappen unter freiem Himmel Party machen.

Was im Saal läuft, das erleben die Open-Air-Besucher zum Teil über Leinwandübertragung mit. Einige Programmpunkte sind drinnen und draußen geplant und verbinden das Geschehen vor und in der Oper. So wird der Kreuzchor zwei Auftritte haben, und die Debütanten tanzen vom Theaterplatz in den großen Saal hinein. Insgesamt 100 Paare erleben in diesem Jahr ihren ersten Ball mit.

Für ihren Auftritt proben sie hart.

Seit Montag trainieren die jungen Damen und Herren im Alter zwischen 16 und 29 Jahren die Choreografie der Tanzprofis Sabine und Tassilo Lax in der Börse Coswig. Am Ballabend werden 60 Tänzerinnen Teil der Feuerwerksinszenierung des Lichtkünstlers Tom Roeder sein. Der lässt drei sechs Meter große Figuren vor die Oper schweben, aus denen die Debütantinnen hervortanzen. Um 21 Uhr startet mit dem Feuerwerk über der Semperoper das Galaprogramm, das bis 23 Uhr dauert.

Aus einer Warschauer Modeschule reisen 27 junge Designer in spe an, die 27 Models in aufwendigen Kostümen inszenieren. Taiwanesische Artisten bringen ihre Zirkustradition nach Dresden und zeigen unter der Kuppel der Semperoper atemberaubende Strapaten-Darbietungen. Sie bieten einen überraschenden Kontrast zu den klassischen Programmbeiträgen, unter anderem von der Mezzosopranistin Joyce DiDonato, der Staatskapelle und dem russischen Komponisten Anton Lubchenko, der auch den Walzer geschrieben hat, nach dem die Debütanten tanzen werden.

Insgesamt sechs Preisträger kündigt Ballveranstalter Frey an. Am Dienstag nannte er einen noch unbekannten Namen: Für sein Engagement zur Befriedung des Nahen Ostens wird der omanische Politiker Youssef al-Alawi Abdullah den St. Georgs Orden entgegennehmen. Bereits bekannt sind die diesjährigen Preisträger Christian Wulff, Mario Adorf, Sarah Connor, Uschi Glas und Gunther Emmerlich, der sich nach zehn Jahren als Moderator des Semperopernballes musikalisch verabschieden wird.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. dmehlhorn

    Sehr geehrte Damen und Herren, ein Semperopernball zu Gottfried Sempers Zeiten: Die Armen mussten, so sie nicht zum Dienstersonale gehörten, draussen vor dem Theater bleiben. Ein ehemaliger Präsident bekam für Nichts einen grossen Orden an die Brust geheftet. Nebenbei fiel auch etwas für die Armenfürsorge ab. Man war froh, das der Ball an einem Freitage stattfand, so wurden die werten Gäste nicht durch den lärmenden, aufmüpfigen Pöbel auf dem Platze vor der Semperoper belästigt. Gottfried Semper lebte von 1803 bis 1879. Heute ist natürlich selbstverständlich alles ganz anders. Der Semperopernball wird heutzutage im Fernsehen übertragen, das gab es damals noch nicht. Mit freundlichen Grüßen dmehlhorn

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