erweiterte Suche
Montag, 17.07.2017

Täves größter Fan

Rolf Haude hat die Legende des Radsports getroffen. Er selbst hat das Radfahren erst spät gelernt. Doch sein Idol war sein Ansporn.

Von Tina Soltysiak

Rolf Haudes Idol ist Gustav-Adolf „Täve“ Schur. Im vergangenen Jahr hat der 77-Jährige ihn getroffen. Seitdem hängt ein gemeinsames Foto über dem Sofa. Sein Sohn Steffen wäre bei der Begegnung gern dabei gewesen, musste jedoch arbeiten.
Rolf Haudes Idol ist Gustav-Adolf „Täve“ Schur. Im vergangenen Jahr hat der 77-Jährige ihn getroffen. Seitdem hängt ein gemeinsames Foto über dem Sofa. Sein Sohn Steffen wäre bei der Begegnung gern dabei gewesen, musste jedoch arbeiten.

© Dietmar Thomas

Roßwein. Rolf Haude sitzt auf seinem Sofa, blättert in einem A4-Buch. Die Kästchen sind eng beschrieben mit den Ergebnissen der Friedensfahrten, der „Tour de France des Ostens“. Neben die Tabellen hat Haude Zeitungsausschnitte geklebt. Diese Chronik ist über Jahre gewachsen, das Papier ist abgegriffen. Gern und oft blättert der Roßweiner darin.

Der erste Eintrag ist 1948 entstanden, die Fahrt führte von Warschau nach Prag. Ab 1952 radelten die Profis auch durch die DDR. Mit dabei: Gustav-Adolf „Täve“ Schur. „Ich habe zu dieser Zeit in Kriebethal bei meiner Oma gewohnt und die Übertragung um Radio verfolgt. Später wurden die Rennen im Fernsehen gezeigt“, so Haude. Wenn es sich ergab, stand er aber auch direkt an der Strecke. Denn eine Etappe beispielsweise führte von Leipzig über Roßwein, Gebersbach, Waldheim und Hartha. „Ich stand am Bahnhofsberg in Waldheim, da war die Bergzeitwertung. Der Gewinner bekam ein Sofa und zwei Sessel von der Sitzmöbelfabrik. Täve hat die Wertung häufig gewonnen“, so Rolf Haude.

Wenn der Roßweiner über die Radsportlegende spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen. Er ist Fan der ersten Stunde. „Täve ist ein guter Fahrer, vor allem aber ein guter Mannschaftsfahrer. In einem Jahr hat er Klaus Ampler zum Sieg verholfen. Dessen Rad war kaputt gegangen, da hat Täve ihm seins gegeben“, erinnert sich der gebürtige Schönberger. Er selbst hat das Radfahren erst recht spät gelernt, im Alter von 19 Jahren. Das war 1959. In diesem Jahr wurde Täve Weltmeister.

„Ich bin extra von Waldheim nach Mittweida mit dem Rad gefahren, um ihn zu sehen“, erzählt der 77-Jährige. Zu einem persönlichen Treffen sollte es erst viel später kommen – nämlich am 12. November 2016. Der Ort hätte nicht passender sein können: das Friedensfahrtmuseum in Magdeburg. „Ich war wirklich sehr aufgeregt. Obwohl es unser erstes Kennenlernen war, kam es mir vor, als hätten wir uns schon ewig gekannt“, sagt er und seine Augen leuchten. Täve habe sich Zeit genommen, ihn durchs Museum geführt. Selbstverständlich hatte Haude sein A4-Buch dabei. „Täve war begeistert, hat zu mir gesagt ,Du musst ja Zeit gehabt haben’“, so Haude. Seit dem Treffen ist das Buch ein noch größerer Schatz für ihn. Denn um 15.30 Uhr hat Täve eine Widmung hineingeschrieben. Die Uhrzeit weiß Haude deshalb so genau, weil sein Enkel die Begegnung gefilmt hat.

Es ist nicht die Letzte gewesen. „Am 14. Mai gab es ein Treffen der Friedensfahrer, zu dem hatte mich Täve eingeladen“, erzählt Rolf Haude. Die beiden Männer haben noch einmal einen Kaffee miteinander getrunken. „Ich hoffe, es war nicht unsere letzte Begegnung“, sagt der Senior, der seit 1962 in Roßwein lebt.