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Mittwoch, 04.06.2014

Suchtberatungen reagieren auf Crystalboom

Am Donnerstag können sich Betroffene und Angehörige beim Tag der offenen Tür informieren.

Von Juliane Richter

Die städtische Drogenbeauftragte Kristin Ferse weiß, wie hoch die Hemmschwelle ist, bei einer Sucht Hilfe anzunehmen. Foto: Steffen Füssel
Die städtische Drogenbeauftragte Kristin Ferse weiß, wie hoch die Hemmschwelle ist, bei einer Sucht Hilfe anzunehmen. Foto: Steffen Füssel

© Steffen Füssel, Steffen Fuessel

Die Droge Crystal ist billig zu haben und noch dazu leicht zu besorgen. Die Zahl der Abhängigen in Dresden steigt deshalb kontinuierlich. Im Jahr 2011 haben auch die hiesigen Sucht- und Beratungsstellen das Problem erkannt und angefangen, die Fallzahlen zu messen. Waren es damals noch 376 Fälle, kamen 2013 bereits rund 590 Personen zur ambulanten Beratung.

Dabei gibt es schon bei Jugendlichen erste Berührungspunkte mit Crystal, weiß die städtische Suchtbeauftragte Kristin Ferse. Deshalb wenden sich wiederholt auch hilflose Eltern an sie. „Eine Mutter hat zum Beispiel bemerkt, dass ihr Sohn plötzlich nachts wach ist und am Tag schläft. Sein Verhalten habe sich komplett verändert. Hinzu kam eine ständige Gereiztheit“, sagt Ferse. Den Drogenkonsum habe der Jugendliche jedoch abgestritten.

Die Drogenbeauftragte rät in solchen Fällen, direkt die Beratungsstellen aufzusuchen. Nach telefonischer Vereinbarung können Hilfesuchende zum Beispiel jederzeit die städtische Einrichtung in der Richard-Wagner-Straße 17 aufsuchen. Doch nicht jeder traut sich dorthin. Kristin Ferse weiß, dass in bestimmten Fällen der Umweg über eine Selbsthilfegruppe führt, bis sich die Betroffenen und ihre Angehörigen direkt an die Experten wenden.

Den Kontakt frühestmöglich herzustellen, ist wichtig. Denn mit dem Crystalkonsum nehmen die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit rapide ab. Gute Leistungen in der Schule sind dann nicht mehr möglich – häufig führt der Konsum direkt zum Schulabbruch. Welche Wirkungen die Droge darüber hinaus auf lange Zeit mit sich bringt, ist bisher kaum erforscht. Um die Hemmschwelle für den Besuch einer Beratungsstelle noch weiter zu senken, führt die städtische Einrichtung morgen von 11 bis 18 Uhr einen Tag der offenen Tür durch. Dabei können Interessierte nicht nur unkompliziert ins Gespräch mit den Mitarbeitern kommen, sondern in verschiedenen Referaten Näheres über die Drogenproblematik erfahren.

Dabei geht es nicht ausschließlich um Crystal. Denn noch immer kämpfen viele Menschen mit einem anderen Problem: „Der Schwerpunkt der Beratungen ist das Thema Alkoholsucht. Es nimmt über die Hälfte der Arbeit ein“, sagt Ferse. Pro Jahr sind das bei allen sechs Beratungsstellen in der Stadt mehr als 1.800 Fälle.

Tag der offenen Tür, Jugend- und Drogenberatungsstelle, 5. Juni, 11 bis 18 Uhr, Richard-Wagner-Straße 17