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Freitag, 06.10.2017

Suche nach Geld für den Dresdner Fernsehturm

Für die Finanzierung der Wachwitzer Nadel hoffen Politiker auf Fördermittel. Eine Partei will dafür Projekte streichen.

Von Ralf Hübner

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Weithin sichtbar: Seit nunmehr fast 50 Jahren wacht der 252 Meter hohe Dresdner Fernsehturm über dem Elbtal. Turmrestaurant und Aussichtsplattform sind seit 1991 gesperrt, ein Besuch ist nicht mehr möglich.
Weithin sichtbar: Seit nunmehr fast 50 Jahren wacht der 252 Meter hohe Dresdner Fernsehturm über dem Elbtal. Turmrestaurant und Aussichtsplattform sind seit 1991 gesperrt, ein Besuch ist nicht mehr möglich.

© Youssef Safwan

Der Fernsehturm hält Stadtverwaltung und Stadträte weiter auf Trab. Nach einer Bürgerversammlung mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) in der vergangenen Woche, bei der über eine möglich Wiedereröffnung für Besucher gesprochen wurde, muss die Verwaltung das Gehörte auswerten und in eine Vorlage für den Stadtrat verarbeiten. Zudem gebe es zum Turm weitere Anträge die noch behandelt werden müssten, hieß es. Alle weiteren Schritte hingen zudem davon ab, ob sich die Telekom-Tochter Deutsche Funkturm als Eigentümer an Gesprächen beteiligen werde, wurde betont. Ohne deren Zustimmung könne die Stadt nichts machen. Allerdings habe diese immer signalisiert, dass sie für eine Nutzung des Turms offen sei. Bei den Stadtratsfraktionen gehen die Vorstellungen, wie das Projekt finanziert werden könne, teilweise weit auseinander.

CDU tritt auf die Bremse und verweist auf andere zu finanzierende Projekte

„Wir müssen eine ehrliche Diskussion führen, wann und wie wir was finanzieren wollen“, sagte CDU-Fraktionschef Jan Donhauser. Der Fernsehturm sei zwar eine interessante Idee, ein wirtschaftlicher Betrieb laut einer Studie jedoch schwierig. Die Frage sei, ob Haushaltsmittel in Millionenhöhe zur Sanierung und später zum Betrieb eingesetzt werden sollen. „Hier können wir nicht vorschnell zustimmen“, sagte Donhauser. Es sei jahrelang über die Sanierungen von Schulen und Kitas, den Zentralen Omnibusbahnhof oder das Heinz-Steyer-Stadion diskutiert worden, auch der Zustand von Straßen und Gehwegen werde beklagt.

SPD sieht den Bund in der Pflicht und will Teile der Bettensteuer verwenden

„Wir unterstützen das Vorhaben, sehen dabei aber den Eigentümer, die Deutsche Funkturm und den Bund in der Verantwortung eine Wiedereröffnung auch finanziell zu unterstützen“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Blümel. „Wir fordern die gerade neu gewählten Bundestagsabgeordneten aus Dresden auf, sich dafür starkzumachen, Geld für den Turm nach Dresden zu holen.“ Die SPD-Fraktion werde sich im nächsten Haushalt für eine Mitfinanzierung durch die Stadt einsetzen, wenn sich der Bund, das Land und die Bürger beteiligen. „Aus unserer Sicht könnte man dafür Einnahmen aus der Bettensteuer reservieren, statt diese abzusenken. Andere Projekte werden wir dafür aber weder aufgeben noch verschieben“, sagte Blümel.

Linke fordert, öffentliche Mittel einzusetzen

„Etwa drei Viertel der Dresdner sprechen sich dafür aus, den Fernsehturm wieder öffentlich zugängig zu machen. Daraus ergibt sich ein Auftrag für den Stadtrat und den Oberbürgermeister“, sagte Linke-Fraktionschef André Schollbach. Der Fernsehturm sei ein tolles architektonisches Dokument der Ostmoderne. Vielen Verantwortungsträgern fehle davor der Respekt. „Wir wollen, dass der Turm aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wird. Dazu ist auch der Einsatz öffentlicher Gelder erforderlich.“ Hier stünden nicht nur Stadt und Freistaat in der Verantwortung, sondern auch der Bund, der als größter Aktionär der Deutschen Telekom Jahr für Jahr enorme Dividenden einstreiche.

FDP/FB will mit Fördermitteln von Bund und Land sowie Spenden sanieren

„Mit Fördermitteln des Bundes sowie des Landes für den Erhalt sächsischer Kulturgüter und Denkmäler, privaten Spendenaktionen wie etwa bei der Frauenkirche und finanziellen Reserven, die sich die schuldenfreie Stadt Dresden erwirtschaften kann, scheint es realistisch, den Turm touristisch wieder nutzbar zu machen“, sagte FDP/FB-Fraktionschef Holger Zastrow.

Die Stadt müsste demnach nur einen Teil der Sanierungskosten übernehmen und könne diese unter anderem aus den immer weiter steigenden Steuermehreinnahmen begleichen. Zunächst müsse jedoch auch mit Blick auf die Eigentumsfrage geklärt werden, unter welchen Bedingungen der Turm wiedereröffnet und betrieben werden könne. Erst danach lasse sich die Sanierung des Turms in den städtischen Haushalt einordnen.

AfD will Geld für neue Woba und Festspielhaus Hellerau für den Turm

„Wir sind absolute Befürworter einer Wiedereröffnung des Fernsehturmes möglichst bis 2019 – 50 Jahre nach der Erbauung“, sagte Harald Gilke von der AfD-Fraktion. Zur Finanzierung könnten Steuermehreinnahmen herangezogen werden sowie die Mittel, die für die neue Woba vorgesehen seien. Die AfD sei gegen eine neue Woba. Außerdem solle sich die Stadt vom Betrieb des Festspielhauses Hellerau zurückziehen, das von den Dresdnern offensichtlich nicht angenommen werde. Die Tickets würden mit viel Geld subventioniert, das für den laufenden Betrieb des Fernsehturmes verwendet werden könne.

Grüne sehen Bund, Land, Investoren und Bürgerschaft in der Pflicht

„Eine Sanierung ist nur mit vielen Akteuren denkbar.“ Grünen-Fraktionschef Thomas Löser sieht vor allem . Bund und Land sowie private Investoren in der Pflicht, Spenden der Bürgerschaft gefragt. Die Stadt Dresden solle sich maximal zu einem Viertel an den Kosten beteiligen. „Einen dauerhaften städtischen Zuschuss für den laufenden Betrieb lehnen wir ab.“ Durch das Bauwerk und die Sanierung dürften keine Eingriffe in die Natur entstehen, da es in einem Landschaftsschutzgebiet stehe.

Fernsehturmverein will Stiftung gründen und Spenden sammeln

In der jetzigen Konstellation könne der Verein keine Spenden sammeln, ohne sich Ärger mit dem Finanzamt einzuhandeln, sagte der Vorsitzende des Fernsehturm Dresden-Vereins, Eberhard Mittag. „Wir hatten vorgeschlagen, eine Stiftung zu gründen, damit wir tätig werden können und auch die Bürgerschaft mit ins Boot bekommen.“ Zunächst sollten die Fehler in der Machbarkeitsstudie bereinigt werden, die dort aus Sicht des Vereins enthalten seien. Dann könne es Untersuchungen zum Betreiber und zur Finanzierung geben.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 29 Kommentare

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  1. Standort

    @9: Haben Sie auch mal verglichen, wo der Turm in Stuttgart steht und was man von seiner Aussichtsplattform aus sieht? In Dresden klettern die Touristen (Dresdner würden ja sowieso nur einmal hingehen) auf den Hausmannsturm, die Frauenkirche oder die Lutherkirche. Da sieht man mehr von der Stadt. Schon jetzt schafft es nicht jeder Tourist von der Innenstadt nach Pillnitz. Ich bin für einen Bürgerentscheid, wenn Steuergelder verwendet werden sollen. Auch wegen den Folgekosten. Und Fördermittel von Land und Bund sind auch Steuergelder. Sagt blos keiner der Linken, der SPD, der FDP und der AfD. Schule oder Turm ist due Frage.

  2. Folkie

    Nun, vielleicht habe ich wichtige Informationen verpasst? Im Juni wurde die Machbarkeitsstudie zur 'Revitalisierung' des Fernsehturms (finanziert zum Teil aus öffentlichen Mitteln) veröffentlicht, die im Ergebnis sehr hohe Investitionskosten und vor allem hohe Folgekosten für den Betrieb einer Gastronomie dort prognostiziert. Auf den Seiten der Stadt Dresden sehe ich bisher nur den Schlussbericht dieser Studie (www.dresden.de/fernsehturm). Mittlerweile hat der Verein "Fernsehturm Dresden e.V." seine abweichende Sicht der Dinge publiziert. Auch wenn es gelingen sollte, die Investitionsmittel aufzutreiben, habe ich bisher kein Konzept gesehen, wie genügend Besucher zu diesem dezentralen kommen sollen (... und auch in Dresden scheint nicht das ganze Jahr über die Sonne). Vergleichbare 'Türme in Hamburg oder Berlin befinden sich in den Zentren (!!) von Großstädten (!!) und können ggf. so ohne Zuschüsse betrieben werden. Gibt es einen Nachweis, dass 75% der Dresdener die Öffnung wollen??

  3. Hajo

    @9 Zugezogener: Genau das meinte ich mit "Schwelgen in alten Zeiten". Sie vergleichen den Bau und Betrieb eines Fernsehturmes in der westdeutschen Nachkriegszeit (!) mit dem Dresdner Turm heute. Dass soetwas damals eine neuartige Attraktion war und es heute ein Vielfaches an konkurierenden Freizeitmöglichkeiten und touristischen Angeboten gibt, gerade in Dresden, müssen Sie bei solchen kruden Vergleichen schon einbeziehen. Vom Standort des Turmes mal ganz abgesehen...

  4. filburt

    Ich schlage vor, dass die AfD den Turm aus Mitgliedsbeiträgen finanziert, das würde sicher auch der ehemaligen PDS-, dann FDP-Politikerin und heute rechtsaußen blinkenden Fernsehturm-Vereinssprecherin Barbara Lässig gefallen. Ansonsten steht alles in Kommentar 3 - armes provinzielles Dresden...

  5. Dresdner45

    @Folkie, nein es gibt keine derartige belastbare Umfragen. Diesen Turm braucht auch keiner, weil dieser Turm an einer Stelle steht, wo es keinerlei weitere Sehenswürdigkeiten gibt. Wenn die Telekom diesen Turm nicht mehr brauchen sollte, kann er abgebaut werden. Es ist einfach ein Hirngespinnst!

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