erweiterte Suche
Dienstag, 19.01.2016

Stuttgart gibt Feinstaubalarm

Die Stadt ruft die Autofahrer auf, Busse und Bahnen zu nutzen. Umweltschützer sprechen von einer „Placebo-Maßnahme“.

Autos fahren durch die Stuttgarter Innenstadt, während auf einer Anzeige ein Feinstaub-Alarm für die Umweltzone Stuttgart angezeigt und auf öffentliche Verkehrsmittel hingewiesen wird.
Autos fahren durch die Stuttgarter Innenstadt, während auf einer Anzeige ein Feinstaub-Alarm für die Umweltzone Stuttgart angezeigt und auf öffentliche Verkehrsmittel hingewiesen wird.

© dpa

Von leeren Straßen keine Spur: Obwohl am Montag in Stuttgart der erste Feinstaubalarm Deutschlands ausgerufen wurde und Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen sollten, staute sich der Verkehr zunächst wie gehabt. Auf einigen Autobahnen und wichtigen Bundesstraßen in Richtung Stuttgart gab es am Morgen Behinderungen auf mehreren Kilometern Länge.

Stadt und Polizei wiesen darauf hin, dass diese Staus oft durch liegengebliebene Fahrzeuge verursacht wurden. Deswegen und wegen des Schnees sei die Verkehrslage nur schwer mit anderen Tagen zu vergleichen. „Es wird keine verlässlichen Zahlen geben. Wir zählen die Autos nicht“, sagte eine Stadtsprecherin.

Der Alarm gilt mindestens bis zur Nacht zum Freitag. Die Landeshauptstadt, die als Feinstaubhochburg gilt, setzt dabei vorerst auf Freiwilligkeit. Die Autofahrer sind zwar aufgefordert, Fahrgemeinschaften zu bilden oder Busse und Bahnen zu benutzen. Bußgelder drohen noch nicht.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) kündigte an: Wenn die Stadt bis Ende 2017 mit den freiwilligen Maßnahmen keinen Erfolg habe, „dann wird es zu verbindlichen Maßnahmen wie etwa Fahrverboten kommen müssen“. Neben Autofahrern sind auch Besitzer sogenannter Komfortkamine zur freiwilligen Mithilfe aufgefordert: Sie sollen ihre Öfen während des Alarms auslassen. Mit Sanktionen müssen auch sie erst ab 2017 rechnen.

Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe ist der Feinstaubalarm eine „Placebo-Maßnahme“ ohne Wirkung. „Appelle bringen nichts“, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart schreckten vor allem mit Blick auf die Autoindustrie vor obligatorischen Schritten gegen die gesundheitsschädlichen Emissionen zurück, meinte Resch. „Das ist ein Kniefall vor Daimler.“

Der Automobilclub ACE forderte Preisanreize, um Pendler zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Die Stuttgarter Verkehrsbetriebe bieten bereits einen zusätzlichen Freimonat für Abo-Einsteiger an sowie verbilligte Tickets während der ersten beiden Feinstaubalarme.

Der Naturschutzbund (Nabu) mahnte: „Stuttgart darf nicht das deutsche Peking werden.“ Wenn Freiwilligkeit nicht zum Ziel führe, müssten Verbote ausgesprochen werden, sagte Nabu-Landeschef Andre Baumann. (epd/dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 22:00 Uhr abgegeben werden.