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Donnerstag, 05.10.2017

Sturmtief trifft den Landkreis

Xavier sorgte auch bei uns für viele Feuerwehreinsätze. Der Wind knickte Bäume um und fällte sogar einen Mast.

Von Dominique Bielmeier, Nina Schirmer und Ines Scholze-Luft

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In Stauchitz wurde eine Solaranlage durch den Sturm vom Dach des Edeka gerissen. Menschen wurden nicht verletzt. Zwei Pkw wurden beschädigt. Im Einsatz waren die Ortsfeuerwehren von Stauchitz und Staucha.
In Stauchitz wurde eine Solaranlage durch den Sturm vom Dach des Edeka gerissen. Menschen wurden nicht verletzt. Zwei Pkw wurden beschädigt. Im Einsatz waren die Ortsfeuerwehren von Stauchitz und Staucha.

© Sebastian Schultz

  • In Stauchitz wurde eine Solaranlage durch den Sturm vom Dach des Edeka gerissen. Menschen wurden nicht verletzt. Zwei Pkw wurden beschädigt. Im Einsatz waren die Ortsfeuerwehren von Stauchitz und Staucha.
    In Stauchitz wurde eine Solaranlage durch den Sturm vom Dach des Edeka gerissen. Menschen wurden nicht verletzt. Zwei Pkw wurden beschädigt. Im Einsatz waren die Ortsfeuerwehren von Stauchitz und Staucha.
  • Wem es nur den Regenschirm umstülpte, der hatte am Donnerstag Glück: Das Sturmtief Xavier brach auch Äste ab und kostete in anderen Teilen Deutschlands sogar Menschenleben.
    Wem es nur den Regenschirm umstülpte, der hatte am Donnerstag Glück: Das Sturmtief Xavier brach auch Äste ab und kostete in anderen Teilen Deutschlands sogar Menschenleben.
  • In Brockwitz trotzten Handwerker dem Sturm bei Arbeiten auf der Kirchturmspitze.
    In Brockwitz trotzten Handwerker dem Sturm bei Arbeiten auf der Kirchturmspitze.

Landkreis. War es das schon – oder kommt er erst noch? Eine Frage, die sich am Donnerstag viele Menschen im Landkreis bei einem Blick in den Himmel gestellt haben dürften. Beinahe minütlich wechselten sich dunkle Wolken, die kurze, starke Schauer brachten, und blaue Flecken ab. Das Sturmtief Xavier hielt die Menschen in Nord- und Mitteldeutschland über Stunden in Atem. Wer die Verwüstungen im Norden verfolgt hatte, fürchtete die Ankunft des Sturms in der Heimat. Am Nachmittag traf Xavier schließlich den Kreis Meißen.

Hier blieben die großen Schäden und Einschränkungen zwar aus, dennoch sorgte das Sturmtief bis zum Redaktionsschluss für rund 30 Feuerwehreinsätze. In Prausitz in der Gemeinde Hirschstein fiel laut Gemeindewehrleiter Hans-Jürgen Wilhelm ein Telegrafenmast über die Straße. Verletzt wurde dabei niemand. In Riesa hat der Wind Schilder und Bauzäune einer privaten Baustelle auf der Döbelner Straße umgeweht. Die Feuerwehr Riesa war vor Ort. „Dort ist aber nichts weiter passiert“, sagte Wehrleiter Egbert Rohloff. In Stauchitz hat der Sturm eine ganze Solaranlage von einem Dach gefegt.

Auch in Radebeul heulten am späten Nachmittag die Sirenen. Die Feuerwehren mussten wegen Sturmschäden bis 17.30 Uhr dreimal ausrücken, sagte Dirk Liebscher vom Sachgebiet für Brand- und Katastrophenschutz. In Lindenau hingen Teile eines Baumes in einer Leitung und in Kötzschenbroda war ein Baum umgekippt. Auch am Radebeuler Kaufland gab es einen Feuerwehreinsatz. Dort drohte ein Baum umzuknicken.

Der Deutsche Wetterdienst warnte seit Mittwoch vor dem Sturmtief, das von den Britischen Inseln und der südlichen Nordsee kommend am Donnerstagvormittag erst den Nordwesten erreichen und bis zum späten Nachmittag über das Norddeutsche Tiefland nach Polen abziehen sollte. Für den Landkreis wurden orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten zwischen 90 und 115 Kilometern pro Stunde vorausgesagt. Das ist die zweithöchste Warnstufe.

Tatsächlich traf es aber den Norden Deutschlands besonders heftig. In Hamburg kam am Nachmittag eine Frau ums Leben, als ein umstürzender Baum ihr Auto traf; mindestens zehn weitere Menschen wurden verletzt. Die Feuerwehr warnte die Bürger davor, ihre Häuser zu verlassen. Bereits am frühen Nachmittag stellte die Deutsche Bahn den gesamten Zugverkehr in Norddeutschland und nach Berlin ein. Ursache waren auf die Gleise oder in die Oberleitungen gewehte Bäume. In der Hauptstadt rief die Feuerwehr am frühen Abend den Ausnahmezustand aus. Die Internationale Gartenausstellung blieb wegen Xavier zu, Zoo und Tierpark schlossen vorzeitig. Ein Schicksal, das auch den Meißner Tierpark traf.

Leiter Heiko Drechsler entschied sich nicht nur wegen der Warnungen, seine Anlage am Donnerstag gar nicht erst zu öffnen. „Wir hatten schon am Vormittag so starken Regen und Wind, dass schwere Äste abgebrochen und die Figuren im Zwergenland alle umgefallen sind.“ Außerdem hob der Wind ein Imbisszelt aus und zerriss eine Plane. Für den Tierparkleiter besonders bitter: „Ich habe schon keine Einnahmen und dann auch noch finanziellen Schaden.“ Ob der Park am Freitag geöffnet sein wird, konnte Drechsler noch nicht sagen, denn: „Wir haben auch wieder ganz schöne Wasserschäden.“ Ein spannender Anblick hätte sich den Besuchern ohnehin nicht geboten: Die Esel und das Geflügel hatten Schutz in ihren Ställen gesucht, „die Papageien sitzen bei Regen in der Ecke und haben den Kopf eingezogen“.

Härter im Nehmen waren dagegen die Handwerker sowie Pfarrer Matthias Quentin in Brockwitz. Heftige Böen und teils starker Regen konnten sie am Nachmittag nicht davon abhalten, die erneuerte Turmspitze – Kugel samt Inhalt, Wetterfahne und Kreuz – auf den Dachreiter, das Türmchen auf dem Kirchturm, aufzusetzen. Obwohl der Wind an Folien und Netzen zerrte und die Bäume neben der Kirche bedenklich schwankten, wurden die vergoldeten Bauteile an ihrem Platz befestigt. Zuvor waren in der Kirche die drei neuen Metallhülsen für die Kugel verschlossen worden, die sowohl historische Dokumente und Münzen als auch aktuelle Publikationen beinhalten. Der Dachreiter steht derzeit neben der Kirche, weil er saniert wird. Wenn diese Arbeiten beendet sind, kommt er wieder an seinen Platz auf dem Turm zurück. Das ist für den 19. Oktober vorgesehen.

Wie das Wetter an diesem Tag sein wird, lässt sich noch nicht vorhersagen. Für die kommenden Tage hat Xavier erst einmal eine deutliche Abkühlung gebracht.