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Montag, 07.11.2016

Stürmischer Applaus für König David

Singakademie Chemnitz und Mittelsächsische Philharmonie führen Honeggers Oratorium auf. Prominente Unterstützung gibt Schauspieler Jörg Schüttauf.

Von Dagmar Doms Berger

Der Schauspieler Jürgen Schüttauf gab den Erzähler bei der Aufführung des Oratoriums „König David“ im Theater.
Der Schauspieler Jürgen Schüttauf gab den Erzähler bei der Aufführung des Oratoriums „König David“ im Theater.

© DA

Döbeln. Gangster, Triebtäter oder Kommissar. In diesen Rollen kennt ein Millionenpublikum den Schauspieler Jörg Schüttauf. Als der Mime mit den wasserblauen Augen am Freitagabend auf der Bühne des Döbelner Theaters Platz nimmt, die Brille aufsetzt, lernen ihn die Zuschauer in einer neuen Rolle kennen – als Erzähler in Arthur Honeggers Oratorium König David.

Am Freitagabend wurde das Werk als Gemeinschaftsprojekt auf Initiative der Singakademie Chemnitz mit der Mittelsächsischen Philharmonie im Theater Döbeln zum zweiten Sinfoniekonzertabend aufgeführt. Das Döbelner Publikum erlebte eine packende und großartig umgesetzte Aufführung.

Das Werk erzählt den Weg Davids aus dem Alten Testament vom Hirten zum König. David ist eine vielschichtige Persönlichkeit, deren Handlungen an Zwiespalt nicht arm sind. Einerseits erwies er sich als kluger Politiker und Krieger, besiegte Goliath und Saul. Unter seiner Herrschaft wurde sein Reich immer größer und Jerusalem zum Zentrum. Andererseits schreckte er im Privatleben nicht vor Ehebruch und Mord zurück.

Honegger (1892 bis 1955) wählte für sein Werk die Gattung des biblischen Oratoriums und gab ihm den Untertitel symphonischer Psalm. Formal erinnert es an die Oratorien von Bach. Das Besondere an diesem Werk ist aber, dass es nicht wie bei Bach Rezitative gibt, sondern einen Erzähler, der durch die Handlung führt. Diesen Part hatte Schüttauf übernommen. Mehr als die Hälfte der Texte basieren auf Psalmen. Der Mime eroberte sich Zeile für Zeile. Seine etwas heisere Klangfarbe sorgte für Nuancen und passte sich ins Werk ein. Die mimische Gestaltung verlieh dem Text darüber hinaus emotionale Wirkung. Als Schüttauf von Pabst auf die Mitwirkung angesprochen wurde, sagte er spontan zu. Die erste Aufführung war quasi ein Heimspiel für ihn, sie fand vor wenigen Tagen in seiner Geburtsstadt Chemnitz statt.

Das Chorwerk, das in seiner Vielseitigkeit, Fülle und Dichte immer wieder überrascht, erinnerte partiell an Filmmusiken oder Werken Bachs. Mit großer Konzentration dirigierte Andreas Pabst von der Singakademie Chemnitz die Aufführung. Präzise Einsätze sicherten die klare Struktur des Werkes. Die Philharmoniker setzen sein Dirigat einfühlsam um, den orientalisierten Oboengesang bis zur tadellosen Bläser-fanfare. Die Singakademie Chemnitz – ein großartiger Laienchor – bewältigte die Choreinsätze hochkompetent; lebendig die Lobgesänge, weich die Halleluja. Die Arien übernahmen Tenor Frank Blümel und Alt Marlene Lichtenberg. Sopranistin Romy Petrick ließ vom Hirtenlied bis zum verheißungsvollen Halleluja aufhorchen.

Zuvor eröffnete die Mittelsächsische Philharmonie unter Leitung von Juheon Han mit der heiteren Roma-Fantasie von Georges Bizet (1838 bis 1875) den Abend. Bizet, der die meiste Zeit seines Lebens in Frankreich verbrachte, unternahm ausnahmsweise einen dreijährigen Studienaufenthalt in Italien. „Es gibt nichts Entzückenderes als den Karneval in Rom. Alle Fenster sind von charmanten Frauen besetzt… Es ist ein wahrer Blumen- und Konfettiregen ...“, schrieb der damals noch junge Bizet an seine Mutter. Seine Erlebnisse verarbeitete er nach seinem Aufenthalt in seiner italienischen Sinfonie mit vier Sätzen. Vom italienischen und südländischen Temperament ist in der Sinfonie allerdings wenig zu spüren. Unüberhörbar ist vielmehr der Einfluss der deutschen Romantik auf sein Werk.