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Freitag, 17.04.2015

Studie: Mehr ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge

In diesem Jahr werden rund 300 000 weitere Flüchtlinge in Deutschland erwartet. Imm mehr Bürger helfen ihnen. Doch Behörden haben sich immer noch nicht auf diesen Zustrom eingestellt - so eine Studie.

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Berlin. Immer mehr Menschen engagieren sich laut einer Studie ehrenamtlich, um Flüchtlingen beim Aufbau eines neuen Lebens in Deutschland zu helfen. Doch dabei vergeuden sie viel Zeit und Arbeit, weil Behörden im Umgang mit Flüchtlingen versagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine nicht repräsentative Studie des Berliner Instituts für empirische Migrations- und Integrationsforschung der Humboldt-Universität, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. An der Online-Befragung nahmen 466 Ehrenamtliche und mehr als 70 Organisationen teil.

Die Zahl der Ehrenamtlichen sei in den vergangenen drei Jahren um 70 Prozent gestiegen, hieß es. „Ehrenamtliche sind vorwiegend weiblich, gut gebildet und wirtschaftlich in einer relativ sicheren Position.“ Es seien mehr Jüngere und Studierende als Rentner, viele hätten einen Migrationshintergrund, und Religion spiele keine große Rolle.

Doch sie erhielten zu wenig Unterstützung von staatlicher Seite. „Dadurch, dass Ehrenamtliche Aufgaben übernehmen müssen, die oft durch eine mangelhafte Bereitschaft von Behörden im Umgang mit Flüchtlingen entstehen, wird ein großes zivilgesellschaftliches Potenzial vergeudet“, sagte Olaf Kleist, einer der Autoren. „Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit leben vor, wovon Politiker seit einigen Jahren gern reden, nämlich den Wandel hin zu einer Willkommenskultur in Deutschland“, ergänzte Mitautor Serhat Karakayali.

„Behörden müssen sich stärker auf den Umgang mit Flüchtlingen einrichten, so dass diese auch ohne ehrenamtliche Hilfe ihren Weg durch die Verwaltungen finden können“, forderte Kleist. Ehrenamtliche kümmerten sich um Unterkunft, Kleidung und Mobilität. Doch mehr Zeit fließe in die Vermittlung zwischen Flüchtlingen und Behörden.

Dazu zählten vor allem die Ausländerbehörden, das Sozialamt und Schulen. Auch Übersetzungsarbeiten spielten eine wichtige Rolle. Eine Forderung sei deshalb die Einrichtung eines staatlichen telefonischen Übersetzungsdienstes, mit dem Behördenmitarbeiter Übersetzer zu Gesprächen mit ausländischen Flüchtlingen hinzuschalten könnten.

Viel Arbeit fließe auch in die Organisation der ehrenamtlichen Arbeit. Die Autoren der Studie empfahlen deshalb, bestehende Organisationen wie Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und Flüchtlingsverbände sollten die Ehrenamtlichen viel stärker mit Wissen und Strukturen unterstützen. Stiftungen sollten deren Arbeit auch finanziell fördern. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Joachim Herrmann

    Zuerst einmal allen Aktivisten, die sich im Ehrenamt unser reichen BRD so fleißig betun, einen herzlichen Dank!!! Diese Land bedient sich immer öfter und immer mehr dieses Ehrenamtes, um konkrete gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen. Würden diese durch die Bürger nicht in hoher Qualität und mit besten Optimismus erfüllt, würde die Gesamtgesellschaft am Krückstock laufen. Nach meiner Überzeugung werden heute schon ca. 50 % aller originären Aufgaben von Kommunen und Ländern durch diese "Ämtler! ertragreich zustande gebracht. Das zumeist unter wenig Beachtung von Behörden und ziemlich vakant von Politikern. Daran ändert auch manches Gehabe mit "Preisen" nichts. Auch- "Wir für Sachsen" - deckt zum Beispiel nicht mal die persönlichen Aufwendungen der Agierenden. So müssen diese oftmals aus ihrem eigenen schmalen Budget finanzielle Leistungen erbringen, um ihre selbst gesteckten Aufgaben und Ziele zu erfüllen. Dafür bedienen sich die Politiker weiterhin schamlos - siehe Landtag!

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