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Montag, 23.02.2015

Studie: Mehr als 60 Prozent bezweifeln Demokratie in Deutschland

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Berlin. Einer Studie zufolge glauben mehr als 60 Prozent der Bürger, dass in Deutschland keine echte Demokratie herrscht.

Schuld sei der starke Einfluss der Wirtschaft auf die Politik, die mehr zu sagen habe als der Wähler. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap, die im Auftrag des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin vorgenommen und am Montag veröffentlicht wurde.

Jeder Dritte ist demnach davon überzeugt, dass der Kapitalismus zwangsläufig zu Armut und Hunger führe. Den Kommunismus und Sozialismus halten 37 Prozent aller West- und 59 Prozent aller Ostdeutschen für eine gute Idee, die bisher nur schlecht ausgeführt wurde.

Das nach Darstellung der Wissenschaftler erstaunlichste Ergebnis betrifft das Gewaltmonopol des Staates: Nur knapp die Hälfte der Befragten ist dafür, dass ausschließlich die Polizei Gewalt zur Wahrung von Sicherheit und Ordnung einsetzen darf. Die Studie stellt fest, dass im Westen 14 Prozent, in Ostdeutschland 28 eine linksradikale oder linksextreme Grundhaltung haben.

An der repräsentativen Untersuchung zur Verbreitung des Linksextremismus in Deutschland nahmen knapp 1 400 Personen teil. Die Teilnehmer mussten im Sommer 2014 Aussagen über Demokratie und Gesellschaft bewerten. Bei der Studie des Forschungsverbundes SED-Staat wurden neben der Befragung auch Interviews mit ehemaligen Linksextremisten geführt. Die Ergebnisse des Gesamtprojektes sind in einem am Montag veröffentlichten Buch zusammengefasst. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. RU

    Wenn jemand von Freiheit und Demokratie spricht, wird darunter meist eine ziemlich allgemeine Form von Freiheit und Demokratie verstanden. Man muss aber viel genauer hinsehen, also fragen, Freiheit und Demokratie für WEN und für WAS. In den westlichen Ländern ist damit immer gemeint, die besondere Freiheit und Demokratie für sehr vermögende Personen, ihren Reichtum ständig und möglichst schnell weiter zu vermehren durch Ausbeutung oder andere Arten der Umverteilungen zulasten der Mehrheit der Bevölkerung. Gleiches gilt auch zwischen reichen und armen Ländern. Die Zweifel sind daher berechtigt.

  2. Martin H.

    @RU. Gott sei Dank ist die Vermögensverteilung in Diktaturen, die Sie verehren, beispielsweise Russland, vorbildlich gelöst. Da haben eine Handvoll Oligarchen die zur Putin-Suppe dazu zählen alles, und die anderen haben nichts. Viele Demokratiekritiker verkürzen die Kritik auf die Vermögensverteilung. Nach dem Motto: Ist die Kohle gerecht verteilt, passt es. Unter gerecht wird dann vor allem gleich verstanden. Doch ist das gerecht? Zeichnet eine gleiche Vermögensverteilung eine bessere Demokratie aus? Was sagt der- oder diejenige, der ich etwas wegnehme? Wie schaffe ich es, dass bei Wegnahme von Vermögen/Geld, der Leistungswille nicht auch gleich abhandenkommt? Ich kann die Kuh meistens nicht gleichzeitig melken und schlachten. Also wie halte ich die Leistungsfähigen melkfreudig? Da wären mal gute Vorschläge angebracht, die über die leistungsfeindliche Umverteilung hinausgehen. Da kommt von den Demokratie-Bashern nichts. Außer Leistungsverweigerung.

  3. C.G.

    @Martin: Wie man die Leistungsfähigen "melkfreudig" erhält, hat ja einst U. Hoeneß mit zornesrotem Gesicht lautstark den Nichtwissenden zu erklären versucht. Und der verstand ja schließlich was davon, wenn er auch, wie sich hinterher herausgestellt hat, nicht alle ihm bekannten "Tricks" verraten hat. Im Übrigen heißt gerecht nicht automatisch gleichmäßig verteilen. Wer hat dann in der "richtigen" Demokratie das Vermögen, dass der Allgemeinheit nicht zur Verfügung steht, weil es bei uns keine Oligarchen gibt? Oder heißen die nur anders?

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