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Donnerstag, 14.09.2017

Streit ums Bauland

Die Firma TransPak kauft ein Gelände in Obergoseln. Das bringt Probleme mit einem geplanten Vodafone-Masten.

Von Cathrin Reichelt

Zwischen den Firmen Polenz (vorn) und Hämmerling will Vodafone in Obergoseln einen Mobilfunkmast errichten. Das Unternehmen musste auf diesen Standort ausweichen. Denn das Areal, das die Gemeinde Vodafone ursprünglich zugesagt hatte, gehört zu einer Fläche, die die Döbelner Firma TransPak kaufen möchte.
Zwischen den Firmen Polenz (vorn) und Hämmerling will Vodafone in Obergoseln einen Mobilfunkmast errichten. Das Unternehmen musste auf diesen Standort ausweichen. Denn das Areal, das die Gemeinde Vodafone ursprünglich zugesagt hatte, gehört zu einer Fläche, die die Döbelner Firma TransPak kaufen möchte.

© Dietmar Thomas

Großweitzschen. Die Gemeinderäte von Großweitzschen fühlen sich schlecht informiert. Im zweiten Anlauf hatten sie während ihrer Aprilsitzung einem Antrag von Vodafone zugestimmt, in Obergoseln einen Mobilfunkmast zu errichten. Was die Räte damals und offensichtlich bis zur Sitzung am Dienstagabend nicht wussten: Der Standort des Mastes befindet sich auf einem Areal, an dem die Firma TransPak bereits seit mehr als einem Jahr Interesse hat. Das bestätigt Geschäftsführer Olaf Walter auf Nachfrage des Döbelner Anzeigers.

„Das sind beides Sachen, die den Bauausschuss betreffen. Aber wir haben davon keine Ahnung. Über solche wichtigen Vorhaben werden wir nicht informiert. Dann können wir den Ausschuss auch auflösen“, schimpft Sebastian Wloch (CDU). Auch allen anderen Gemeinderäten war augenscheinlich nicht klar, dass sie die Entscheidung zum Standort des Vodafone-Mastes so nicht hätten treffen dürfen. Denn die hat jetzt für die Gemeinde Folgen.

Damit Großweitzschen alle Flächen, an denen TransPak Interesse hat, im Komplex verkaufen kann, muss Vodafone mit seinem Mast umziehen. Der neue Bauplatz befindet sich zwischen den Firmen Polenz und Hämmerling. „Wir waren bereits mit Mitarbeitern von Vodafone vor Ort. Sie sind damit einverstanden“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Jörg Burkert (FW). Der Haken: Aufgrund des neuen Standortes muss der Mobilfunkanbieter einen neuen Bauantrag einreichen und eine neue Planung anfertigen. Beides war bereits perfekt. Vodafone hätte jetzt mit dem Bau des Mastes am alten Standort beginnen können. Für die Mehrkosten in Höhe von rund 10 000 Euro, die durch die zusätzlichen Papiere entstehen, soll die Gemeinde aufkommen. Damit sind nicht alle Räte einverstanden. Schließlich spare der Mobilfunkanbieter am neuen Standort Erschließungskosten für diverse Medien, die dort bereits anliegen. Am alten Standort wären noch etwa 70 Meter vom letzten liegenden Kabel bis zum Mast zu überbrücken gewesen. Letztendlich entscheiden sich die Räte aber doch mit acht Ja- und zwei Gegenstimmen sowie sechs Enthaltungen dafür, den Differenzbetrag an Vodafone zu zahlen.

Eine weitere Diskussion flammt vor der Entscheidung über den Verkauf des etwa 3,2 Hektar großen Geländes an TransPak auf. „13 Euro pro Quadratmeter sind zu wenig“, meint Dieter Horlacher (FW). Hauptamtsleiterin Cornelia Weichold versucht, den Preis zu begründen: „TransPak übernimmt mit rund 200 000 Euro die gesamten Kosten für die Regenwasserentsorgung mit einem Regenrückhaltebecken.“ Denn das Gewerbegebiet liegt in einem Wasserschutzgebiet. Trotzdem ist Dieter Horlacher nicht zufrieden. Eine Recherche im Internet habe ergeben, dass in Mittelsachsen 35 Euro pro Quadratmeter Bauland üblich seien. Auch Sven Krawczyk (CDU) hält 13 Euro für zu wenig, „wenn wir Gartenland für fünf Euro verkaufen“. Derweil hat ein anderer Gemeinderat ausgerechnet, dass die Verkaufssumme für das Grundstück plus der 200 000 Euro für die Regenwasserentsorgung einen Quadratmeterpreis von 19 Euro ergeben. Außerdem weist Andreas Haupt (FW) darauf hin, dass sich in dem Komplex auch kleine Restecken von Grundstücken befinden, die wahrscheinlich sonst kaum einen Interessenten finden würden. Mit sieben Ja-, einer Gegenstimme und acht Enthaltungen entscheiden sich die Räte für den Verkauf.

Wie TransPak die Fläche nutzen will, vermag Geschäftsführer Olaf Walter jetzt noch nicht zu sagen. „Wir haben den Beschluss abgewartet, der für uns ein positives Signal ist. Jetzt beginnen wir mit den Planungen“, erklärt er. Seit 27 Jahren hat die Firma zwei Standorte in Döbeln, an denen 45 Mitarbeiter beschäftigt sind. TransPak beliefert Firmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg mit Verpackungsmaterial aller Art.