Gorbitz-Nord Freitag, 07.12.2012

Streit um Satellitenschüsseln in Gorbitz

Die Gorbitzer Mieter der Wohnungsgenossenschaft sollen ihre Parabolspiegel abbauen. Doch einige weigern sich.

Von Linda Barthel

Wenn es nach der Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft Dresden geht, soll Matthias Eckart seine Satellitenschüssel so schnell wie möglich abmontieren. Der Großvermieter fürchtet, dass die Anlage des 53-Jährigen die Fassade beschädigt.Foto: Steffen Unger
Wenn es nach der Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft Dresden geht, soll Matthias Eckart seine Satellitenschüssel so schnell wie möglich abmontieren. Der Großvermieter fürchtet, dass die Anlage des 53-Jährigen die Fassade beschädigt.Foto: Steffen Unger

Matthias Eckart staunte nicht schlecht, als er vor Kurzem ein Beschwerdeschreiben seines Vermieters im Briefkasten hatte. Die Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft Dresden (EWG) fordert, dass er seine Satellitenschüssel abmontiert. Diese hängt schon lange am Balkon des 53-Jährigen in der Birkenstraße 15. Wenn es nach der EWG geht, soll sie jetzt weg.

Dafür nennt der Großvermieter zwei Gründe. So würde die Fassade des Wohnblocks durch die Anlage beschädigt. Außerdem verschandle sie dessen Erscheinungsbild. „Das ist der Hohn. Ich beschädige überhaupt nichts und die Fassade ist sowieso sanierungsbedürftig“, sagt der Werkzeugmacher verärgert. Er wird seine Satellitenschüssel nicht entfernen. „Mir kann man doch nicht vorschreiben, was ich in meiner Wohnung zu tun oder zu lassen habe“, sagt Eckart. Der 53-Jährige sollte seinen Mietvertrag prüfen zu lassen, empfiehlt Mathias Wagner vom Mieterverein Dresden. „Es gibt kein generelles Recht, einen Parabolspiegel anzubringen, aber auch kein Verbot.“

Anders sieht das EWG-Vorstandsmitglied Antje Neelmeijer. Die Genossenschaft biete den Mietern einen Kabelanschluss des Netzbetreibers Tele Columbus an. Deshalb könne sie auf den Abbau der Satellitenschüssel bestehen. Seit knapp 20Jahren hat der Großvermieter einen Vertrag mit Tele Columbus. Dieser versorgt 5.700 Gorbitzer Wohnungen mit Telefon, Internet und Fernsehen. „Der Empfang von genügend Programmen in guter Qualität ist gewährleistet“, sagt das Vorstandsmitglied. „Deshalb können wir als Vermieter den Rückbau verlangen.“

In neueren Mietverträgen stehe mittlerweile, dass Satellitenschüsseln an der Fassade verboten sind.„Eine Ausnahme bilden moderne Anlagen, die von außen nicht sichtbar sind und die Fassade nicht beschädigen“, erklärt Antje Neelmeijer. So soll verhindert werden, dass immer mehr Mieter der Genossenschaft eine Parabolantenne montieren.

Matthias Eckart wird sich aber nicht so leicht geschlagen geben. Der 53-Jährige hat der EWG bereits einen Beschwerdebrief geschickt. „In diesem steht auch, dass ich der Forderung nicht nachkomme. Ich lasse mich nicht bevormunden“, sagt er. Er zahlt zwar seit 1999 die rund acht Euro teure Gebühr für Tele Columbus, nutzt den Kabelanschluss aber nie. „Ich bräuchte dann noch ein zusätzliches Gerät, um auf meinem Flachbildschirm-TV die privaten Sender empfangen zu können“, sagt Eckart. „Das ist technisch sonst nicht möglich.“

Die EWG forderte auch seine Nachbarin Margitta Kautzsch auf, ihre Satellitenschüssel abzumontieren. Auch sie weigert sich. Gemeinsam mit Matthias Eckart plant sie jetzt eine Unterschriftensammlung gegen den Großvermieter. „Ich zahle regelmäßig meine Miete. Deshalb lasse ich mir auch nichts aufzwingen“, sagt die 57-Jährige.

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