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Samstag, 26.03.2016

Streit um neue Bundesstraße 6

Täglich rollen Hunderte Lkw durch Cossebaude. Deshalb soll die Trasse verlegt werden.

Von Nora Domschke

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Ein täglicher Anblick: Brummi-Kolonnen wälzen sich über die B6 durch den Dresdner Westen. Nun ist eine neue Trasse mit Lärmschutzwänden geplant.Foto: Norbert Neumann
Ein täglicher Anblick: Brummi-Kolonnen wälzen sich über die B 6 durch den Dresdner Westen. Nun ist eine neue Trasse mit Lärmschutzwänden geplant.Foto: Norbert Neumann

© norbert neumann

Die Positionen sind klar: Wer derzeit in Stetzsch, Gohlis und Cossebaude an der Bundesstraße 6 wohnt, hofft, dass Lärm und Abgase möglichst schnell vor seiner Haustür verschwinden. Bereits seit 15 Jahren gibt es deshalb den Plan, die B 6 zu verlegen. Genau davor fürchten sich die Anwohner, die künftig die neue Trasse vor der Nase haben werden. In einer Bürgerversammlung prallten die verschiedenen Standpunkte aufeinander. Dazu eingeladen hatte die Bürgerinitiative (BI) „B 6 neu“, die sich dafür einsetzt, dass schwere Lkw künftig an anderer Stelle durch die Ortsteile rollen. Seit der Öffnung der Niederwarthaer Brücke 2011 hat der Verkehr stark zugenommen. Waren es im Oktober 2009 noch etwa 18 800 Fahrzeuge, die täglich auf der B 6 durch Stetzsch fuhren, sind es im September 2012 schon rund 23 700. Der Schwerlastverkehr macht davon mittlerweile fast zehn Prozent aus. Dass Hunderte Lkw künftig über eine neue Straße südlich der Bahntrasse fahren, wollen die Anwohner der dort liegenden Wohngebiete gern verhindern. „Das Problem mit dem Verkehr wird mit der neuen Trasse nur an einen anderen Ort verlagert“, kritisiert SPD-Stadtrat Peter Bartels die Pläne.

BI-Chef Andreas Teubner versteht den Ärger, hält aber dagegen, dass sich die Fahrzeuge auf zwei Strecken verteilen werden. „Wir gehen davon aus, dass auch in Zukunft etwa 15 000 Autos weiterhin über die alte B 6 rollen.“ Er räumt ein, dass Lkw dann zwar die neue Bundesstraße nutzen. „Aber diese wird mit Lärmschutzwänden ausgestattet sein.“ Es gehe vor allem darum, die Mehrheit der Anwohner vor den Belastungen des gestiegenen Lkw-Verkehrs zu schützen. „An der jetzigen Bundesstraße sind fast 1 000 Menschen davon betroffen, an der neuen Strecke 200 bis 300.“

Seit vergangener Woche haben Bürger die Möglichkeit, sich zur Verlegung der B 6 zu äußern. „Diese Chance müssen wir jetzt nutzen“, sagt Teubner. „Je mehr Zuschriften eingehen, umso besser.“ Es bleiben etwa fünf Wochen Zeit für die schriftlichen Stellungnahmen. Der BI-Chef und seine Mitstreiter hoffen natürlich, dass sich möglichst viele Menschen für die Verlegung der B 6 aussprechen.

Das wird Peter Bartels wohl nicht tun. Sein größter Kritikpunkt ist die Anbindung der Mobschatzer und Cottaer an die Stadt. Weil es auf der gesamten Strecke durch die Ortschaften keine Zufahrten auf die neue B 6 geben soll, müssten Anwohner südlich der Trasse und Besucher des Tierheims künftig einen zwei Kilometer langen Umweg in Kauf nehmen. „Das Problem ist, dass die Stadt die Anschlüsse zur B 6 selbst bezahlen muss“, sagt Bartels. Als Stadtrat will er sich bei Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) nun dafür einsetzen, dass in Höhe des Tierheims eine Querung über die Bahntrasse und die neue Bundesstraße gebaut wird.

Ganz vom Tisch ist offenbar vor allem aus finanziellen Gründen die Variante einer B 6, die Stetzsch, Gohlis und Cossebaude komplett vom Durchgangsverkehr entlasten würde: die direkte Verbindung von der Elbbrücke in Niederwartha bis zur Autobahn. Die Variante parallel zur Bahntrasse ist im aktuellen Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft, die Kosten dafür auf etwa 60 Millionen Euro berechnet.

Alle Infos zum Bundesverkehrswegeplan 2030 und zur Bürgerbeteiligung gibt es unter: www.b6-neu.de

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. blackdodge

    das kommt davon, wenn unterschiedliche Behörde, ohne jede Abstimmung planen. Es wäre sogar noch einfacher gegangen. Von der Brücke durch nen Tunnel nach Wilsdruff, Analog der B101 in Meißen oder damals aus dem Dreieck DD-West ein Keuz wo ein Ast zur B6 führt

  2. Anwohner

    „An der jetzigen Bundesstraße sind fast 1 000 Menschen davon betroffen, an der neuen Strecke 200 bis 300.“ 60 Millionen Euro für ein bißchen Lösung. Ahja. Vielleicht sollte man Politik dann doch eher Profis überlassen, Herr Teubner.

  3. tika

    Danke @blackdoge, den am Geld liegt es wohl nicht, dass dürfte sich als Argument keiner mehr trauen zu bringen. Wir haben genug Geld für alles mögliche. Für innovativ dürften uns die nächsten Generationen auch nicht halten. Ein Sanierungsgebiet wird für über eine Millionen aufgehübscht und dann plant man eine Straße durch den Ortskern, voila! Die Bürger/-innen werden hier gegeneinander aufgebracht... Vielleicht sind an der B6, 1000 betroffen, die ich auch verstehe, aber über 6000 werden von der neuen B6 benachteiligt. Alles klein und traurig was da läuft. Ach so, ich hätte dann gern die Schilder, die vorn nicht mehr gebraucht werden....

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