Mittwoch, 16.01.2013

Streit um Behandlung tausender libyscher Kriegsopfer in Deutschland

Deutsche Kliniken behandelten tausende Kriegsopfer aus Libyen - und blieben vielfach auf den Rechnungen sitzen. Diese sollen teils überhöht gewesen sein.

Berlin. Rund 5.250 Patienten aus Libyen, vorwiegend Kriegsverletzte, sind seit dem Sturz des Regimes von Diktatur Muammar al-Gaddafi in Deutschland behandelt worden oder werden es noch. Doch über die Bezahlung gibt es ein anhaltendes Tauziehen, wie aus einem neuen Bericht des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Berlin vorlag. Mehrere Kliniken sind auf den Rechnungen bislang sitzengeblieben - auch weil sie überhöhte Rechnungen gestellt haben sollen.

Mangels ausreichender eigener Möglichkeiten habe Libyen nach dem Ende der Gaddafi-Herrschaft im Sommer 2011 viele Kriegsverletzte im Ausland behandeln lassen, so die Regierung. „Hauptzielländer waren Deutschland, Tunesien, die Türkei, Jordanien und Griechenland.“ In Deutschland wurden und werden vor allem besonders schwere Fälle, etwa mit Polytrauma nach Kriegseinwirkungen behandelt.

„Die Bundesregierung bedauert es außerordentlich, dass Libyen sich trotz offizieller Kostenübernahmezusagen - in problematischer Abweichung von internationalen Gepflogenheiten - in vielen Fällen weigert, die bei der Behandlung (...) entstandenen Rechnungen zu bezahlen“, so die Regierung weiter. Libyen rechtfertige dies mit überhöhten Abrechnungen.

Einige Krankenhäuser hätten unter anderem wegen erhöhter Verkeimung libyscher Kriegsverletzter pauschale Zuschläge verlangt. Das Gesundheitsressort betont, die Krankenhäuser seien auch bei Patienten aus dem Ausland an die üblichen Entgelte gebunden. Nun solle eine Vermittlungskommission die Lage bewerten und einen Bericht schreiben.

Die Bundesregierung dränge in Tripolis und gegenüber der libyschen Botschaft in Berlin auf Umsetzung einer Zusage von Ministerpräsident Ali Seidan vom November, sich der Regelung der Ausstände anzunehmen. Einige Kliniken hätten mittlerweile Teilzahlungen erhalten.

Nach einem Bericht der „WirtschaftsWoche“ vom vergangenen Monat forderten deutsche Kliniken insgesamt 32 Millionen Euro. Mehrere ohnehin finanziell bedrohte Kliniken kämpften gegen die Insolvenz. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.