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Freitag, 08.12.2017

Streit kostet unnötig Kraft und Zeit

Die Querelen um einen Wanderweg in Richtung Freilichtbühne Leuben dauern an. Marcus Herrmann über ein Possenspiel.

Marcus Herrmann
Marcus Herrmann

© Claudia Hübschmann

Ich komme selbst nicht vom Land, sondern aus der Stadt. Trotzdem habe ich eine Vorstellung davon, dass ein seit vielen Jahrzehnten genutzter Weg durch ein kleines Waldstück von Alteingesessenen nicht gerne einfach so aufgegeben wird. Dass sie ihre Argumente vorbringen dürfen, gehört selbstverständlich zum demokratischen Miteinander in einer Stadt dazu.

Und genau das hat die Nossener Verwaltung auch beherzigt. Genauso dazu gehört aber auch, dass die Verantwortlichen nach Abwägung des pro und kontra bei ihrer Meinung bleiben – nämlich den Wanderweg, der eher einem Pfad gleicht, entwidmen zu wollen. Dafür gibt es gewichtige Argumente. Sei es der wesentlich besser zu begehende Alternativweg über die Lommatzscher Straße, das Recht an der Nutzung des eigenen Grundstücks durch den direkt betroffenen Anwohner, oder einfach der Fakt, dass der Wanderweg weder stark frequentiert war, noch es sein wird. Mit dem Abriss des Parkcafés trifft das umso mehr zu.

Dass einige Stadträte die Auswirkungen ihrer Entscheidung gegen eine Entwidmung nicht richtig abgewogen haben, zeigt sich jetzt. Geholfen ist damit niemandem. Die Stadt hat das Problem weiter an der Backe, kann sich nicht aus der Verantwortung für den Wanderweg ziehen und muss mit einer Klage durch den Eigentümer rechnen. Dieser versteht die Welt nicht mehr, steht plötzlich als Buhmann da und muss weiter einen Weg dulden, der sein Grundstück faktisch durchschneidet.

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Die Folgeerscheinungen der Nutzung durch Passanten, muss er zumeist alleine beheben. Da sich sonst niemand an der Instandhaltung beteiligen möchte, ist das Ansinnen des Landbesitzers verständlich, den Weg zuzumachen, zumal kein eingetragenes Wegerecht für diesen existiert. Die Folgen, sagt er vermutlich zurecht, würden nach wenigen Wochen kaum mehr der Rede wert sein. Stattdessen geht der Streit weiter. Er raubt Kraft und Zeit, die besser in wirkliche Probleme gesteckt werden sollten. Davon gibt es in Nossen genug. 150 Meter Wanderweg gehören nicht dazu.

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