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Dienstag, 10.11.2015

Stolpersteine gestohlen

Mit einer Mahnwache gedenken Mitglieder des Treibhausvereins verfolgter Juden. Vandalen wollten das verhindern.

Von Cathrin Reichelt

Bei einer Mahnwache wurden alle Stolpersteine für verfolgte Döbelner Juden gereinigt. Außerdem wurden Kerzen aufgestellt und weiße Rosen niedergelegt.
Bei einer Mahnwache wurden alle Stolpersteine für verfolgte Döbelner Juden gereinigt. Außerdem wurden Kerzen aufgestellt und weiße Rosen niedergelegt.

© Dietmar Thomas

Döbeln. „Es war ein Schlag ins Gesicht“, sagt Judith Sophie Schilling. Sie beschreibt damit den Moment, in dem sich gestern Morgen die Polizei beim Treibhausverein gemeldet hat. Beamte hatten entdeckt, dass der Stolperstein, der an der Albertstraße für einen verfolgten und ermordeten Juden im Bodden verankert war, gestohlen wurde. Bei weiteren Steinen an der Bahnhof- und der Theaterstraße war das offensichtlich ebenfalls versucht worden. Aber die Diebe scheiterten. „Dafür sind die beiden Steine an der Bahnhofstraße zerkratzt und demoliert worden“, erzählt Schilling. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.

Dass solche Erinnerungssteine beklebt und besprüht werden, sei schon öfter vorgekommen, ein Diebstahl aber zum ersten Mal, so Judith Sophie Schilling. Ob und wie die Steine ersetzt werden, will der Verein mit dem Künstler Gunter Demnig beraten. Er wird in den kommenden drei Tagen in fünf Städten des Altkreises Döbeln 32 weitere Steine an ehemaligen Wohn- und Arbeitsorten von Juden verlegen.

Ungeachtet des Vandalismus hielt der Treibhausverein am Abend an den elf Stolpersteinen, die bereits in Döbeln verlegt wurden, eine Mahnwache ab. Die Steine wurden gereinigt, eine Kerze angezündet, eine weiße Rose niedergelegt und über die Biografien und Schicksale der Juden, denen die Steine gewidmet sind, berichtet.

Zehnköpfige Gruppe von Polizisten auf Abstand gehalten

Der Rundgang begann am Obermarkt beim Stolperstein für die Kaufmannsfamilie Heinemann. Sie besaßen einen Kurzwaren- und einen Spielwarenladen. Er starb in Berlin, sie in Auschwitz. Bei allen weiteren Stolpersteinen waren immer wieder dieselben Worte zu hören: Qualen im KZ, Diskriminierung und Ausgrenzung im täglichen Leben und Boykott der Unternehmen und Geschäfte. Dies erfuhren nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder.

Den mehr als 30 Mitgliedern des Treibhausvereins und deren Sympathisanten wollte sich auch eine etwa zehnköpfige Gruppe um NPD-Stadtrat Stefan Trautmann anschließen. Doch schon am Obermarkt wurden die jungen Frauen und Männer von vier Polizisten auf Abstand gehalten. Sie folgten dann auch zu jedem weiteren Stolperstein. Insgesamt blieb es bei der Mahnwache ruhig.

Weitere Stolpersteine werden morgen in Döbeln verlegt. Beginn ist am Steigerhausplatz 1 um 8.45 Uhr. Außerdem wird der Künstler Gunter Demnig ab 19 Uhr im Café Courage in Döbeln das Projekt Stolpersteine vorstellen.

Hinweise zu den gestohlenen und beschädigten Steinen nimmt das Kommissariat Staatsschutz unter Telefon 0371 3873445 entgegen.