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Dippoldiswalde Montag, 12.11.2012

Stiftungsgeld soll Witwen zugutekommen

Die Stadt verwaltet noch Geld aus einer im 19. Jahrhundert errichteten Stiftung zugunsten armer Dippser Bürgerinnen.

Von Regine Schlesinger

Juliane Eleonore Rüdiger hatte in ihrem Testament bestimmt, dass mit einem Teil des von ihr hinterlassenen Vermögens eine Stiftung errichtet werden soll. Das geschah am 24. August 1869. Zweck der Stiftung ist die Unterstützung „armer, ehrbarer und verschämter Dippoldiswalder Bürgerwitwen, welche in Dippoldiswalde wohnen oder aus Dippoldiswalde stammen“.

So wird das auch weiterhin geschehen. Denn die Stiftung existiert noch immer. Stiftungsvorstand ist der Bürgermeister von Dippoldiswalde, also gegenwärtig Oberbürgermeister Ralf Kerndt (Freie Wähler). Er hatte vor zwei Jahren angeregt, die Stiftung den geänderten Verhältnissen anzupassen und zu prüfen, ob der Zweck der Stiftung zugunsten sozialer Projekte geändert werden kann.

Von der Landesdirektion kam inzwischen die Antwort, dass das nicht geht. Solange in der Stadt noch Witwen leben, die bedürftig sind, müsse der Zweck der Stiftung aufrechterhalten werden. Nach einer aktuellen Erhebung leben in Dippoldiswalde und den Ortsteilen gegenwärtig 725 Witwen.

Inwiefern sie bedürftig sind, wird sich spätestens im nächsten Jahr herausstellen. Die Stadt will nicht selbst diejenigen aussuchen, die eine Zuwendung von der Stiftung erhalten, sondern diese auf Antrag gewähren. Das heißt, wer meint, der Stiftungszweck trifft auf ihn zu, muss bei der Stadt einen Antrag stellen. Ob er bewilligt wird, entscheidet der Stiftungsvorstand, also der OB, aber sicher im Zusammenwirken mit dem Stadtrat.

Große Hoffnungen auf Reichtümer kann sich nun aber niemand machen. Das Vermögen der Rüdiger-Stiftung betrug zum Stichtag 19. Oktober 2012 rund 6.900 Euro. Die Stiftungsgrundstücke sind an die Agrargenossenschaft Reinholdshain vermietet, somit kommen zum Jahresende noch knapp 500 Euro Pacht und die Zinsen drauf. Damit kann man sich ausrechnen, dass es um keine Riesenbeträge geht, die zu vergeben sind. Verkauft werden dürfen die Stiftungsgrundstücke nicht.

Bei der Stadt kann im Moment niemand einschätzen, welches Echo es zu den Stiftungsgeldern geben wird. „Wir müssen abwarten, was an Anträgen kommt und uns ein Gefühl dafür erarbeiten, wie wir damit umgehen“, sagt der OB.