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Samstag, 16.02.2013

Steuerfalle Abfindung

An der Entschädigung für Gekündigte verdient das Finanzamt mit, aber die Abzüge lassen sich mit legalen Tricks mindern.

Von Nicola Menke

Eine Kündigung ist meist ein harter Schlag. Er dürfte in diesem Jahr eine Reihe von Arbeitnehmern treffen. Denn in einer branchenübergreifenden Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft rechneten rund 28 Prozent der 2 300 befragten Unternehmen damit, 2013 Stellen kürzen zu müssen. Etwas weniger schmerzt es die Betroffenen, wenn sie mit einem goldenen Handschlag entlassen werden. Über eine Abfindung freuen sich auch die Finanzämter.

Denn steuerlich werden sie nicht behandelt wie eine Schenkung, die ohne Abzüge auf das Konto fließt, sondern wie Arbeitslohn. „Abfindungen sind seit 2006 voll steuerpflichtig und müssten bei der Berechnung der Einkommenssteuer zum regulären Jahresverdienst hinzugerechnet werden“, sagt Isabel Klocke, Justiziarin des Bundes der Steuerzahler Deutschland in Berlin. Unter Umständen könne man so in einen höheren Steuersatz rutschen und müsse vielleicht ein Vielfaches an den Fiskus berappen als üblich. Beispielsweise würden die Einkünfte eines Normalverdieners, der ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 40 000 Euro hat, durch eine Abfindung von 40 000 Euro statt mit 23,76 mit 33,54 Prozent besteuert werden.

„An der Tatsache, dass die Abfindung komplett besteuert wird, ist nichts zu rütteln. Man kann die Steuerbelastung aber durch die sogenannte Fünftelregelung etwas abmildern“, sagt Michael Henn, Präsident des Verbandes deutscher Arbeitsrechtsanwälte in Stuttgart. Kommt sie zur Anwendung, wird zunächst die Einkommenssteuer auf das reguläre Jahreseinkommen berechnet. Dann wird die Abfindung fiktiv auf fünf Jahre verteilt, ein Fünftel zum Einkommen hinzugerechnet und darauf wieder die Steuer ermittelt. Die Differenz beider Beträge wird mit fünf multipliziert und ergibt die Abfindungs-Steuersumme, die man mit der regulären Einkommenssteuer addiert. „Sicherlich ein etwas aufwendiger Berechnungsweg, und die Ersparnis ist nicht wirklich hoch, aber es ist besser als nichts“, sagt Henn.

Damit man „fünfteln“ darf, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Allem voran gilt, dass die Entschädigung die Einnahmen, die durch die Kündigung bis zum Jahresende wegfallen, übersteigt und dem Entlassenen innerhalb eines Kalenderjahres zufließen muss. „Ein kleiner nachträglicher Zuschlag von zirka fünf Prozent der Gesamtsumme wird toleriert. Ansonsten können Abfindungen zwar in Raten unterteilt, aber nicht jahresübergreifend ausbezahlt werden, wenn man in den Genuss der Fünftelregelung kommen will“, sagt Vicky Johrden, Referentin des Deutschen Steuerberaterverbandes in Berlin.

Deshalb sollte man jedoch die Möglichkeit einer Abfindung in „Jahres-Etappen“ nicht gleich verwerfen, kann sie doch unabhängig von der Fünftelregelung ein Mittel zur Steuerersparnis sein: „Die zu versteuernde Summe bleibt hier gleich. Indem sie nicht in einem Berechnungszeitraum ausgeschüttet, sondern gesplittet wird, schlägt sie steuerlich aber weniger stark zu Buche“, sagt Klocke. Denn der Grad der Besteuerung steigt mit dem Einkommen, und man bleibt durch ein Splitting vielleicht auf einer niedrigeren Tarifstufe. Ein durchaus reizvoller Effekt – und die Teilauszahlung ist auch legal, solange sie nur über zwei Kalenderjahre erfolgt und die Zahlungstermine vor Fälligkeit der Abfindung mit dem Arbeitgeber vereinbart werden.

Ob Teilen oder Fünfteln steuerlich günstiger ist, hängt vom Einzelfall ab. Weil für die richtige Entscheidung nicht nur das Einkommen der Steuerzeiträume und die Abfindungshöhe, sondern viele weitere Faktoren eine Rolle spielen, zieht man am besten einen Steuerberater zurate. Ähnliches gilt bei einer dritten Variante: die Verlagerung der kompletten Entschädigungszahlung ins Folgejahr. „Das ist rechtlich gesehen möglich und kann eine gute Idee sein. Insbesondere, wenn für das kommende Jahr geringere Einkünfte zu erwarten sind als für das laufende – beispielsweise infolge von Arbeitslosigkeit“, sagt Johrden.

Anspruch auf Abfindung gibt es grundsätzlichen nicht. Zum Zahlen verpflichtet ist der Arbeitgeber nur, wenn ein Tarifvertrag oder Sozialplan eine Entschädigung bei Kündigung vorsieht. Ansonsten muss der Arbeitnehmer selbst aktiv werden und über eine Abfindung verhandeln. (dpa)