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Mittwoch, 24.02.2016

Sterne zum App-Fassen

Ein ehemaliger Lehrer hat eine Astronomie-App für Smartphones und Tablets entwickelt. Die verstehen auch Laien.

Von Andreas Herrmann

Lutz Clausnitzer aus Obercunnersdorf war Lehrer für Physik, Mathe und Astronomie, aber von den Sternen kommt er einfach nicht los.
Lutz Clausnitzer aus Obercunnersdorf war Lehrer für Physik, Mathe und Astronomie, aber von den Sternen kommt er einfach nicht los.

© Matthias Weber

Obercunnersdorf. Lutz Clausnitzer ist überzeugt, dass sich vom Sternenhimmel viel über die Erde und die Menschen lernen lässt. Der Obercunnersdorfer hat jahrelang am Löbauer Gymnasium Mathematik, Physik und Astronomie unterrichtet – und kritisiert schon seit Langem, dass die Astronomie heute in Sachsens Schulen eher eine geringere Rolle spielt. Seit 2007 ist sie nämlich kein eigenständiges Pflichtfach mehr, sondern wird als Teilgebiet der Physik behandelt. Doch die Sterne liegen Clausnitzer am Herzen, und daher hat er sich überlegt, wie er trotzdem mehr Leute für die Astronomie begeistern könnte. Das Ergebnis ist eine Smartphone-App, die er entwickelt hat – und mit der sich Interessierte völlig ohne Schulunterricht mit der Welt der Sterne vertraut machen können.

Gleichwohl greift er damit gewissermaßen auch den Schulen unter die Arme. Denn für die Lehrerinnen und Lehrer werde es immer schwieriger, die kulturgeschichtlichen und weltanschaulich-philosophischen Aspekte der Astronomie zur Geltung zu bringen, ist der Pädagoge überzeugt. Die Astronomie sei eben „keineswegs ein Spezialgebiet eines anderen Faches, sondern – ganz im Gegenteil – eine Kulturen, Epochen und Fächer verbindende Wissenschaft, die nach den ganz großen Zusammenhängen unseres Daseins greift“, wie er in der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ 6/2015 geschrieben hat. Und nicht nur dort hat er Beiträge verfasst: Vor einigen Jahren hat er auch den SZ-Lesern in vielen Artikeln die Astronomie erläutert.

Die von ihm nun ersonnene App „AudioHimmelsführungen“ macht die Astronomie sozusagen sichtbar. Und das nicht nur für Schüler. Die App ist zeitlos, was bedeutet, dass sie nicht sagt, wo die Planeten momentan stehen. Dafür gibt es andere Programme. Clausnitzers App ist eine Serie von sechs 20-minütigen Himmelsführungen, die den Laien systematisch an die Astronomie heranführt. Über ihren Wert scheinen sich die Nutzer einig zu sein. Sowohl im Apple App Store als auch im Google Play Store wurde sie bisher durchweg mit fünf Sternen bewertet.

„Die gute Verständlichkeit der Führungen wird unter anderem dadurch erreicht, dass grundlegende Erkenntnisse in einer ähnlichen Reihenfolge erläutert werden, wie sie von der Menschheit erarbeitet worden sind“, so liest man es auf der zur App gehörenden Internetseite. Schon vor Jahrtausenden wurde der Sternenhimmel als Kalender und „Navigationsgerät“ genutzt. „Am Himmel lernte der Mensch, wissenschaftlich zu arbeiten und die gewonnenen Erkenntnisse zur Verbesserung seines Lebens zu nutzen“, weiß Clausnitzer. Damit gestaltet er einen interessanten Einstieg in die Himmelskunde. In der Folge 2 können die Nutzer lernen, am Himmel Planeten von Sternen zu unterscheiden und kosmische Entfernungen einzuschätzen. „Viele Menschen sind ja nicht so physikbegeistert, deshalb hebe ich mir physikalische Zusammenhänge für die dritte Folge auf“, erklärt der Astronom weiter. Hier lernt man dann, welche unterschiedlichen Sterne es gibt und wie sie ihren enormen Energiebedarf decken.

Die vierte Führung beschäftigt sich mit der Milchstraße, die in klaren, mondlosen Nächten als ein schwach leuchtendes Band zu sehen ist. Das ist nichts weiter als der Innenanblick des heimatlichen diskusförmigen Sternsystems, des Milchstraßensystems. Heute ist bekannt, dass das Universum aus ungefähr 200 Milliarden solcher Sternsysteme besteht. Dass man nun angeleitet wird, eines davon mit einem Fernglas einzufangen, bildet den abschließenden Höhepunkt dieser Führung. Im fünften Teil geht es um den Lebensweg der Sterne und wie das Universum funktioniert. Beispielsweise lernt man Supernova als gewaltige Sternexplosionen kennen, ohne die es die Menschen überhaupt nicht gäbe.

Die sechste Folge ist dann ein kulturhistorischer Rückblick, der auch einer sachlich-kritischen Auseinandersetzung mit der Astrologie nicht aus dem Wege geht. Um die himmlischen Führungen auch bei schlechtem Wetter zeigen zu können, erscheint auf dem Display des Smartphones oder Tablets zu jeder Folge eine Panoramasternkarte, die das jeweils besprochene Himmelsgebiet zeigt. Clausnitzer empfiehlt sogar, die Führungen zuerst auf dem Display und erst beim zweiten Mal am echten Sternenhimmel zu verfolgen. „Dann findet man die beschriebenen Sternbilder leichter.“

Wer das Gehörte dann noch weiter vertiefen möchte, kann sich der kostenlosen Arbeitsblätter auf der zugehörigen Internetseite bedienen. Die sind besonders dann hilfreich, wenn die App im Schulunterricht eingesetzt wird. An der Herstellung dieser App waren Grafiker, professionelle Sprecher und Programmierer beteiligt. Deshalb kostet sie etwas, für Android-Geräte sind es 3,99 Euro und für iOS 4,99 Euro. Wer kein Geld ausgeben möchte, geht trotzdem nicht leer aus. Denn die komplette Führung, Beobachtungshinweise und eine Übersicht über alle Folgen gibt es schon in der Gratisversion.

http://www.lutz-clausnitzer.de/sky/sky.html