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Dienstag, 15.08.2017

Steh-auf-Geschichten zum Mut machen

Über 70 Geschichten von Wendepunkten hat das Team des Projektes „Umbrüche“ erhalten. Ein Teil der Aktion endet jetzt.

Jens Ossada ist künstlerischer Leiter des Projektes „Steh-auf-Geschichten“.
Jens Ossada ist künstlerischer Leiter des Projektes „Steh-auf-Geschichten“.

© André Braun

Döbeln. Ein Brand in einem Wohnhaus, der das Leben verändert, die Geburt eines Kindes, das nur wenige Stunden atmet – es gibt ihn in fast jedem Leben, den Wendepunkt. Von diesem erzählen die Storys, die im Rahmen des Projektes „Steh-auf-Geschichten“ eingereicht worden sind. Auf über 70 ist deren Zahl in den vergangenen Wochen gestiegen, berichtet Jens Ossada, Künstler aus Ehrenberg und künstlerischer Leiter des Projektes. Seit einigen Tagen sammelt das Team die Briefkästen ein, die im Zuge des Projektes in Mittelsachsen verteilt worden sind. In diese, zum großen Teil von Grundschülern aus Seelitz gebastelten Kästen, konnten Autoren ihre Geschichten einwerfen. „Ein Viertel der Kästen haben wir jetzt wieder zurück“, sagt Ossada. Sie standen unter anderem in den Stadtbibliotheken in Hartha und Döbeln. Allerdings seien nur wenige Briefe bisher darin gefunden worden. Doch das bedauert Ossada nicht. Schließlich seien die Briefkästen eher zu Werbezwecken aufgestellt worden.

Die meisten, die vom Wendepunkt in ihrem Leben berichten wollten, haben dies bisher per E-Mail getan. Einige wenige haben sich auch mit den Projektmitarbeitern getroffen, die ihre Steh-auf-Geschichte protokolliert haben. Alle Geschichten, die bisher verarbeitet worden sind, werden im Internet auf der Seite des Projektes präsentiert. „Das ist unser zentrales Medium“, sagt Ossada. Von einigen Lesern hat er auch schon Rückmeldungen zu den Geschichten bekommen. „Sie haben geholfen, Mut gemacht“, schildert Ossada erste Reaktionen auf die Sammlung.

Die Abgabe über das Internet gehe weiter, so Ossada. Der Rücklauf beeindruckt das Projektteam. Ihm fällt es auch schwer, einen Schlussstrich zu ziehen. Daher wird es voraussichtlich auch kein Buch geben, in dem ausgewählte Geschichten publiziert werden. „Wir überlegen, Hefter anzulegen, die wir immer wieder ergänzen können“, sagt Ossada. Darüber hinaus werden die Erlebnisse der Mittelsachsen, die oftmals anonym von ihrem Umbruch berichtet haben, in Theaterstücken, Kunstinstallationen sowie Veranstaltungen verarbeitet. So ist für den 5. Oktober ein Erzählabend im Döbelner Rathaus geplant.

Noch fehlen dem Team rund 1 255 Euro, um das Projekt zu finanzieren. Ossada hofft auf Spenden aus privater sowie von wirtschaftlicher Hand. Die derzeitige Förderung für das Projekt läuft bis Ende des Jahres. Das Umbruch-Team will in jedem Fall weitermachen. Die Anträge dafür seien laut Ossada bereits gestellt. (DA/mf)