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Stahlharte Burschen

Computer steuern zunehmend die Hütten- und Halbzeugindustrie. Verfahrensmechaniker werden deshalb ab August zu Technologen.

23.09.2017
Von Sabine Meuter

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Platten, Träger, Rohre: Verfahrensmechaniker in der Hütten- und Halbzeugindustrie wie Fabian Maßeling müssen die Qualität ihrer Produkte genau prüfen. Denn nur tadellose Teile dürfen die Fabrik verlassen. Sie kommen beim Bau von Fahrzeugen sowie in der Elektro-, Medizin- und Feinwerkindustrie zum Einsatz. Foto: dpa/Ina Fassbender

© dpa-tmn

Nirgendwo darf ein Kratzer oder eine Delle sein. Fabian Maßeling muss die dünnen Bleche, die er über eine Fertigungsanlage aus Stahl gewalzt hat, genau prüfen. Der 23-Jährige ist Auszubildender bei Thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg. Die Bleche, die er herstellt, sind für die Autoindustrie gedacht. „Die Stücke müssen, wenn sie die Halle verlassen, tadellos sein“, sagt er.

Qualitätskontrolle ist ein wichtiger Teil des Berufes „Verfahrensmechaniker in der Hütten- und Halbzeugindustrie mit der Fachrichtung Stahlumformung“, den Maßeling erlernt. Aber im Alltag fallen noch viele weitere Aufgaben an. Stahl wird schließlich nicht nur zu Blechen, sondern unter anderem auch zu Platten, Trägern oder Rohren verarbeitet. „Dafür müssen große Anlagen eingerichtet, gesteuert und überwacht werden“, sagt Thorsten Thörner von der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf.

So werden etwa Walzen in den Maschinen montiert. Dabei helfen Hebewerkzeuge, Bewerber brauchen aber trotzdem eine gute körperliche Kondition. Denn fertige Teile müssen mitunter per Hand gehoben und verladen werden. Nach Angaben der Agentur für Arbeit Sachsen waren Ende vergangenen Jahres 1 165 Fachkräfte in der Hüttentechnik sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter etwa 1 000 Azubis. Mit erfasst sind dabei neben Verfahrensmechanikern in der Hütten- und Halbzeugindustrie auch Metallschmelzer.

Eine bestimmte Schulausbildung ist für den Beruf des Verfahrensmechanikers nicht vorgeschrieben. Überwiegend stellen die Unternehmen nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl aber Bewerber mit mittlerer Reife ein. Teamgeist ist unerlässlich, auch Technik-Begeisterung und Lernbereitschaft müssen Bewerber mitbringen. Die Ausbildung in Betrieb und Berufsschule dauert dreieinhalb Jahre.

Die Ausbildungssituation in Sachsen ist unterschiedlich: Nach Angaben der IHK Dresden sind die Schülerzahlen dort in den vergangenen fünf Jahren stabil geblieben. Im Bereich der IHK Chemnitz hingegen haben Ende 2012 noch 109 junge Leute den Beruf erlernt, Ende 2016 waren es 66.

Die Produktionsstätten werden zunehmend über Computer gesteuert. Diese Digitalisierung ist nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auch einer der Gründe, warum ab 1. August 2018 eine neue Ausbildungsordnung gilt. Damit ändert sich die Berufsbezeichnung. Aus dem Verfahrensmechaniker in der Hütten- und Halbzeugindustrie wird dann der Verfahrenstechnologe Metall.

Alles wird in Zukunft aber nicht per Computer ablaufen. Verfahrensmechaniker oder -technologen müssen auch künftig in der Lage sein, die Anlagen manuell zu bedienen, sagt Thörner. Denn erstens können die Computer auch einmal ausfallen. Zweitens sind viele Anlagen in der Stahlindustrie seit vielen Jahren im Einsatz und damit noch nicht auf die digitale Welt ausgerichtet.

Die großen Maschinen in den Produktionshallen fand Maßeling zunächst gewöhnungsbedürftig. „Angst davor habe ich keine, eher Respekt“, sagt er. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: die Schichtarbeit. Dafür ist die Ausbildungsvergütung vergleichsweise gut. Sie liegt laut Wirtschaftsvereinigung Stahl je nach Ausbildungsjahr zwischen 850 Euro und 1 000 Euro. Hinzu kommen Zuschläge für die Schichtarbeit.

Nach der Ausbildung sind Verfahrensmechaniker der Hütten- und Halbzeugindustrie mit der Fachrichtung Stahl-Umformung etwa für die Elektro-, Medizin- und Feinwerkindustrie tätig. Sie stellen Schmiede-, Press- und Stanzteile sowie Zubehör und Bauteile für Fahrzeuge her. Die Einstiegsgehälter liegen etwa zwischen 2 400 und 3 000 Euro brutto, sagt Thorsten Thörner. Die Höhe des Einkommens ist abhängig von Schichtarbeits-Zuschlägen. In Sachsen liegt das Gehalt bei den Berufen in der Hüttentechnik für Vollzeitbeschäftigte im Schnitt bei etwa 3 106 Euro.

Wer nach der Ausbildung weiterkommen will, kann beispielsweise Industriemeister in der Fachrichtung Hüttentechnik werden. Dieser Karriereschritt ist eventuell auch für Maßeling eine Option. Was ihm an der Ausbildung sonst noch gefällt? „Ich lerne Dinge, für die ich auch zu Hause prima Verwendung habe“, sagt er. Zur Grundausbildung gehört zum Beispiel das Sägen. „So konnte ich mir daheim die Küchenmöbel passgenau zurechtsägen.“ (dpa/rict)