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Samstag, 20.02.2016

Städtische Kliniken können 2017 fusionieren

Die Dresdner Krankenhäuser haben es aus den roten Zahlen geschafft. Nun wird investiert. Ein Gespräch mit Jürgen Richter, dem Verwaltungsdirektor der Kliniken.

Jürgen Richter, Verwaltungsdirektor der städtischen Kliniken, sieht seine Häuser auf einem gutem Weg zu wirtschaftlicher Stabilität. Eine Fusion könnte helfen, Geld zu sparen.
Jürgen Richter, Verwaltungsdirektor der städtischen Kliniken, sieht seine Häuser auf einem gutem Weg zu wirtschaftlicher Stabilität. Eine Fusion könnte helfen, Geld zu sparen.

© Sven Ellger

Rund 2,5 Millionen Euro Verlust haben die städtischen Kliniken 2014 gemacht. Nun liegen die Zahlen für das vergangene Jahr vor. Und wieder beschäftigen sich die Stadträte mit einer möglichen Fusion der beiden Häuser in Friedrichstadt und Neustadt. Ein Gespräch mit Jürgen Richter, dem Verwaltungsdirektor der Kliniken.

Herr Richter, Sie haben sich im vergangenen Jahr weit rausgelehnt und den ersten Gewinn für beide Häuser vorhergesagt. Ist es gelungen?

Die Umsätze sind gewachsen, die Kosten aber auch, nur nicht so schnell. Durch diesen Effekt sind wir aus der Verlustzone herausgekommen. Wir haben 2015 die wirtschaftliche Stabilität erreicht und die schwarze Null geschafft, beide Häuser zusammengenommen. Friedrichstadt ist weiter vorn und deutlich über eine Million Euro. Neustadt hat einen kleinen Verlust erwirtschaftet, soll 2017 aber eine eigene schwarze Null erreichen. Alles unter Vorbehalt und ohne konkrete Zahlen zu nennen, da die Wirtschaftsprüfer noch im Haus sind. Jetzt beginnt die zweite Phase, die wir vorbereiten müssen, nämlich Investitionen aus eigener Kraft zu schaffen.

Warum wird Neustadt erst 2017 einen Gewinn erzielen?

Mit der Plastischen Chirurgie, dem Adipositaszentrum und der Geriatrie planen wir die Leistungen in Neustadt deutlich auszuweiten. Dafür bezahlen wir Lizenzgebühren. Das heißt, dass die neuen Leistungen im ersten Jahr noch nicht wirtschaftlich sind, sondern erst in den Jahren darauf.

Wo können Sie sparen?

Ein Ziel ist es, die Computersysteme beider Häuser zusammenzuführen. Da können wir jetzt loslegen. Wir haben derzeit zweimal Wartungskosten für zwei unterschiedliche Systeme. Erste Teile des gemeinsamen Systems werden wir zu einem möglichen Fusionszeitpunkt zum 1. Januar 2017 fertig haben, darunter die Bereiche Finanzen und Personalmanagement. Auch beim Einsatz von Medikamenten können wir möglicherweise sparen. Wir prüfen Produkte selbst, aber auch ob bestimmte Medikamente schneller von intravenöser auf orale Gabe umgestellt werden können.

Wollen Sie beim Personal sparen?

Wir werden personell weiterwachsen. Das entscheiden wir aber von Jahr zu Jahr. Für 2016 sind 40 neue Vollzeitkräfte geplant.

Wenn bereits gespart wird und Doppelstrukturen abgeschafft wurden, welchen Sinn würde eine Fusion überhaupt machen?

Ich befürworte eine Fusion, um betriebliche Entscheidungswege zu vereinfachen, um medizinische Stärken noch besser bündeln zu können und um nach außen die Rolle des Komplettversorgers zu zeigen.

An beiden Krankenhäusern gibt es große Baustellen. Was entsteht dort?

In Friedrichstadt wird das neue Krebszentrum mit der Palliativstation in diesem Jahr fertig. Im dritten Quartal ist dann auch das Haus N saniert. Dort zieht unter anderem die Neurochirurgie ein. Das alte Haus P ist noch ein offener Punkt. Wir haben Fördermittel beim Sozialministerium beantragt. Das Gebäude soll das Zentrum für die Innere Medizin mit Rheumatologie, Nephrologie, Gastroenterologie, Diabetologie und Pneumologie werden. In Neustadt werden wir mit der neuen Intensivstation Anfang des kommenden Jahres fertig. Die neue Alterstraumatologie, eine gemeinsame Station von Geriatrie und Unfallchirurgie, wird Mitte des Jahres in die Räume der alten Neurochirurgie ziehen.

Projekte wie das Haus P werden nicht komplett gefördert. Was halten Sie von Krediten für diese Bauvorhaben?

Ein kommunales Krankenhaus sollte sein Augenmerk nicht auf städtische Haushaltsmittel legen, sondern Investitionen selbst organisieren. Wenn ein Projekt zu 80 Prozent gefördert wird, käme für die restlichen 20 Prozent ein Kredit infrage.

Der Stadtrat hat im vergangenen Jahr eine Poliklinik für die Krankenhäuser vorgeschlagen. Kommt diese?

Aus der Wendezeit ist in Friedrichstadt eine Form der Poliklinik mit unserer Hautabteilung hervorgegangenen. Wir werden hoffentlich zum 1. April die bestehende Einrichtung in ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) umwandeln können. Die Antragsunterlagen sind an die Kassenärztliche Vereinigung gegangen. Wenn das erreicht ist, können wir zusätzliche Fachgebiete schaffen. Dabei wollen wir nicht die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten über Bord werfen. Bei der Nachsorge einer Krebs-OP ist der Onkologe der richtige Partner. Da haben wir mit zwei großen Praxen sehr gute Beziehungen.

Dort, wo es niemanden gibt, auf hochspezialisierten Gebieten etwa, wollen wir ergänzen. Wir reden auch mit den Ärzten im Ärztehaus über unsere MVZ-Ideen. Aber sie sind ja bewusst selbstständig niedergelassene Ärzte. Und ich sehe im Moment nicht, dass einer in ein MVZ gehen würde. Das heißt nicht, dass sie befürchten müssen, dass die Mietverträge gekündigt werden. Wir versuchen sogar, die räumliche Situation weiter zu verbessern.

In den letzten Bewertungen ist das Krankenhausessen nicht immer gut weggekommen. Was haben Sie getan?

Wir haben mit demselben Anbieter einen neuen Vertrag geschlossen und versucht, die Qualität des Essens in den Mittelpunkt zu stellen. Wir haben verabredet, dass jeden Tag Patienten befragt werden, wie es ihnen geschmeckt hat. Bei dieser Abfrage muss mindestens die Schulnote zwei erreicht werden. Wenn das nicht gelingt, muss der Anbieter zum Beispiel seine Rezepte ändern. In beiden Häusern sind die Bewertungen besser geworden.

Die Fragen stellte Sandro Rahrisch.

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