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Samstag, 15.05.2010

Stadt streicht Schulen die Grundreinigung

Um Geld zu sparen, werden die Schulgebäude in Dresden im Sommer nicht mehr geputzt. Weil Lehrer verdreckte Schulen den Kindern nicht zumuten wollen, putzen viele selbst.

Von Denni Klein

Der Sparkurs von Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) trifft nun auch die Sauberkeit in Schulen. Erstmals wird es in den Sommerferien keine Grundreinigung der Gebäude geben. Möbel werden nicht gesäubert, sanitäre Anlagen nicht geschrubbt, Fußböden, Heizungen und Fensterbretter bleiben verdreckt: Der ganze Dreck eines Schuljahres bleibt liegen.

Normalerweise werden die Gebäude in den Sommerferien grundhaft gereinigt. Nach Angaben von Schulleitern werden dabei zum Beispiel verschmierte Schulbänke geschrubbt, Fußböden abgezogen und neu versiegelt. Es werden nicht nur Klos, sondern auch die Kabinen und Fliesen mit gereinigt.

Die Stadt spart damit in diesem Jahr 337000Euro. „Derzeit besteht für Dresden eine fünfprozentige pauschale Haushaltsperre“, begründet der Leiter des Schulverwaltungsamts, Falk Schmidtgen, die Entscheidung. Die Schulen nicht zu reinigen, sei nicht so schlimm, wie bei Lehr- und Lernmitteln, Ausstattung oder der wöchentlichen Reinigung zu sparen, erklärt er.

Fatales Signal an die Kinder

Der Kreiselternrat findet die Auswüchse der Sparpolitik unfassbar. Es gehe um Hygiene und Gesundheit für die Kinder, sagt Sprecherin Annett Grundmann. Sie fordert die umgehende Rücknahme der Streichung. „Die Schulen müssen wenigstens einmal im Jahr gründlich gereinigt werden.“

Amtsleiter Schmidtgen weist die Kritik zurück: „Reinigungstechnisch treten Hygienedefizite durch den Wegfall der Grundreinigung nicht auf.“ Es werde ja auch täglich gereinigt.

Das sehen Dresdens Schulleiter anders. „Bei den täglichen Reinigungen haben die Mitarbeiter pro Raum etwa fünf Minuten Zeit. Das ist kaum mehr als feuchtes Kehren.“ Aufgrund des Zeitdrucks seien die Ergebnisse unbefriedigend. „Dadurch wird die Grundreinigung für unsere Häuser noch wichtiger.“ Sie erinnern daran, dass ohne Pflege auch der Verschleiß am Mobiliar und an Fußböden die Haltbarkeit verkürzen und somit wesentlich höhere Folgekosten in Kauf genommen würden.

Die Lehrkräfte sehen zudem auch ein pädagogisches Problem. Es sei ein fatales Signal an die Kinder. „Wir bringen ihnen bei, Ordnung zu halten und sich für Sauberkeit zu engagieren und dann lebt ihnen die Stadt in den Schulen das Gegenteil vor, wenn sie sagt, Sauberkeit ist nicht so wichtig.“

Viele Lehrer wollen den Kindern im kommenden Schuljahr diese Zustände nicht zumuten. Sie werden deshalb wohl selbst zu Schwamm und Putzmittel greifen und ihre Schulen schrubben. Es sei verantwortungslos, wenn Heizungen, Fensterbänke oder Möbel vor Dreck kleben. „Seitens des Schulverwaltungsamtes gibt es weder eine Aufforderung noch eine Bitte an die Lehrerschaft, Gebäudereinigungsarbeiten durchzuführen“, erklärt der Amtsleiter.

Einige wenige Schulen haben in diesem Sommer Glück. Sie werden gereinigt, weil sie Unterkünfte für die U-20-Fußball-WM-Betreuer sind. Aber nach SZ-Informationen zahlt die Reinigung der Veranstalter, um sich vor den freiwilligen Helfern nicht zu blamieren.

Blamage zum Kirchentag droht

Das wird 2011 anders sein. Dann bekommen die Schulen ein noch größeres Problem. Dann findet in Dresden die Fußballweltmeisterschaft der Frauen und der Kirchentag statt. Für beide Großveranstaltungen werden Dresdens Schulen als Unterkünfte genutzt. „Das wird peinlich, wenn Dresdens Gäste dann im Dreck von zwei Jahren fehlender Schulreinigung liegen“, warnen Schulleiter.

Ob es so weit kommt, ist offen. „Im Jahr 2010 wird an allen Schulen die Grundreinigung ausgesetzt. Diese Maßnahme ist ausschließlich für dieses Jahr vorgesehen“, versichert der Schulverwaltungsamtsleiter. Allerdings stehen die Budgets für 2011 und 2012 noch nicht fest. Bleibt Finanzbürgermeister Vorjohann hart, droht Dresden dann eine große Blamage.