sz-online.de | Sachsen im Netz

Spritze fürs schimmlige Schlossdach

Stanislaw Tillich übergibt in Hermsdorf eine halbe Million Euro für die Sanierung. Die ist dringend nötig.

06.10.2017
Von Nadine Steinmann

Bild 1 von 2

ürs schimmlige Schlossdach
Der Dachboden des Schlosses Hermsdorf zeigt die chaotischen Zustände. Doch zunächst will man sich von unten nach oben vorarbeiten und das Mansardgeschoss in Angriff nehmen. Dies habe Priorität und sei der Hauptteil der Schlossdachsanierung.

© Thorsten Eckert

Hermsdorf. Rüstige Rentner, rührige Lokalpatrioten oder die fleißigen Heinzelmännchen – für die Mitglieder der Hermsdorfer Interessengemeinschaft, die ehrenamtlich Stück für Stück das Schloss sanieren, haben hiesige Journalisten schon so manche Bezeichnung gefunden. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich fügte dem Sammelsurium am Donnerstagvormittag einen weiteren Namen hinzu: die positiv Verrückten. So nannte er die ehrenamtlichen Fleißbienen, als er im Schloss Hermsdorf zu Gast war, um Fördermittel von knapp einer halben Million Euro zu übergeben.

Die „positiv Verrückten“ kennt der Landesvater schon seit einigen Jahren. So war er schon oft im Schloss, um sich die Arbeiten der Interessengemeinschaft anzuschauen. „Als er zuletzt bei der Eröffnung des Gartensaals zu Besuch war, haben wir mit ihm bereits über unsere Sorgen bezüglich des Schlossdaches gesprochen“, berichtet Monika Klink von der Interessengemeinschaft. Diese Sorgen hat der Ministerpräsident offenbar nicht vergessen. Denn gemeinsam mit seinen CDU-Kollegen Arnold Vaatz und Michael Kretschmer hat er darum gekämpft, Fördermittel für die Sanierung des Daches locker zu machen. Nach einigen Rückschlägen, kam nun der Erfolg: 322 000 Euro hatte Tillich aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Bundesrepublik dabei und zusätzlich noch einmal 172 000 Euro vom Freistaat Sachsen. „In diesem Schloss ist viel passiert, ohne dass Fördermittel geflossen sind“, betonte er bei der Übergabe und spielte damit erneut auf das besondere Engagement der Ehrenamtlichen an. Allein deswegen sei dieser Tag ein ganz Besonderer für Ottendorf. „Mit diesen Geldern können wir das Schloss Hermsdorf als Kulturgut auch in den kommenden Jahrzehnten erhalten“, freut sich Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald, der das Geld offiziell entgegennehmen konnte. Schließlich muss er noch seinen eigenen Scheck dazugeben. Denn allein mit den Fördermitteln vom Bund und vom Freistaat ist die Sanierung des Schlossdaches nicht vollständig finanziert. Die im Juli angefertigte Kostenschätzung des Ingenieurbüros JBS-Architekten geht von rund 661 205 Euro aus. Sprich: Die Gemeinde muss noch einen ordentlichen Batzen Geld drauflegen. Weitere Fördermittel in Höhe von rund 52 814 Euro hat die Verwaltung mittlerweile bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beantragt. Eine Entscheidung dazu fällt frühestens im Februar des kommenden Jahres.

Doch mit den nun überreichten Fördermitteln können die ersten Arbeiten beginnen. Und die sind dringend nötig. Denn im Mansardgeschoss faulen die Holzbalken vor sich hin, im Barocksaal ist überall Schwamm zu finden und die Zwischendecken sind schimmlig. In zahlreichen der längst verlassenen kleinen Räume, in denen bis 1999 die Bewohner des Altenpflegeheims Zuhause waren, sind alte Kachelöfen zu finden. „Das muss alles raus. Auch die für das Pflegeheim eingezogenen Wände sollen wieder eingerissen werden“, berichtet Monika Klink. Das Mansardgeschoss soll kurzum seinen zuletzt bekannten Grundriss zurückerhalten. Dafür muss viel getan werden und die Gemeinde möchte nun die ersten Leistungen ausschreiben. „Damit die Arbeiten im zeitigen Frühjahr beginnen können“, so Bürgermeister Michael Langwald. Die Sanierung am Dach übernehmen also nicht die „positiv Verrückten“, sondern Fachleute. Das ist auch gut so, schließlich sind die ehrenamtlichen Rentner noch mit den Restarbeiten am Westcafé – bzw. Prinz Hermann Salon, wie er mittlerweile getauft wurde – beschäftigt.

Zunächst steht übrigens nur das Mansardgeschoss im Fokus der Arbeiten. Der Dachboden bleibt außen vor. „Wir arbeiten uns von unten nach oben“, so das Gemeindeoberhaupt. Die Sanierung des Schlossdaches wird also nicht in einem Schwung erledigt. Dazu fehlt das nötige Kleingeld. „Dieser Teil ist der schwierige und der teure. Mittelfristig wird auch das restliche Dach saniert“, so Michael Langwald. Dafür seien erneut rund 200 000 Euro notwendig.