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Mittwoch, 04.10.2017

Sportkomplex-Pläne in der Kritik

Die Stadt will das Areal am Eichenhain umgestalten und muss dafür Bauland schaffen. Im Stadtrat gibt es Gegenwind.

Von Eric Weser

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Die alte Schwimm- und Sporthalle in Gröditz ist sanierungsbedürftig und entspricht nach Meinung von Baufachleuten in mehrerlei Hinsicht nicht mehr den modernen Anforderungen an ein solches Gebäude.
Die alte Schwimm- und Sporthalle in Gröditz ist sanierungsbedürftig und entspricht nach Meinung von Baufachleuten in mehrerlei Hinsicht nicht mehr den modernen Anforderungen an ein solches Gebäude.

© Lutz Weidler

  • Die alte Schwimm- und Sporthalle in Gröditz ist sanierungsbedürftig und entspricht nach Meinung von Baufachleuten in mehrerlei Hinsicht nicht mehr den modernen Anforderungen an ein solches Gebäude.
    Die alte Schwimm- und Sporthalle in Gröditz ist sanierungsbedürftig und entspricht nach Meinung von Baufachleuten in mehrerlei Hinsicht nicht mehr den modernen Anforderungen an ein solches Gebäude.
  • Die Schwimmhalle – Blick ins leere Becken – ist seit 2013 geschlossen.
    Die Schwimmhalle – Blick ins leere Becken – ist seit 2013 geschlossen.
  •  Die Stadt plant für die Sporthalle zumindest einen zeitgemäßen Ersatzbau. Er soll gegenüber entstehen, wo heute noch ein Acker ist
    Die Stadt plant für die Sporthalle zumindest einen zeitgemäßen Ersatzbau. Er soll gegenüber entstehen, wo heute noch ein Acker ist

Riesa. Der neue Sportkomplex am Gröditzer Eichenhain erntet Widerspruch. Linken-Fraktionschef Ulrich Keil übte im jüngsten Stadtrat Kritik an einer aktuellen Planung. Er stieß sich daran, dass die Sport- und Schwimmhalle darin als „marode“ bezeichnet wird. Stimme er diesen Plänen zu, gäbe er außerdem bereits dem Abriss grünes Licht, so Keils Befürchtung. Den Stadträten in Beschlussvorlagen scheinbar Nebensächliches derart „unterzuschieben“, kritisiert Keil als erprobte „Salamipolitik“ der Stadtführung. Er halte es zudem für „Wahnsinn“, dass die seiner Meinung nach gut erhaltene jetzige Sporthalle ersetzt werden soll. Besser sei eine Sanierung, zumal die weniger koste als ein Neubau für acht Millionen Euro.

Ein Ersatz sei der geplante Neubau ohnehin nicht. Denn die geplante Sporthalle könne die Schwimmhalle nicht ersetzen. Deren Notwendigkeit sei aber 2009 nachgewiesen worden. Von ausgerechnet jenem Ingenieurbüro, das in den jetzigen Planungen von einem Abriss spreche.

Vize-Stadtchef Thomas Ackermann (CDU), der im Stadtrat den abwesenden Jochen Reinicke (parteilos) vertrat, wies die Kritik zurück. Es stehe außer Frage, dass die 2013 geschlossene Schwimmhalle marode sei. Bei der nach wie vor genutzten Sporthalle komme man energetisch nicht mehr hin, die Kosten würden ausufern. Der Abriss der bestehenden Gebäude sei aber gar nicht das Thema, so Ackermann.

Tatsächlich ging es beim Stadtrat im Kern um etwas anderes: Die Stadtverwaltung hatte von einem Ingenieurbüro den Entwurf für einen Bebauungsplan erarbeiten lassen. Dieser Plan macht grob ersichtlich, wie der neue Sportkomplex am Eichenhain einmal aussehen soll. Im Mittelpunkt steht, dass gegenüber der heutigen Sport- und Schwimmhalle eine neue, moderne Sporthalle entstehen soll. Da der geplante Standort heute noch eine Agrarfläche ist, muss diese erst in Bauland umgewandelt werden. Dafür braucht es einen genehmigten Bebauungsplan. Das nötige Verfahren dazu sollten die Stadträte mit ihrem Beschluss ein Stück voranbringen.

Alle Zeichen auf Abriss

Gleichwohl fällt in der Planzeichnung als auch im Anhang mehrmals das Wort Abriss, wenn es um die Sport- und Schwimmhalle geht. Nur: Neu ist das nicht.

Seit mindestens zwei Jahren thematisiert das Rathaus offen einen Abriss der Doppelhalle am Eichenhain. 2015 fasste eine Stadtratsmehrheit gar einen Grundsatzbeschluss zum Konzept „Generationen in Bewegung“. Unter diesem Titel hatte die Stadt die Gröditzer Sport- und Freizeitangebote durchleuchten lassen. Ergebnis war eine 80-seitige Studie, in der es zur Sport- und Schwimmhalle unter anderem heißt, dass ein „Abriss des Gesamtkomplexes und ein Ersatzneubau einer Mehrfeldhalle (...) zu empfehlen“ sei. Begründet wird das unter anderem mit mangelndem Platz im Zuschauer- und Stauraumbereich der jetzigen Sporthalle, fehlender Barrierefreiheit und einer teuren energetischen Sanierung.

Dass der geplante Sporthallen-Neubau acht Millionen Euro kosten wird, ist zudem fraglich. Die Kostenschätzung, auf die sich Linken-Fraktionschef Keil dabei beruft, stammt aus dem Leitbild für das Sportzentrum aus dem vorigen Jahr. Darin ist zwar von 8,3 Millionen Euro Investitionsbedarf die Rede. Allerdings für den Gesamtkomplex am Eichenhain. Der Hallen-Neubau ist neben der Umgestaltung der Verkehrswege und weiteren Maßnahmen dabei nur ein Kostenpunkt – wenn auch mit drei Millionen Euro der Größte.

Die deutliche Mehrheit der Stadträte stimmte letztlich für den vom Rathaus vorgeschlagenen Bebauungsplan, die drei Freien Wähler sowie Ulrich Keil und Petra Mißbach (beide Linke) dagegen. Der Plan wird nun einen Monat für mögliche Stellungnahmen öffentlich ausgelegt.