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Donnerstag, 09.01.2014

Spiel um Milliarden

Der Skandal um den Dresdner Finanzdienstleister Infinus wird zu einer der größten Pleiten Deutschlands. Wochenlang haben Reporter den Fall recherchiert. Das ganze Ausmaß dokumentiert die SZ in einer Serie.

Von Ulrich Wolf

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Anfang November vorigen Jahres stoppte die Staatsanwaltschaft Dresden den Höhenflug des Dresdner Finanzvertriebs Infinus mit einer überraschenden Razzia im gesamten Bundesgebiet.
Anfang November vorigen Jahres stoppte die Staatsanwaltschaft Dresden den Höhenflug des Dresdner Finanzvertriebs Infinus mit einer überraschenden Razzia im gesamten Bundesgebiet.

© momentphoto.de/Bonss

In der breiten Öffentlichkeit waren sie kaum bekannt, doch auf dem Markt der bankenunabhängigen Dienstleister waren sie eine Größe: die Macher des Dresdner Finanzvertriebs Infinus. Anfang November vorigen Jahres stoppte die Staatsanwaltschaft Dresden den Höhenflug mit einer überraschenden Razzia im gesamten Bundesgebiet. Sechs Manager sowie Aufsichtsräte der Finanzgruppe sitzen seitdem in Untersuchungshaft, verteilt auf diverse Gefängnisse in Sachsen.

Der Vorwurf: In den Verkaufsprospekten für Wertpapiere konzerneigener Firmen sollen „unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage“ gemacht worden sein. Zudem, so Oberstaatsanwalt Lorenz Haase, werde untersucht, ob die Gruppe sich über ein Schneeballsystem finanziert habe, bei dem ausstehende Zahlungen an Anleger durch Einlagen von Neukunden finanziert worden seien. Infinus hatte sämtliche Vorwürfe im November als haltlos zurückgewiesen, reagiert aber seitdem auf Anfragen nicht mehr.

Nach der Razzia mussten 17 der insgesamt 22 Firmen rund um die wichtigsten Gesellschaften Infinus AG Ihr Kompetenzpartner, Future Business KG auf Aktien (Fubus) sowie Prosavus AG Insolvenz anmelden. Nach SZ-Informationen belaufen sich die Forderungen der Gläubiger bereits auf rund eine Milliarde Euro. Allein in der Fubus-Bilanz des Jahres 2012 stehen Verbindlichkeiten von 710 Millionen Euro. Zum Vergleich: Bei der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker gibt es derzeit 22.700 Gläubiger, die offene Rechnungen über gut 1,1 Milliarden Euro haben.

Ermittlungen könnten Jahre dauern

Oberstaatsanwalt Haase sagte, man arbeite zwar mit Hochdruck an dem Verfahren, es sei aber offen, wie lange die Ermittlungen noch dauerten. Die Staatsanwaltschaft vermutet, es könnten rund 25.000 Anleger um etwa 400 Millionen Euro betrogen worden sein. Eine mögliche Schadenshöhe hängt maßgeblich davon ab, wie viel Vermögen die Justiz sicherstellt – und was davon die Insolvenzverwalter verwerten können. Bis feststeht, wie viel Geld Gläubiger zurückbekommen, vergehen in Fällen dieser Größe oft zehn Jahre und mehr.

Die Dresdner Staatsanwaltschaft hat derweil den Kreis der Beschuldigten auf zehn erweitert. Außer den bereits inhaftierten Managern und Aufsichtsräten der Infinus-Gruppe sowie zwei Goldhändlern aus Salzburg stehen nun auch der Wirtschaftsprüfer sowie der Steuerberater der Infinus-Gruppe im Fokus der Ermittlungen. Zudem läuft in Sachen Infinus auch ein Verfahren in Wien. Die zuständige Staatsanwältin Nina Bussek sagte, 25 Vermittler des Finanzvertriebs stünden unter dem Verdacht, über den Erwerb von Policen eines österreichischen Versicherers Geld gewaschen haben. „Alle Beschuldigten sind deutsche Staatsbürger.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. larsmichel

    Hat die Stadtverwaltung von Dresden hier auch "angelegt"? Oder andere Stadtverwaltungen in Sachsen ?

  2. Peter Herzog

    Nur mal so: ein kleiner Querverweis vom letzten Satz zur aktuellen Ausländerdebatte...

  3. Robert

    Das kommt davon, wenn man den Hals nicht voll genug bekommt!

  4. Leser

    Solche Geschäfte finden hier in Sachsen nährreichen Boden...

  5. wattwanderer

    Wieso kapieren Journalisten eigentlich nie den Unterschied zwischen Insolvenz und Pleite??? Beim MDR das gleiche Unwissen.... Insolvenz muss auch angemeldet werden, wenn man aufgrund gesperrter Konten nicht mehr zahlungsfähig ist. Oder weiß das Provinzblatt etwa mehr? Und dass man sich nicht mehr bei Zeitungen meldet ist doch gängige Praxis und vertretbar aus Sicht der Gesellschaften.

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